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FX.co ★ Markt klammert sich an die Hoffnung

Markt klammert sich an die Hoffnung

Irgendwo tief im Inneren hegen Anleger die Hoffnung, dass der Konflikt im Nahen Osten bald enden wird

Dem Markt gefiel nicht, was er von Donald Trump zu hören bekam. Investoren hatten vom Weißen Haus eine klare Zeitschiene für ein Ende des Konflikts im Nahen Osten erwartet – eine Erklärung, dass die Straße von Hormus bald wieder geöffnet werde und die rund 10 Mio. b/d an ausgefallener Angebotsmenge zurückkehren würden. Stattdessen folgten Drohungen, den Iran „in die Steinzeit zurückzubomben“. In der Folge stürzte der S&P 500 ab und erholte sich erst wieder, nachdem Meldungen über eine Einigung zwischen Iran und Oman zum Tankertransit bekannt wurden.

Der bewaffnete Konflikt im Nahen Osten dauert nun fast fünf Wochen an, und Anleger reagieren stärker auf die Reden von Donald Trump als auf Makrodaten oder Unternehmensberichte. Die Behauptung des Präsidenten, der Krieg werde in 2–3 Wochen enden, beflügelte eine Rally des S&P 500. Der Index dürfte nach fünf roten Wochen in Folge seine erste grüne Woche verzeichnen.

Wöchentliche Performance des S&P 500

Markt klammert sich an die Hoffnung

Während die USA ein Nettoexporteur von Energieprodukten sind, was die Wirtschaft kurzfristig stützen sollte, werden Lieferunterbrechungen die Inflation beschleunigen, die Binnennachfrage und das BIP dämpfen und letztlich sogar in eine Rezession münden können.

In Europa ist die Lage noch schlechter. Die Region importiert nicht nur Öl und Gas, sondern die ECB bereitet zudem mehrere Zinserhöhungen vor. Diese Straffung wird den Währungsraum weit vor der US-Wirtschaft in eine Kontraktion treiben. Kein Wunder also, dass die Volatilität deutscher Staatsanleihen stark ansteigt und die europäischen Aktienindizes einbrechen.

Volatilitätsdynamik: deutsche Anleihen und EuroStoxx 600

Markt klammert sich an die Hoffnung

Der Ausverkauf bei europäischen Aktien hält Anleger davon ab, US?Werte zu verlassen. Gleichzeitig klammern sie sich an die Hoffnung, dass der Konflikt im Nahen Osten bald endet. Auf der sprichwörtlichen Stuhlkante sitzend, wollen sie keine Nachkriegsrallye verpassen – die Erinnerung an die Erholung des S&P 500 ist noch frisch, nachdem das Weiße Haus am Liberation Day of America umfangreiche Zölle eingeführt hatte.

So steigt der breite Index auf Hoffnung und fällt auf Fakten. Iran kontrolliert weiterhin die Straße von Hormus, der Ölpreis zieht an, und Trumps Drohungen schrecken Teheran nicht ab. Der Konflikt im Nahen Osten droht sich in die Länge zu ziehen. Sollte dies eintreten, muss sich die US?Wirtschaft auf eine Rezession einstellen.

Markt klammert sich an die Hoffnung

Die Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den USA spiegelt sich bereits in den Unternehmenszahlen wider. Die Tesla-Aktie fiel um mehr als 5 %, nachdem das Unternehmen niedrigere Auslieferungen meldete, als an der Wall Street erwartet worden waren.

Aus technischer Sicht ist der S&P 500 von einer Doji-Kerze zurückgelaufen und auf dem Tageschart zum fairen Wert bei 6.590 zurückgekehrt. Auf diesem Niveau tobt derzeit ein erbitterter Kampf. Ein Sieg der Bullen und ein anschließender Ausbruch über das lokale Hoch bei 6.610 würde die Wiederaufnahme von Long-Positionen in Richtung 6.665 und 6.700 rechtfertigen. Umgekehrt würde ein Sieg der Bären mit einem Rückgang auf 6.555 und darunter Verkaufssignale liefern.

*Die zur Verfügung gestellte Marktanalyse dient zu den Informationszwecken und sollte als Anforderung zur Eröffnung einer Transaktion nicht ausgelegt werden
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