Gestern gaben die Ölpreise leicht nach, ausgelöst durch Hinweise auf eine mögliche Wiederaufnahme von Friedensgesprächen zwischen Washington und Teheran. Diese Nachricht kam vor dem Hintergrund der angespannten Lage nach der Blockade der Straße von Hormus durch die USA. Die geopolitische Unsicherheit hätte die Preise eigentlich steigen lassen sollen; dennoch führten Signale über diplomatische Bemühungen zu Anpassungen.

Der Preis für die Referenzsorte Brent-Rohöl ist unter die psychologisch wichtige Marke von 99 US‑Dollar pro Barrel gefallen. Eine ähnliche Entwicklung war bei West Texas Intermediate zu beobachten, dessen Preis sich 97 US‑Dollar pro Barrel näherte. Diese Veränderung der Preisdynamik deutet darauf hin, dass der Markt die Wahrscheinlichkeit einer diplomatischen Lösung des Konflikts als Faktor einpreist, der die Spannungen in einer der wichtigsten globalen ölproduzierenden Regionen verringern könnte.
Der Preisrückgang trotz der anhaltenden Blockade der Meerenge zeigt, dass Anleger offenbar auf einen schnellen Kompromiss setzen. Eine mögliche Wiederaufnahme der Verhandlungen am 16. April könnte zu einer Deeskalation des Konflikts und dadurch zu einer Normalisierung der Öllieferungen auf den Weltmarkt führen. Dies wiederum könnte eine dämpfende Wirkung auf das Preisniveau haben, was sich bereits im gestrigen Handel widerspiegelte.
Laut mehreren Medienberichten verhandeln beide Seiten über ein weiteres persönliches Treffen, um eine längere Waffenruhe zu vereinbaren. Ziel ist es, dies noch vor dem Ende der zweiwöchigen Kampfpause zu erreichen, die am 7. April ausgerufen wurde.
US‑Präsident Donald Trump erklärte gestern, Teheran habe Kontakt mit ihm aufgenommen, und sagte gegenüber Reportern: „Heute Morgen haben uns die richtigen Leute, die notwendigen Leute, angerufen, und sie wollen ein Abkommen schließen.“ Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian bestätigte unterdessen, dass das Land bereit sei, Friedensverhandlungen ausschließlich im Rahmen des Völkerrechts und internationaler Normen fortzuführen.
In der Zwischenzeit bleibt der Ölmarkt erschüttert und steht weiterhin unter dem Eindruck des andauernden Krieges zwischen den USA, Israel und Iran, der nun bereits seit sieben Wochen anhält. Am Montag haben die USA den Einsatz weiter verschärft, indem sie eine Blockade für Schiffe verhängten, die Häfen im Persischen Golf oder Küstengebiete Irans anlaufen; dennoch führte dies nicht zu einem sprunghaften Anstieg der Ölpreise, was durchaus überraschend war.
Saudi-Arabien besteht jedoch weiterhin darauf, dass die USA die Blockade der Meerenge aufheben und an den Verhandlungstisch zurückkehren.
Heute wird erwartet, dass die International Energy Agency ihren monatlichen Marktbericht veröffentlicht, der Aufschluss über die Nachfrage‑ und Angebotsdynamik in diesem Jahr und im Jahr 2027 geben soll. Am Montag erklärte IEA‑Exekutivdirektor Fatih Birol, die Ölpreise spiegelten das Ausmaß der Versorgungskrise bislang noch nicht wider, doch dies werde sich bald ändern.

Was das aktuelle technische Bild von Öl betrifft, müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 100,40 USD überwinden. Dadurch eröffnet sich das Ziel bei 106,83 USD, oberhalb dessen ein Durchbruch allerdings recht anspruchsvoll sein dürfte. Das weiter entfernte Kursziel liegt im Bereich von 113,36 USD. Sollte der Ölpreis fallen, werden die Bären versuchen, die Marke von 92,54 USD unter Kontrolle zu bringen. Gelingt dieser Ausbruch, könnte dies die Position der Bullen deutlich schwächen und den Ölpreis auf ein Tief von 86,67 USD drücken, mit einem möglichen weiteren Rückgang bis auf 81,38 USD.
