
*) siehe auch: InstaForex Handelsindikatoren für den NASDAQ100 (NDX)
Futures auf die wichtigsten US-Aktienindizes starten in die neue Woche in einer äußerst verwundbaren Position. Nach dem optimistischen Kurssprung in der vergangenen Woche aufgrund der Nachricht von einem zweiwöchigen Waffenstillstand gaben die Futures auf den NASDAQ100 Index (NDX in der Handelsplattform) am Montagmorgen stark nach. Während der asiatischen Sitzung notierten sie bei rund 24.950,0, was einem Rückgang von 1,10 % entspricht. Auslöser war das vollständige Scheitern der Friedensgespräche zwischen den USA und Iran in Islamabad und die anschließende Eskalation des Konflikts.
Das Wochenende, dem die Märkte mit so großer Anspannung entgegengesehen hatten, brachte nicht das erhoffte Ergebnis. Die Gespräche in der pakistanischen Hauptstadt, die sich über nahezu 20 Stunden hinzogen, endeten, ohne dass ein Abkommen unterzeichnet wurde.
Zentrale Streitpunkte
- Atomprogramm des Iran. US-Vizepräsident JD Vance erklärte, Teheran weigere sich, auf seine nuklearen Ambitionen zu verzichten. Trumps Beitrag auf Truth Social fiel unverblümt aus: „Das Treffen verlief gut, die meisten Punkte wurden vereinbart, aber der einzige Punkt, der wirklich zählte, NUKLEAR, nicht.“
- Kontrolle über die Meerenge und Vermögenswerte. Die Parteien konnten sich nicht auf Bedingungen für die Souveränität über die Straße von Hormus und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte einigen.
- Fehlende Planungssicherheit. Anders als in der vorherigen Verhandlungsrunde wurde nicht einmal eine Folgesitzung vereinbart. Damit schwand die Hoffnung des Marktes auf eine schnelle diplomatische Lösung.
Die Reaktion Washingtons ließ nicht lange auf sich warten. Präsident Trump kündigte die Einrichtung einer Blockade aller Schiffe an, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Die Blockade tritt am Montag um 10:00 Uhr ET (14:00 Uhr GMT) in Kraft.
Was das für die Märkte bedeutet
Der Verkehr durch die Meerenge kommt faktisch zum Erliegen. Selbst während des Waffenstillstands lagen die Durchfahrten von Schiffen nur bei etwa 10 % des Normalniveaus. Die Lage wird durch die Absicht der USA verschärft, Schiffe abzufangen, die Iran Transitgebühren gezahlt haben.
Iran warnt vor einer harten Reaktion. Die Revolutionsgarden (IRGC) erklärten, jedes Kriegsschiff, das sich der Konfliktzone nähert, werde „hart angegangen“. Zudem besteht weiterhin die Drohung, auch die Bab al-Mandab-Straße zu schließen.
Trotz des Scheiterns der Gespräche ist der formelle zweiwöchige Waffenstillstand (gültig bis zum 22. April) bislang nicht aufgehoben worden, sodass eine geringe Chance auf eine Wiederbelebung der Diplomatie bleibt.
Berichtssaison, Öl, Inflation und Fed
Der wichtigste Übertragungskanal der Krise im Nahen Osten auf den NASDAQ verläuft über die Rohstoffpreise und die Geldpolitik.
Ölpreise sprangen nach den Nachrichten über das Scheitern der Gespräche deutlich nach oben. West Texas Intermediate (WTI) stieg im Tagesverlauf zeitweise über 100 US-Dollar je Barrel, und Brent überschritt 102 US-Dollar je Barrel. Der Anstieg am Montagmorgen lag bei etwa 7–8 %.
Damit ist das Thema eines „Stagflationsschocks“ schlagartig wieder auf der Tagesordnung – ein Szenario, das der Markt in der vergangenen Woche scheinbar bereits abgehakt hatte.
Der Technologiesektor, die Lokomotive des NASDAQ, reagiert besonders sensibel auf zwei Faktoren:
- Renditeanstieg. Risikoaversion und höhere Inflationserwartungen treiben die Renditen von US-Staatsanleihen nach oben. Die Renditen zehnjähriger Treasuries sind bereits um rund 4,0 Basispunkte auf 4,341 % gestiegen (zum Zeitpunkt dieser Notiz) im Vergleich zum Schlussstand der Vorwoche.

