Die Märkte, so heißt es, neigen dazu, neun der letzten fünf Rezessionen vorherzusagen. Bedeutet eine viertägige Rally des S&P 500, dass der Konflikt im Nahen Osten vorbei ist? Donald Trump setzte auf Zuckerbrot und Peitsche: einen 45-tägigen Waffenstillstand, falls Iran die Straße von Hormus wieder öffnet. Teheran lehnte den Vorschlag ab und legte einen Katalog mit zehn Forderungen vor. Der US-Präsident bezeichnete diese als unzureichend, nannte sie aber einen wichtigen Schritt.
Performance des S&P 500

Die Geopolitik bleibt ein zentraler Treiber der Märkte – und das nicht ohne Grund. Laut Miller Tabak + Co. ist der S&P 500 in der Vergangenheit um rund 20 % oder mehr gefallen, wenn die Ölpreise zuvor um 60 % gestiegen waren und auf diesem hohen Niveau blieben. Seit Beginn des Jahres 2026 hat Brent etwa 80 % zugelegt, WTI sogar rund 96 %. Selbst nach einer vollständigen Wiedereröffnung der Straße von Hormus wird es einige Zeit dauern, bis sich die Produktion erholt. Daher werden beide wichtigen Referenzsorten voraussichtlich für längere Zeit auf erhöhtem Niveau bleiben. Bedeutet das das Aus für den breiten Index?
Andere Modelle sprechen dagegen. Die Saisonalität spricht für den S&P 500. Historisch gesehen ist der April nach dem November der zweitbeste Monat des Jahres. Ein Grund dafür ist, dass nach den Steuerzahlungen im Frühjahr Haushalte und Unternehmen über Mittel verfügen, die häufig wieder in US-Aktien fließen.
Saisonale Entwicklung des S&P 500

Große Banken und Unternehmen signalisieren eine Kaufgelegenheit. Morgan Stanley empfiehlt, das Engagement in zyklischen Werten und hochwertigen Wachstumswerten zu erhöhen, während Yardeni meint, es sei an der Zeit, Big Tech zu kaufen. Die Bewertungen wurden zurückgesetzt: Das erwartete KGV (Forward P/E) der Magnificent Seven ist auf 20,6 gefallen und liegt damit nahezu auf Augenhöhe mit dem erwarteten KGV des S&P 500 von 19,6. KI-getriebene Produktivitätsgewinne und massive Investitionen bleiben ein struktureller Rückenwind für Technologieunternehmen.
Goldman Sachs verweist auf positive Zuflüsse von der sogenannten "Fast-Money"-Gruppe – also Handelsberatern und volatilitätsgetriebenen Strategien. Diese Gruppe hat im März globale Aktien im Wert von rund 240 Milliarden US-Dollar verkauft. Goldman schätzt, dass Fast Money im April Aktien im Volumen von etwa 55 Milliarden US-Dollar zurückkaufen wird, darunter rund 20 Milliarden US-Dollar in US-Aktien.

Daher wirken sich Saisonalität und kurzfristige Kapitalströme – insbesondere von Fast Money – derzeit positiv auf den S&P 500 aus. Dennoch mahnt die Historie zur Vorsicht: Eine anhaltende Phase hoher Ölpreise ist für den breiten Index ausgesprochen ungünstig. Es wirkt widersprüchlich.
Aus technischer Sicht zeigt das Tageschart, dass der S&P 500 derzeit die zweite Verteidigungslinie der Bären testet – den roten gleitenden Durchschnitt. Die bisherige Strategie, Erholungen im Bereich von 6.635 und 6.665 zu verkaufen, bleibt gültig. Ein alternatives Short-Signal wäre das Scheitern der Bullen, den Index oberhalb des Fair Value bei 6.590 zu halten.
