Das Währungspaar EUR/USD steigt nun bereits den fünften Tag in Folge, angetrieben von Erwartungen auf einen Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten. Alle anderen Nachrichten, Berichte und Ereignisse haben kaum oder gar keinen Einfluss auf die Stimmung der Händler. Es ist anzumerken, dass die technische Analyse bereits zuvor auf einen möglichen Anstieg des Euro hingewiesen hatte. An der bullischen Imbalance 12 kam es zu einer Reaktion, die die aktuelle Aufwärtsbewegung ausgelöst hat. Natürlich wäre dieser Anstieg ohne die geopolitische Entwicklung zulasten der Bären möglicherweise nicht in dieser Form zustande gekommen – dennoch war das Muster an sich von Bedeutung. Händler hatten daher die Möglichkeit, Long-Positionen zu eröffnen, die nun deutliche Gewinne aufweisen.
Was den Nachrichtenhintergrund betrifft, so setzt sich die militärische Aktivität im Nahen Osten in unregelmäßigen Abständen fort. Am Mittwoch griffen die USA eine weitere Raffinerie im Iran an, Iran feuerte Raketen in Richtung Kuwait ab, und Israel flog schwere Bombenangriffe im Libanon. Am Donnerstag und Freitag wurden jedoch keine vergleichbaren Ereignisse gemeldet. Der Markt rechnet weiterhin mit einem längerfristigen Waffenstillstand, und infolgedessen hat die Nachfrage nach dem US-Dollar nachgelassen.

Die gesamten Kursgewinne des Dollars in den vergangenen eineinhalb bis zwei Monaten waren ausschließlich geopolitisch getrieben. Kaum hatten sich die USA und Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt, zogen sich die Bären sofort zurück und die Bullen traten aggressiv auf den Plan. Der Waffenstillstand bleibt zwar fragil, doch entscheidend ist, dass ein bullisches Signal entstanden ist und EUR/USD steigt. Allein das genügt dem Markt.
Ich habe wiederholt betont, dass ich trotz des Bruchs wichtiger struktureller Tiefs nicht davon ausgehe, dass der Aufwärtstrend beendet ist. Die Kursbewegung der vergangenen zwei Monate könnte sich zwar bei einer erneuten Verschärfung der geopolitischen Lage noch immer zu einem Abwärtstrend entwickeln. In der aktuellen Situation bin ich jedoch skeptisch, dass die Bären auf Basis nur eines Faktors über längere Zeit Druck aufrechterhalten können. Für einen erneuten nachhaltigen Abwärtsimpuls wäre ein vollständiges Scheitern der Waffenstillstandsbemühungen und eine andauernde Blockade der Straße von Hormus nötig.
Das technische Bild hat sich in den letzten Tagen deutlich verändert. Erstens: Der Kurs kann weiterhin auf Imbalance 11 reagieren und seine Abwärtsbewegung wieder aufnehmen – dieses Szenario wäre das Hauptszenario, falls der Waffenstillstand zusammenbricht. Zweitens: Die Reaktion auf Imbalance 12 hat bereits ein bullisches Signal innerhalb eines Aufwärtstrends generiert. Drittens: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich in dieser Woche eine neue bullische Imbalance ausbilden, die nicht nur als potenzielle Einstiegszone für Long-Positionen, sondern auch als Unterstützungsbereich für den Euro dienen dürfte.
Der Nachrichtenfluss am Freitag war nicht nur interessant, sondern auch wichtig. Ich hatte keine starke Marktreaktion auf den Inflationsbericht aus Deutschland erwartet, wohl aber erhöhte Volatilität nach den US-Inflationsdaten – die dann ausblieb. Der US-CPI stieg auf 3,3 % und entsprach damit genau den Prognosen, was die verhaltene Reaktion erklärt. Dennoch muss man festhalten, dass sich die Inflation deutlich beschleunigt hat und die Federal Reserve sich nun Gedanken machen muss, wie sie diese wieder senken kann.
Es gibt weiterhin zahlreiche Gründe, warum die Bullen aktiv bleiben, und selbst der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat diese nicht beseitigt. Strukturell und im großen Bild haben sich Trumps politische Rahmenbedingungen, die im vergangenen Jahr zu einer deutlichen Schwächung des Dollars geführt haben, nicht verändert. Kurzfristig kann der Dollar von einer erhöhten Risikoaversion profitieren, doch diese Unterstützung ist nur temporär und hängt von einer anhaltenden Eskalation im Nahen Osten ab. Bleibt diese aus, fehlen dem Dollar starke Treiber.
Ich gehe weiterhin nicht von einem nachhaltigen Abwärtstrend aus. Der Dollar hat temporäre Unterstützung erhalten, aber worauf sollen die Bären ihre weitere Abwärtsbewegung stützen?
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone
- USA – Verkäufe bestehender Eigenheime (14:00 UTC)
Am 13. April enthält der Wirtschaftskalender nur einen Eintrag, keiner davon ist von größerer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund ist es unwahrscheinlich, dass die Nachrichtenlage die Marktstimmung am Montag maßgeblich beeinflusst.
EUR/USD-Prognose und Trading-Ideen
Meiner Einschätzung nach befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Zwar hat sich das Nachrichtenumfeld vor zwei Monaten abrupt verändert, doch der übergeordnete Trend kann bislang weder als umgekehrt noch als abgeschlossen gelten. Entsprechend können die Bullen ihren Vorstoß kurzfristig fortsetzen – vorausgesetzt, die geopolitische Lage lässt dies zu.
Kurzfristig könnten die Bären an Imbalance 11 ein Signal erhalten, doch ohne eine Verschlechterung der geopolitischen Situation könnte dieses ausbleiben. Die Bullen hingegen hatten auf Basis des Signals von Imbalance 12 die Möglichkeit, Long-Positionen mit einem Ziel um 1,1670 zu eröffnen. Dieses Ziel wurde bereits erreicht, und die Aufwärtsbewegung könnte sich in Richtung der Jahreshöchststände fortsetzen.
Allerdings gibt es eine entscheidende Bedingung: Der Konflikt im Nahen Osten muss sich in Richtung eines stabilen Friedens entwickeln.
