In der vergangenen Woche ist das Währungspaar GBP/USD um nahezu 300 Punkte gestiegen, da die Chancen auf einen dauerhaften Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten deutlich zugenommen hatten. In dieser Woche hat das Pfund weitere 200 Punkte zugelegt. Diese Erwartungen haben sich jedoch nicht erfüllt, da die Verhandlungen in Islamabad gescheitert sind. Überraschenderweise treiben die Bullen den Kurs am Montag und Dienstag weiter nach oben, als wäre ein langfristiger Frieden im Nahen Osten bereits gesichert. Wie lässt sich das erklären? Dafür gibt es zwei Gründe.
Der erste ist technischer Natur. In der vergangenen Woche hat sich ein neues bullisches Ungleichgewicht gebildet, und der Kurs hat dieses in der Nacht zu Montag effektiv getestet und daraufhin eine Reaktion gezeigt. Mit anderen Worten: Innerhalb eines Aufwärtstrends wurde ein bullisches Signal generiert.

Der zweite Grund ist erneut geopolitischer Natur. Der Markt hatte genügend Zeit und Gelegenheit, das pessimistischste Szenario im Nahen Osten einzupreisen. Nach den gescheiterten Verhandlungen in Islamabad hat sich nichts verändert. Öl hat keine neuen Rekordhochs erreicht, es gab keine neuen Raketenangriffe, und die Straße von Hormus bleibt blockiert. Die Lage hat sich nicht verbessert, aber auch nicht verschlechtert.
Wie in früheren Analysen erwähnt, hat sich ein wichtiges und relativ seltenes „Three Drives Pattern“ herausgebildet, das die Aufwärtsbewegung ausgelöst hat. Damit erhielten Trader ein bullisches Signal, während der übergeordnete Trend durchgehend bullisch blieb. Derzeit ist der Waffenstillstand weiterhin fragil, und die Konfliktparteien haben noch nicht entschieden, ob sie die Verhandlungen fortsetzen oder die Kampfhandlungen wieder aufnehmen. Den Berichten zahlreicher Medien zufolge könnten die Gespräche in dieser Woche wiederaufgenommen werden. Die Straße von Hormus steht nun unter einer doppelten Blockade, und die Meerenge von Bab al-Mandab könnte sich ihr potenziell anschließen, was ein negativer Faktor wäre. Stand Dienstag hat sich die Gesamtsituation jedoch nicht verändert. Die Lage im Nahen Osten könnte sich verschlechtern, sie könnte sich aber ebenso weiter in Richtung Deeskalation bewegen.
Die Wahrscheinlichkeit eines Rückgangs beider Währungspaare bleibt bestehen, da der Waffenstillstand im Nahen Osten ausgesprochen fragil ist. Gleichzeitig hat das im Chart durch ein Dreieck markierte „Three Drives Pattern“ den Bullen die Kontrolle ermöglicht, was ein positiver Faktor ist. Es ist stets vorteilhaft, innerhalb eines Aufwärtstrends ein Kaufsignal zu erhalten, da solche Signale die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit aufweisen. Das Signal am Montag war etwas schwierig rechtzeitig umzusetzen, doch Signale können zu jeder Tageszeit entstehen. Kurzfristig könnte das Pfund seinen Anstieg in Richtung der Jahreshochs fortsetzen.
Am Dienstag gab es keine nennenswerten wirtschaftlichen Nachrichten. Das Wachstum des Pfunds steht daher nicht im Zusammenhang mit Konjunkturdaten. Die geopolitische Lage hat sich in den letzten Tagen nicht verbessert, aber das pessimistischste Szenario ist vom Markt bereits eingepreist worden. Damit die Bären die Kontrolle zurückerlangen, müsste sich die Situation im Nahen Osten deutlich verschärfen – etwa durch eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen oder eine Blockade der Meerenge von Bab al-Mandab.
In den Vereinigten Staaten bleibt das Gesamtbild so, dass es langfristig nur wenige Gründe gibt, von einem starken Dollar auszugehen. Der Konflikt zwischen Iran und den USA hat an dieser Einschätzung nichts Grundlegendes verändert. Die langfristige Situation für den Dollar bleibt schwierig: Der US-Arbeitsmarkt schwächt sich weiter ab, die Wirtschaft nähert sich zunehmend einer Rezession, und die Federal Reserve plant – im Gegensatz zur EZB und der Bank of England – im Jahr 2026 keine geldpolitische Straffung. Zudem hat im ganzen Land bereits die vierte große Protestwelle gegen Donald Trump stattgefunden. Aus ökonomischer Sicht gibt es derzeit keine klaren Treiber für eine Dollaraufwertung.
Für einen nachhaltigen Abwärtstrend im GBP/USD wäre ein starkes und stabiles positives Umfeld für den Dollar erforderlich, was unter der aktuellen Administration schwer vorstellbar ist. Die Geopolitik hat den Dollar zwei Monate lang gestützt, doch diese Unterstützung lässt nun nach. Zwar lässt sich nicht ausschließen, dass der Dollar aufgrund geopolitischer Faktoren erneut zulegen könnte, derzeit gibt es jedoch keine klaren Gründe, dies zu erwarten.
Wirtschaftskalender für die USA und das Vereinigte Königreich:
- Großbritannien – Rede des Gouverneurs der Bank of England, Andrew Bailey (18:00 UTC)
Am 15. April steht im Wirtschaftskalender ein relativ wichtiges Ereignis. Die Auswirkungen des Nachrichtenstroms auf die Marktstimmung könnten sich am Abend zeigen.
GBP/USD Prognose und Handelsempfehlungen:
Der langfristige Ausblick für das Pfund bleibt bullisch. Das „Three Drives Pattern“ lieferte ein Signal für mögliches Wachstum, gefolgt von der Ausbildung einer bullischen Imbalance und eines bullischen Signals. Der Preis hat die Liquidität der letzten beiden Aufwärtsbewegungen abgeholt, ohne dass die Bären eingriffen – ein weiteres positives Zeichen für das Pfund.
Unter den aktuellen Umständen erwarte ich trotz geopolitischer Risiken eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Auch der Euro dürfte weiter steigen. Das Ziel für das Pfund ist das Hoch aus dem Jahr 2026, wobei das unmittelbare (nächstgelegene) Ziel bei 1,3580 liegt – Imbalance 16, die bislang noch nicht getestet wurde. Eine Reaktion von diesem Niveau könnte eine Korrekturbewegung auslösen.
