Das Währungspaar EUR/USD verzeichnete am Montag und Dienstag leichte Zuwächse und schoss am Mittwoch förmlich in die Höhe, nachdem die Nachricht über ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten bekannt wurde. In der aktuellen Situation ist es schwer, überhaupt zu entscheiden, wo man anfangen soll, daher beginne ich mit der technischen Analyse. Wie wir sehen, gab es eine Reaktion auf die bullische Imbalance 12, woraufhin eine neue Aufwärtsbewegung einsetzte. In den letzten Tagen habe ich die Aufmerksamkeit der Trader immer wieder auf dieses Muster gelenkt. Daher hatten Händler die Möglichkeit, Long-Positionen zu eröffnen, die nun sehr starke Gewinne verzeichnen.
Was den Nachrichtenhintergrund betrifft, so haben die Kampfhandlungen im Nahen Osten wieder begonnen. Daher ist unklar, ob es überhaupt sinnvoll ist, von einem Waffenstillstand zu sprechen, wenn man bedenkt, dass die USA vor wenigen Stunden eine weitere Raffinerie im Iran angegriffen haben, Iran Raketen in Richtung Kuwait abgefeuert hat und Israel aktiv den Libanon bombardiert. Für mich persönlich bleibt unverständlich, wer sich gestern auf welchen Waffenstillstand geeinigt haben soll, wenn er nur etwa 15 Stunden gedauert hat. Im Moment wäre es treffender, von einer Fortsetzung des Konflikts zu sprechen. Ich möchte jedoch nicht vorgreifen und werde auf offizielle Stellungnahmen warten – insbesondere von Trump.

Das gesamte Wachstum des US-Dollars in den vergangenen 4–5 Wochen wurde von der Geopolitik getrieben. Sobald sich die USA und Iran auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt hatten, zogen sich die Bären sofort zurück, und die Bullen traten auf den Plan. Inzwischen scheint dieser Waffenstillstand zwar schon wieder belanglos, doch entscheidend ist, dass ein bullisches Signal generiert wurde und das Währungspaar EUR/USD nun rasch steigt. Was braucht es mehr?
Ich habe wiederholt gesagt, dass ich nicht daran glaube, dass der Aufwärtstrend bereits beendet ist, trotz des Bruchs wichtiger trendbildender Tiefs. Die Kursbewegung der vergangenen zwei Monate könnte sich zwar zu einem Abwärtstrend entwickeln, falls die Geopolitik den Dollar weiter unterstützt. Dennoch zweifle ich nach wie vor daran, dass die Bären in der Lage sind, eine länger andauernde Attacke durchzuhalten. Eine weitere Aufwertung des US-Dollars ist nur möglich, wenn die Geopolitik die bärische Stimmung weiterhin massiv stützt – und wie ich bereits erwähnt habe, würde dies nicht nur eine angespannte, sondern eine sich deutlich verschärfende Lage im Nahen Osten voraussetzen.
Das Chartbild hat sich in den letzten Tagen verändert. Erstens könnte der Kurs in Kürze auf die Imbalance 11 reagieren und seine Abwärtsbewegung wieder aufnehmen. Allerdings sei noch einmal betont, dass der Aufwärtstrend nach wie vor intakt ist. Zweitens hat der Kurs bereits auf die Imbalance 12 reagiert und dabei ein bullisches Signal innerhalb eines bullischen Trends ausgebildet. Drittens ist es sehr wahrscheinlich, dass sich in dieser Woche eine neue bullische Imbalance bildet, die nicht nur als Interessenzone für Käufer, sondern auch als Unterstützungszone für den Euro dienen wird.
Am Mittwoch gab es keine nennenswerten Konjunkturereignisse. Seit den frühen Morgenstunden reagierten die Trader ausschließlich auf den Waffenstillstand zwischen den USA und Iran – und das mit einer solchen Begeisterung, dass selbst neue Raketenangriffe im Nahen Osten die bullischen Marktteilnehmer nicht davon abgehalten haben, ihre Story weiterzuspielen. In naher Zukunft wird es wichtig sein zu verstehen, was genau im Laufe des Tages geschehen ist, warum der Waffenstillstand gebrochen wurde und wie es nun weitergeht.
Es gibt nach wie vor viele Gründe, warum die Bullen aktiv bleiben können, und selbst der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat diese Gründe nicht wesentlich geschmälert. Strukturell und im großen Bild haben sich Trumps politische Leitlinien – die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Dollars geführt haben – nicht geändert. Kurzfristig kann die US-Währung im Zuge einer Flucht in sichere Häfen zulegen, doch ohne eine anhaltende Eskalation im Nahen Osten kann dieser Faktor keine dauerhafte Unterstützung liefern. Und es gibt derzeit keine anderen starken stützenden Faktoren für den Dollar. Ich glaube weiterhin nicht an einen nachhaltigen Abwärtstrend. Der Dollar hat vorübergehende Unterstützung erhalten, aber was soll weiteren bärischen Druck auslösen?
Wirtschaftskalender (USA & Eurozone):
- Eurozone – Veränderung der deutschen Industrieproduktion (06:00 UTC)
- USA – Kernrate der privaten Konsumausgaben (Core Personal Consumption Expenditures) (12:30 UTC)
- USA – BIP-Veränderung (Q4) (12:30 UTC)
- USA – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC)
Am 9. April enthält der Wirtschaftskalender vier Termine, wobei das US-BIP der wichtigste ist. Der Einfluss des Nachrichtenhintergrunds auf die Marktstimmung könnte am Donnerstag begrenzt bleiben.
EUR/USD-Prognose und Handelstipps
Meiner Ansicht nach befindet sich das Währungspaar weiterhin im Prozess der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Der Nachrichtenhintergrund hat sich vor etwa anderthalb Monaten zwar deutlich gedreht, doch der Trend selbst kann bisher weder als vollständig aufgehoben noch als abgeschlossen gelten.
Damit können die Bullen in naher Zukunft durchaus eine neue Offensive starten, sofern es die geopolitische Lage zulässt. Die Bären könnten demnächst ein Signal aus der Imbalance 11 erhalten, doch falls sich die geopolitische Situation nicht weiter verschärft, könnte dieses Signal ausbleiben.
Die Bullen hatten bereits die Gelegenheit, auf Basis des Signals aus der Imbalance 12 Long-Positionen mit einem Ziel um das Niveau von 1,1670 zu eröffnen. Dieses Ziel wurde inzwischen erreicht, sodass die Aufwärtsbewegung in Richtung der Jahreshöchststände weitergehen kann.
