Die aktuelle Handelswoche begann mit einer allgemeinen Aufwertung des US-Dollars vor dem Hintergrund eines sprunghaften Anstiegs der Risikoaversion. Händler reagierten auf die gescheiterten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran, die ergebnislos blieben.
Trotz gegenseitiger Anschuldigungen und Trumps Drohungen, die Straße von Hormus zu blockieren, gelang es fast allen wichtigen Währungspaaren, die deutliche Aufwertung des Dollars im Tagesverlauf wieder auszugleichen. Vielleicht die einzige Ausnahme bildete das Währungspaar USD/JPY, das nicht nur sein Kursgap verteidigte, sondern auch ein neues lokales Hoch bei 159,87 markierte.

Der Yen hat deutlich auf den Anstieg der Ölpreise reagiert. Trumps Äußerungen über eine mögliche Blockade der Straße von Hormus führten zu einem spürbaren Sprung der Rohölpreise – Brent wird derzeit bei rund 102 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Als größter Importeur von Energierohstoffen ist Japan äußerst sensibel gegenüber Ölpreisen, was es Verkäufern von USD/JPY schwer macht, einen festen Boden zu finden. Zudem übt der anhaltende Renditeabstand zusätzlichen Druck auf den japanischen Yen gegenüber dem Greenback aus.
Trotz der derzeitigen „Dominanz“ der Käufer in USD/JPY ist es jedoch aus zwei Hauptgründen sinnvoll, Short-Positionen in Betracht zu ziehen: Erstens besteht das „Risiko“ einer Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran, und zweitens das Risiko einer Währungsintervention (oder entsprechender verbaler Signale der japanischen Behörden).
Beginnen wir mit der Geopolitik. Laut hochrangigen Quellen der US-Publikation Axios sind Trumps kämpferische Aussagen über die Blockade der Straße von Hormus und die gescheiterten Gespräche in Islamabad Teil des laufenden Verhandlungsprozesses. Insider berichten, dass „alle Seiten weiterhin glauben, dass ein Abkommen möglich ist“. Entsprechend unternehmen regionale Vermittler (Pakistan, Ägypten, die Türkei) sowie Vertreter mehrerer Länder des Nahen Ostens (Oman, Katar, Saudi-Arabien und die VAE) derzeit intensive Anstrengungen, die USA und den Iran wieder an den Verhandlungstisch zu bringen, um verbleibende Differenzen zu überwinden und ein Waffenstillstandsabkommen zu erreichen. Den Quellen von Axios zufolge könnte eine Verringerung der Differenzen eine weitere Verhandlungsrunde noch vor Ablauf der zweiwöchigen Waffenruhe – also bis zum 21. April – ermöglichen. Sollte Trump nach seinen Drohungen einer „vollständigen und absoluten Blockade“ wieder von Verhandlungen sprechen, würde der sichere Dollar zusätzlichen Druck zu spüren bekommen – diesmal gegenüber dem Yen.
All dies deutet darauf hin, dass das Wachstum des USD/JPY-Paares auf recht wackeligen Beinen steht. Je näher das Paar zudem an das Ziel von 160,00 heranrückt, desto größer werden die Risiken einer Intervention der japanischen Behörden – einer möglichen Währungsintervention. Wie allgemein bekannt, handelt es sich bei diesem Kursniveau um einen starken psychologischen Widerstand, gewissermaßen eine „rote Linie“ für das japanische Finanzministerium.
Ich möchte daran erinnern, dass es Ende März zu einer ähnlichen Situation kam, als sich das USD/JPY-Paar oberhalb der Marke von 160,00 etablierte. Bereits am nächsten Tag äußerte Vizefinanzminister Mimura Besorgnis über den Anstieg der spekulativen Aktivität und erklärte, dass bei einer Fortsetzung dieser Tendenzen (sprich: bei einer weiteren Yen-Schwäche) ein „objektiver Bedarf an entschlossenen Maßnahmen“ bestehe. Der Markt deutete diese Worte eindeutig – als Warnung vor einer bevorstehenden Währungsintervention. Innerhalb von nur drei Tagen stürzte das Paar um mehr als 200 Punkte ab – von 160,47 auf 158,29.
Dies ist nicht das einzige Beispiel; bereits 2024 hatte die Marke von 160,00 eine staatliche Intervention ausgelöst. Seither ist jede Annäherung an dieses Niveau mit Risiken verbunden. Sollte das Paar die Marke von 160,00 nach oben durchbrechen und sich darüber behaupten, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank of Japan im Einklang mit den Vorgaben des Finanzministeriums beginnt, Dollar aus den Währungsreserven zu verkaufen, bei etwa 70–80 %. Aus diesem Grund zögern Käufer von USD/JPY, sich der 160er-Marke zu sehr zu nähern.
Damit ist die Lage für das Paar ausgesprochen widersprüchlich. Geopolitische Faktoren „drücken von unten“, während Interventionsrisiken „von oben drücken“. Infolgedessen haben Trader weder die Aufwärtslücke geschlossen noch eine nachhaltige Aufwärtsbewegung entwickelt. Die Marktteilnehmer befinden sich in einer Patt-Situation und sind faktisch in einer Preisspanne von 40 Punkten zwischen 159,50 und 159,90 gefangen.
Die weitere Richtung wird davon abhängen, wie die USA in der Iran-Frage agieren. Sollte Trump entgegen seinen angedrohten Maßnahmen „Zorn in Milde verwandeln“ und die Verhandlungen mit Teheran wieder aufnehmen, dürfte das USD/JPY-Paar die nördliche Lücke schließen und in den Bereich um 158 zurückkehren. Sollte der US-Präsident hingegen beschließen, seine Drohungen – insbesondere im Hinblick auf eine maritime Blockade der Straße von Hormus – in die Tat umzusetzen, wird das Paar die „gefährliche Linie“ voraussichtlich überschreiten und in die 160er-Region vorstoßen. In diesem Fall stünde der Markt erneut vor der Gefahr einer Reaktion der japanischen Regulierungsbehörden.
Damit sind Long-Positionen in diesem Paar in jedem Szenario riskant – sowohl im Eskalations- als auch im Deeskalationsszenario. Die Frage ist lediglich, wann Short-Positionen eröffnet werden sollten: entweder von den aktuellen Niveaus aus oder näher an der 160er-Marke. Meiner Ansicht nach wirkt die zweite Variante verlässlicher, da dieses Niveau traditionell eine Reaktion der japanischen Behörden ausgelöst hat. Das nächste Kursziel für einen Rückgang von USD/JPY liegt bei 159,20 (mittlere Linie der Bollinger-Bänder im D1-Zeitrahmen).
