
Siehe auch: InstaForex Handelsindikatoren für den USDX
Am Donnerstag, dem 2. April 2026, ging der US‑Dollar erneut in die Offensive. Der USDX‑Index kehrte auf Niveaus über der psychologischen Marke von 100,00 zurück und machte frühere Verluste wett, nachdem Präsident Donald Trump die Hoffnungen auf ein rasches Ende des Krieges im Iran zerstört hatte. Die Risikoaversion kehrte an den Markt zurück und stellte die Rolle des Dollars als primäre „sichere Hafenwährung“ wieder her.
Aktuelle Lage: Trumps Rhetorik stärkt den USD erneut
In der vergangenen Nacht (Donnerstag, 01:00 Uhr GMT) hielt Trump eine Ansprache an die Nation, von der viele ein Signal zur Deeskalation erwartet hatten. Stattdessen wiederholte dieses wichtige Update die aggressive Rhetorik der vergangenen vier Wochen. Der Präsident erklärte, er rechne mit weiteren Kampfhandlungen von zwei bis drei Wochen, drohte Iran mit äußerst schweren Angriffen und forderte die Verbündeten auf, den Mut aufzubringen, „die Straße von Hormus zu sichern“.
Trump sagte außerdem, Iran habe einen Waffenstillstand beantragt, betonte jedoch, dieser hänge von einer Wiederöffnung der Straße von Hormus ab, womit er seine jüngste Darstellung einer Distanzierung von der Verantwortung für die Straße von Hormus verschob.
Der iranische Präsident Masud Pezeshkian reagierte mit einem offenen Brief an das amerikanische Volk und stellte infrage, ob der Krieg im Iran mit Trumps Versprechen „America First“ vereinbar sei. Teheran bezeichnete Washingtons Forderungen für ein Friedensabkommen als maximalistisch und irrational, während die Kampfhandlungen andauern: Israel und Iran tauschen Raketen und Drohnen aus.
Diese Eskalation führte zur Rückkehr der Risikoaversion, löschte den Großteil der Rallye der vergangenen zwei Tage aus und stärkte die Nachfrage nach dem Dollar.
Fundamentaler Hintergrund: US‑Wirtschaft bleibt widerstandsfähig
Am Mittwoch wurden makroökonomische Daten veröffentlicht, die den Dollar stützten. Der ADP‑Arbeitsmarktbericht zeigte im März einen Nettozuwachs von 62.000 Stellen und übertraf damit die Erwartungen von +40.000; zudem wurden die Daten für Februar auf +66.000 nach oben revidiert (von zuvor +63.000).
Der ISM‑Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg auf 52,7 – den höchsten Stand seit Juli 2022 – nach 52,4 im Februar und lag damit ebenfalls über den Prognosen. Der Optimismus über die Überschriftenzahlen wurde jedoch durch steigende Kosten und schwache Beschäftigungskomponenten relativiert: Der Preisindex sprang auf 78,3, während der Beschäftigungsindex auf 48,7 nachgab.
Nun richtet sich alle Aufmerksamkeit auf den Nonfarm-Payrolls-Bericht, der am Freitag um 12:30 Uhr GMT veröffentlicht wird. Der Marktkonsens rechnet mit einer Verbesserung der Beschäftigtenzahlen, wobei +60.000 neue Stellen erwartet werden, was den Rückgang um -92.000 im Februar teilweise ausgleichen würde. Die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,4% verharren.
Auch wenn die anstehenden Arbeitsmarktdaten die Auswirkungen des Krieges auf den Arbeitsmarkt noch nicht vollständig widerspiegeln dürften, können sie die Märkte dennoch deutlich bewegen – insbesondere die Anleiherenditen, den Dollar und die Rohstoff-Futures (die US-Aktienmärkte bleiben am Freitag wegen Karfreitag geschlossen). Jeder spürbare Anstieg der Arbeitslosigkeit oder ein schwacher NFP-Wert könnte unverhältnismäßig starke Auswirkungen auf die Märkte haben.
Ausblick: zwei Szenarien

Szenario A (Hauptszenario): anhaltende Spannung und Halten über 100,00
Das wahrscheinlichste kurzfristige Szenario ist, dass der Dollar in einer Spanne von 99,55 (EMA50 im wöchentlichen USDX) bis 100,60 (dieses Wochenhoch) gehandelt wird, mit Versuchen, sich über 100,00 zu halten. Trumps Rhetorik und das Ausbleiben echter Fortschritte in den Verhandlungen stützen die Nachfrage nach sicheren Häfen, und starke ADP- und ISM-Daten bestätigen die Robustheit der US-Wirtschaft.
Wenn sich der Konflikt in die Länge zieht (4–8 Wochen), könnte der Dollar sich weiter aufwerten, insbesondere wenn die Ölpreise erhöht bleiben.

Szenario B (bärisch): Deeskalation und Rückkehr zu 99,00
Für dieses Szenario wären greifbare Anzeichen für Verhandlungsfortschritte und eine Deeskalation erforderlich. Der Dollar könnte seine Funktion als sicherer Hafen verlieren und in die Spanne von 99,55–99,12 zurückfallen (EMA200 in den Tages- und 4-Stunden-USDX-Charts). Langfristig orientierte strategische Investoren rechnen weiterhin mit einer Dollar-Schwäche, sobald die geopolitische Prämie entfällt; ein Bruch der Zone 99,12–98,83 (EMA144 im Tageschart) wäre eine erste Bestätigung dieser Sichtweise.

Fazit
Der US-Dollar hat erneut seine Widerstandskraft bewiesen und sich wieder über die Marke von 100,00 erholt, nachdem die Hoffnungen auf einen schnellen Frieden durch Trumps harte Rhetorik und anhaltende Kampfhandlungen zunichtegemacht wurden. Starke Konjunkturdaten (ADP, ISM) stützten die Währung, und die Märkte preisen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von über 50 % für eine Zinserhöhung der Fed bis Jahresende ein.
Das technische Bild wirft jedoch Fragen auf: Ein mögliches Doppeltop im Bereich von 100,60 könnte die Aufwärtsbewegung begrenzen, während die strukturellen Schwächen des Dollars – Haushaltsdefizite, politische Unsicherheit und ein allmählicher Trend zur De-Dollarisierung – weiterhin ungelöst sind.
Die Schlüssellage bei 99,55–100,60 (mit einer Mittellinie in der Nähe der EMA200 im 1-Stunden-Chart des USDX und der Marke von 99,80) dürfte in den kommenden Tagen zum entscheidenden Kampfgebiet werden. Die morgigen Beschäftigungsdaten (NFP) sind der entscheidende Test: Ein starker Wert würde die Erwartungen einer restriktiveren Fed-Politik untermauern und den Dollar stützen, während schwächere Daten eine Korrektur auslösen könnten.
Unabhängig vom Szenario wird die Volatilität hoch bleiben. Anleger sollten die diplomatischen Entwicklungen und vor allem den NFP-Bericht am Freitag genau verfolgen. Sobald sich die Lage im Nahen Osten normalisiert und der Ölpreis unter 90 US-Dollar zurückkehrt, könnte der Dollar seinen Schwächungstrend wieder aufnehmen. Solange sich die Tür zum Frieden jedoch nicht öffnet, dürfte der Dollar seinen Boden behaupten.