- Neubewertung des Fed-Leitzinses. Der Markt sah sich gezwungen, die Hoffnung auf kurzfristige Zinssenkungen aufzugeben. Wichtiger noch: Die Marktteilnehmer beginnen erneut, die Möglichkeit einer Zinserhöhung der Fed noch in diesem Jahr einzupreisen, falls die Inflation anzieht.
Diese Faktoren treffen direkt die Bewertungsmultiplikatoren im Technologiesektor und machen Wachstumstitel im Vergleich zu defensiven Anlagen weniger attraktiv.
Während die Schlagzeilen von Geopolitik dominiert werden, sollte man nicht vergessen, dass in dieser Woche offiziell die Berichtssaison für das erste Quartal beginnt und sich die Aufmerksamkeit rasch auf die Fundamentaldaten der "Magnificent Seven" verlagern wird.
Den Konsensschätzungen zufolge wird für den Technologiesektor ein explosives EPS?Wachstum von rund 27,1 % im Jahresvergleich erwartet. Das legt die Messlatte hoch. Sollten es Schwergewichte wie NVIDIA (NVDA), Microsoft (MSFT) oder Meta (META) nicht nur verfehlen, diese Erwartungen zu übertreffen, sondern sie deutlich zu übertreffen – und das vor dem Hintergrund steigender geopolitischer Risiken –, könnte der Markt mit einer „Sell-the-News“-Reaktion reagieren.
Kurzer technischer Ausblick

Das technische Bild hat sich leicht eingetrübt. Mit einer Abwärtslücke ist der Kurs heute unter die runde Marke von 25.000,0 gefallen. Dennoch bleibt der kurzfristige Aufwärtstrend, der sich Anfang April herausgebildet hat, intakt.
Die Bären haben weiterhin die Chance, die Kontrolle zu übernehmen, wenn es ihnen gelingt, die starke Unterstützungszone um 24.600,0 (EMA50 im Tageschart), 24.530,0 (EMA200 im 1‑Stunden‑Chart) und 24.460,0 (EMA200 im 4‑Stunden‑Chart) zu durchbrechen.

Wenn Verkäufer die wichtige mittelfristige Unterstützungszone bei 24.190,0 (EMA200 im Tageschart) nach unten durchbrechen, würde sich das technische Bild wieder in eine Konsolidierungsphase zurückentwickeln oder den Abwärtstrend mit Zielen im Bereich von 23.000,0–22.800,0 (den Tiefs vom März) fortsetzen.
Umgekehrt könnte der Markt, falls die Diplomatie wieder aufgenommen wird und Ergebnisse liefert, seine Verluste schnell wettmachen und in den Widerstandsbereich von 25.500,0–25.800,0 zurückkehren.

Fazit
Die Euphorie der Anleger von letzter Woche ist einer harten Realität gewichen: Der Konflikt ist nicht nur nicht beendet worden, sondern in eine neue, gefährlichere Phase der Seeblockade eingetreten. Ein Ölpreis von über 100 US‑Dollar und Futures, die mehr als 1 % im Minus liegen, spiegeln die Erkenntnis des Marktes wider, dass weder billiges Geld noch ein schneller Frieden wahrscheinlich sind.
Die runde Marke von 25.000,0 ist ein psychologischer Dreh‑ und Angelpunkt zwischen der Hoffnung auf Diplomatie und der Furcht vor Stagflation. Technisch gesehen bewegt sich der Index bedenklich nahe an einem Bruch der kurzfristigen Unterstützung. Für Tech‑Investoren sollten derzeit eher die Schlagzeilen aus Islamabad und Washington im Vordergrund stehen als einzelne Ticker – sie werden die NASDAQ‑Entwicklung und sehr wahrscheinlich auch die Richtung der US‑amerikanischen und globalen Aktienmärkte in den nächsten 48 Stunden bestimmen.
