Das Währungspaar EUR/USD hat tatsächlich zugunsten des US-Dollars gedreht und seine Abwärtsbewegung wieder aufgenommen. Donald Trump hat sein Ziel erreicht, indem er äußerst widersprüchliche Aussagen zum Iran und zum Konflikt im Nahen Osten gemacht hat. Eine ganze Woche lang gab der US-Präsident Erklärungen ab, die sowohl der Lage im Nahen Osten als auch der offiziellen Position Irans widersprachen. Infolgedessen mussten Händler entscheiden, wem sie mehr Vertrauen schenkten. Überraschenderweise wurde dem offiziellen Teheran mehr Glauben geschenkt. Daher steigt der Dollar bereits seit fünf Tagen in Folge, die Verkäufer sind wieder aktiv und die Marktteilnehmer glauben nicht an eine schnelle Lösung des Konflikts im Nahen Osten. Insgesamt hat es wenig Sinn, jede einzelne Äußerung des US-Präsidenten zu analysieren, da sie nicht mit der Realität übereinstimmen oder zumindest nicht bestätigt sind. Verhandlungen mit Teheran könnten zwar tatsächlich stattfinden, doch abgesehen von Trumps Aussagen gibt es dazu keinerlei Informationen.

Der gesamte Anstieg der US-Währung in den vergangenen 4–5 Wochen wurde durch Geopolitik angetrieben. Deshalb habe ich wiederholt betont, dass ich trotz des Bruchs wichtiger, trendbildender Tiefs nicht an ein Ende des Aufwärtstrends glaube. Derzeit kann das Ungleichgewicht 12 als aufgehoben betrachtet werden, gleichzeitig ist jedoch keinerlei Reaktion auf das Ungleichgewicht 11 zu erkennen. Folglich haben sich in letzter Zeit keine Handelssignale gebildet. Die Kursbewegung der letzten zwei Monate könnte in einen Abwärtstrend übergehen, falls die Geopolitik den Dollar weiter unterstützt.
Eine weitere Stärkung des US-Dollars ist möglich, wenn die Geopolitik die Verkäufer weiterhin deutlich unterstützt. Wie bereits erwähnt, müsste sich dafür die Lage im Nahen Osten nicht nur angespannt halten, sondern sich weiter verschärfen. Wie viel schlimmer kann es werden? Der Ölpreis müsste seinen Anstieg in Richtung 150–200 US-Dollar pro Barrel fortsetzen (was er bereits tut), weitere Länder müssten sich in den Konflikt hineinziehen lassen (Jemen hat bereits Angriffe auf Verbündete der USA durchgeführt), und die entwickelten Volkswirtschaften müssten deutlich unter den hohen Öl- und Gaspreisen leiden (diese Bedingung ist bereits erfüllt). Zudem müsste sich der Konflikt über viele Monate hinziehen (was derzeit so aussieht). Zuvor habe ich gesagt, dass ich die Voraussetzungen für ein solches Szenario nicht sehe, doch bislang gibt es aus dem Nahen Osten keine positiven Nachrichten.
Aktuell lassen sich keine neuen Muster für das Eingehen von Positionen erkennen. Selbst während des laufenden Rückgangs des Euro dürften sich keine neuen Ungleichgewichte ausbilden, da die Bewegung relativ langsam verläuft. Somit bleibt das einzige nutzbare Muster das Ungleichgewicht 11, das bislang kein zweites Mal ausgelöst wurde.
Das Chartbild signalisiert weiterhin einen bullischen Überhang. Der Aufwärtstrend ist intakt; dennoch befinden sich die Käufer aufgrund der sich stark wandelnden Nachrichtenlage in einer schwierigen Position. Um neue Long-Positionen zu eröffnen, werden neue bullische Muster benötigt oder zumindest ein Liquiditätsabgriff der letzten beiden bärischen Swings. Ein solcher Liquiditätsabgriff hat stattgefunden, stellt jedoch kein handelbares Muster dar und kann daher nicht als Grundlage für neue Trades dienen.
Die Nachrichtenlage war am Montag praktisch ereignislos. Weder in Europa noch in den USA wurden nennenswerte Daten veröffentlicht. Donald Trump beharrt weiterhin auf Verhandlungen mit Iran und hat Luftschläge gegen die iranische Energieinfrastruktur bereits zum zweiten Mal verschoben, diesmal auf den 6. April. Diese Zusicherungen bremsen jedoch weder den weiteren Anstieg des Dollars noch der Ölpreise.
Es gibt nach wie vor viele Gründe für Käufe, und selbst der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat diese nicht beseitigt. Strukturell und im großen Bild hat sich an Trumps Politik, die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Dollars geführt hat, nichts geändert. Kurzfristig könnte sich die US-Währung durch eine Flucht der Anleger aus Risikoanlagen stärken, doch dieser Faktor dürfte sie kaum dauerhaft stützen. Weitere starke Treiber für den Dollar sind nicht erkennbar. Ich glaube weiterhin nicht an einen nachhaltigen Abwärtstrend. Der Dollar hat vorübergehende Unterstützung erhalten, doch es ist unklar, wie lange diese anhalten wird.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
- Deutschland – Veränderung der Einzelhandelsumsätze (06:00 UTC).
- Deutschland – Arbeitslosenquote (07:55 UTC).
- Eurozone – Verbraucherpreisindex (09:00 UTC).
- USA – Veränderung der JOLTS-Stellenangebote (14:00 UTC).
Am 31. März umfasst der Wirtschaftskalender vier Termine, von denen im Grunde nur die Inflation in der Eurozone von wirklichem Interesse ist. Der Einfluss der Nachrichtenlage auf die Marktstimmung dürfte am Dienstag begrenzt bleiben.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Aus meiner Sicht befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Die Nachrichtenlage hat sich vor etwa vier Wochen abrupt geändert, doch der Trend selbst kann noch nicht als vollständig gedreht oder beendet gelten. Daher benötigen Trader in naher Zukunft neue Muster und Signale, um kurzfristige Prognosen zu erstellen und Positionen zu eröffnen.
In nächster Zeit könnten Verkäufer am Ungleichgewicht 11 ein Signal erhalten, doch aktuell bewegt sich der Kurs in die entgegengesetzte Richtung. Käufer wiederum müssen auf die Ausbildung neuer bullischer Muster und weiterer Kaufsignale setzen.
