Bitcoin hat in den letzten zwei Monaten einen Aufwärtsimpuls ausgebildet, der lediglich als Korrektur zu werten ist. Das ist im Tageschart deutlich zu erkennen. Der darunterliegende Liquiditätspool ist weiterhin unberührt, und mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 % dürfte der Kurs diesen Bereich erneut anlaufen. Wir halten Marktmacher‑Manipulationen in naher Zukunft für möglich, um Trader davon zu überzeugen, dass ein neuer Aufwärtstrend begonnen habe.
Unterdessen erklärte BitMEX‑CEO Arthur Hayes, dass der Bitcoin‑Kurs nicht in erster Linie von der Geldpolitik der Zentralbanken, sondern von der gesamten Geldmenge abhänge. Es lohnt sich in Erinnerung zu rufen, dass der letzte große Aufwärtstrend nach der Pandemie entstand, als Zentralbanken Dutzende und Hunderte Milliarden US‑Dollar, Euro und andere Währungen druckten und die Märkte mit geldpolitischer Lockerung rechneten. Hayes’ Sichtweise ist logisch: Je mehr Geld in der Wirtschaft ist, desto billiger wird es und desto mehr Kapital fließt in unterschiedliche Anlageklassen. Doch werden die Zentralbanken ihre Druckerpressen in absehbarer Zeit wieder anwerfen?
Unter welchen Umständen würden Zentralbanken damit beginnen, erneut Geld zu drucken? Unserer Ansicht nach wird der Krieg im Iran den geldpolitischen Kurs der großen Notenbanken nicht verändern. Die Weltwirtschaft könnte sich abschwächen, aber voraussichtlich nicht so stark, dass eine neue, umfangreiche Ausweitung der Geldmenge nötig würde. Ein stärkeres Geldmengenwachstum würde die Inflation zusätzlich anheizen, während die Zentralbanken ohnehin bereits in den kommenden Monaten mit einem kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise rechnen – die Verbraucherpreisdaten für März haben diese Annahme bereits bestätigt. Entsprechend geht es derzeit eher um eine Straffung der Geldpolitik – höhere Zinsen und eine Verringerung der Geldmenge, um das Preiswachstum zu bremsen. Die EZB, die Bank of England und die Fed haben ihre Hauptaufgabe für 2026 bereits klar formuliert: verhindern, dass die Inflation außer Kontrolle gerät. Daher ist ein nennenswertes Wachstum der Geldmenge in naher Zukunft unwahrscheinlich. Bitcoin bleibt ein spekulativer, riskanter Anlagewert, befindet sich aktuell in einem Abwärtstrend und hat in nur sechs Monaten etwa 50 % seines Wertes verloren. Anleger erinnern sich daran, dass jeder Bitcoin‑Bullenmarkt bislang mit einem Einbruch von 70–80 % endete.
Handelsempfehlungen für BTC/USD
Bitcoin setzt weiterhin einen voll ausgeprägten Abwärtstrend mit zwischenzeitlichen Korrekturrallys dagegen fort. Wir erwarten nach wie vor einen Rückgang in Richtung 57.500 US‑Dollar (dem 61,8 %‑Fibonacci‑Level des dreijährigen Aufwärtstrends), und derzeit gibt es keine Anzeichen für eine Trendumkehr. Selbst 57.500 US‑Dollar wirken inzwischen nicht mehr wie ein finales Ziel. Aus den aktuellen POI‑Bereichen ist die einzige markante Zone die nächstgelegene bärische FVG auf dem Tages‑Timeframe um 79.300–81.200 US‑Dollar. Auf dem 4‑Stunden‑Timeframe hat Bitcoin bereits Liquidität abgefischt, doch das allein reicht nicht aus, um Short‑Positionen zu eröffnen – dafür werden bärische Formationen benötigt. Mitunter genügt allerdings schon ein Liquidity Sweep, um eine starke Bewegung auszulösen.
Handelsempfehlungen für ETH/USD
Auf dem Tages‑Timeframe setzt sich ein Abwärtstrend mit gegenläufigen Korrekturbewegungen fort. Das zentrale Verkaufssignal war und bleibt der bärische Order Block auf dem Wochen‑Timeframe. Wie bereits gewarnt, kann die von diesem Signal ausgelöste Bewegung stark und langanhaltend sein. Seit seiner Ausbildung ist Ethereum um etwa 55 % (rund 2.500 US‑Dollar) gefallen. Kurzfristig kann Ethereum eine schwache Aufwärtskorrektur fortsetzen, doch jede Korrektur endet früher oder später. Auf dem 4‑Stunden‑Timeframe hat Ethereum die jüngsten FVGs recht sauber abgearbeitet, aber das Kursgeschehen bleibt schwach und korrektiv. Bitcoin und Ethereum haben die Liquidität oberhalb der Hochs vom 17. März abgefischt. Ein Rückgang könnte in naher Zukunft einsetzen.
Erläuterungen zu den Charts
CHOCH — Change of Character / Bruch der Trendstruktur. Liquidity — Liquidität, die Stop‑Loss‑Orders der Trader, welche Market Maker zum Positionsaufbau nutzen. FVG — Fair Value Gap (Bereich der Preisineffizienz). Der Kurs bewegt sich durch solche Zonen häufig sehr schnell hindurch, was auf das Fehlen einer Marktseite hindeutet. Später kehrt der Preis meist dorthin zurück und reagiert auf diese Bereiche. IFVG — Inverted Fair Value Gap. Nach einer Rückkehr in eine solche Zone reagiert der Kurs nicht, sondern bricht sie impulsiv und testet sie anschließend von der Gegenseite.
OB — Order Block. Eine Kerze, auf der ein Market Maker eine Position eröffnet hat, um Liquidität einzusammeln und anschließend in die entgegengesetzte Richtung eine eigene Position aufzubauen.


