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FX.co ★ EUR/USD. Seeblockade und Vorbereitungen auf Gespräche: Händler verharren abwartend vor geopolitischer Entscheidung

EUR/USD. Seeblockade und Vorbereitungen auf Gespräche: Händler verharren abwartend vor geopolitischer Entscheidung

EUR/USD konnte bis zum Ende des gestrigen Tages den Widerstandsbereich bei 1,1800, der der oberen Begrenzung der Kumo-Wolke im D1‑Zeitfenster entspricht, nicht überwinden. Die Käufer erneuerten zwar ein Sechs‑Wochen‑Hoch bei 1,1812, konnten sich jedoch nicht dauerhaft in der 1,18er‑Zone halten und beendeten den Tag bei 1,1795. Das Währungspaar pendelt nun in der Nähe der 1,18er‑Marke und wartet auf weitere geopolitische Entwicklungen, die in Kürze erwartet werden.

EUR/USD. Seeblockade und Vorbereitungen auf Gespräche: Händler verharren abwartend vor geopolitischer Entscheidung

Die Vorsicht der Trader ist angesichts der widersprüchlichen Lage vollauf gerechtfertigt. Einerseits sind die Schritte der Vereinigten Staaten eskalierend. Gestern war der erste volle Tag der Blockade iranischer Häfen, an der sich 12 US-Kriegsschiffe und Dutzende Flugzeuge beteiligen. Nach Angaben von CENTCOM ist es in den vergangenen 24 Stunden keinem Schiff gelungen, die Blockade von iranischen Häfen zu durchbrechen. Es wird behauptet, das US-Militär habe bereits sechs Schiffe abgefangen, die iranische Häfen verlassen wollten, während Iran darauf besteht, dass sein Ölsupertanker dennoch die amerikanische Blockade umgehen konnte.

Vor diesem Hintergrund drohte Finanzministerin Bessent China damit, dass es künftig kein iranisches Öl mehr kaufen könne. Hier ist anzumerken, dass rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte nach China gingen. Für China selbst macht iranisches Öl etwa 13 bis 15 Prozent der gesamten Ölimporte aus.

Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite gibt es gewisse Anzeichen einer möglichen Deeskalation. An erster Stelle ist Irans Zurückhaltung zu nennen, da das Land bislang auf Angriffe gegen US-Truppen und andere Ziele im Persischen Golf verzichtet. Dabei hatten Vertreter Teherans noch vor wenigen Tagen gewarnt, jeder Versuch, die Häfen des Landes zu blockieren, werde „zu Vergeltungsmaßnahmen führen, einschließlich möglicher Angriffe auf Schiffe der US Navy“. Wie wir sehen, ist es bislang nicht dazu gekommen, obwohl die Blockade gestern begonnen hat.

Deeskalierende Signale kommen auch von US-Spitzenpolitikern. So erklärte Vizepräsident J. D. Vance gestern, sämtliche Ziele der Militäroperation gegen Iran seien erreicht, und nun könne man zur Beendigung dieses Konflikts übergehen. Er fügte hinzu, die Gespräche in Islamabad hätten große Fortschritte gebracht, nun liege der Ball jedoch im Feld Teherans. Vance deutete auf eine baldige Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses hin.

Aufschlussreiche, zugleich aber widersprüchliche Aussagen machte Donald Trump. Auf die Frage von Fox News, ob der Krieg mit Iran beendet sei, erklärte er, er halte ihn für sehr nahe an einem Abschluss. Zugleich betonte der Hausherr des Weißen Hauses, er habe eine Verlängerung der Waffenruhe mit Iran nicht in Erwägung gezogen, da es dafür aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Bedarf geben werde. In diesem Zusammenhang sagte Trump, die nächsten zwei Tage würden bedeutend und bemerkenswert sein, und deutete damit auf eine bevorstehende Wiederaufnahme der Gespräche mit Iran hin. Kurz darauf präzisierte Vance, der Präsident biete Iran im Rahmen eines großen Abkommens eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen an.

Wie CNN unter Berufung auf seine Quellen berichtet, hat Trump J. D. Vance, der die Verhandlungsdelegation leitet, damit beauftragt, trotz des Scheiterns der Gespräche in Islamabad einen diplomatischen Ausweg aus dem Krieg zu finden.

Damit sind EUR/USD-Trader gezwungen, ihre Handelsentscheidungen vor einem widersprüchlichen geopolitischen Hintergrund zu treffen. Einerseits haben die Vereinigten Staaten iranische Seehäfen tatsächlich blockiert und gefährden damit den Verhandlungsprozess. Andererseits signalisieren ranghohe US-Vertreter eine Wiederaufnahme der Gespräche und ein baldiges Ende des Konflikts.

Auch die Inflationsdaten zeichnen ein widersprüchliches Bild. So hat sich zum Beispiel der Gesamt-Erzeugerpreisindex im März deutlich beschleunigt, während der Kern-PPI auf dem Vorjahresniveau des Vormonats blieb und sich im Monatsvergleich sogar auf 0,1 % verlangsamte. Gleichzeitig stieg der Gesamt-Verbraucherpreisindex im März nach zwei Monaten bei 2,4 % auf 3,3 %. Der Kern-CPI legte moderater zu und erhöhte sich von zuvor 2,5 % auf 2,6 %.

Mit anderen Worten: Die Gesamtinflation wird ausschließlich durch volatile Komponenten, vor allem Energie, nach oben gezogen, während das eigentliche, anhaltende Preiswachstum im übrigen Teil der Wirtschaft verhalten bleibt. Diese Situation führt uns wieder zu den Gesprächen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zurück, denn wenn der Krieg andauert, wird sich die Energieinflation früher oder später über Logistik- und Produktionskosten in der Kerninflation niederschlagen.

Daher hält die Welt den Atem an und wartet auf den Ausgang dieses geopolitischen Plots. Die Finanzwelt bildet dabei keine Ausnahme. Auch der Devisenmarkt ist nicht immun. Der Aufwärtsimpuls im EUR/USD ist abgeflaut, doch die Verkäufer zögern, umfangreiche Positionen zugunsten des Greenback aufzubauen. Angesichts des hohen Maßes an Unsicherheit ist es sinnvoll, bei dem Währungspaar eine abwartende Haltung einzunehmen. Denn sollten die Vereinigten Staaten und Iran an den Verhandlungstisch zurückkehren, werden die EUR/USD-Käufer erneut versuchen, das Paar im Bereich der 1,18 zu etablieren. Entwickeln sich die Ereignisse jedoch in Richtung weiterer Eskalation, dürfte der als sicherer Hafen geltende Dollar wieder eine stärkere Nachfrage auf sich ziehen und damit Druck auf EUR/USD ausüben. Die Lage bleibt spannend, und daher sind Käufe wie Verkäufe des Paares gleichermaßen risikobehaftet.

*Die zur Verfügung gestellte Marktanalyse dient zu den Informationszwecken und sollte als Anforderung zur Eröffnung einer Transaktion nicht ausgelegt werden
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