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FX.co ★ GBP/USD steht trotz solidem Wachstum im Vereinigten Königreich unter Druck

GBP/USD steht trotz solidem Wachstum im Vereinigten Königreich unter Druck

Das Pfund verliert im Paar mit dem Dollar an Boden, obwohl die britischen BIP-Daten recht robust ausgefallen sind. Zunächst reagierte das GBP/USD-Paar mit einem Aufwärtsimpuls und markierte ein Zwei-Monats-Hoch. Die Käufer erreichten 1,3593 (den höchsten Kurs seit dem 17. Februar dieses Jahres), schafften es jedoch nicht, in den Bereich der 1,36 vorzudringen. Der Aufwärtsimpuls verlor fast unmittelbar nach seinem Beginn an Kraft: Während der europäischen Sitzung am Donnerstag drehte das GBP/USD-Paar nach Süden ab und fiel zurück an die Unterseite des 1,35-Bereichs.

Eine solche Kursentwicklung wirkt unlogisch, wenn man den positiven Charakter des gestrigen Berichts berücksichtigt. Die britische Wirtschaft zeigte – entgegen den düsteren Prognosen – eine unerwartet hohe Widerstandsfähigkeit und Dynamik und übertraf die Schätzungen der Analysten deutlich.

GBP/USD steht trotz solidem Wachstum im Vereinigten Königreich unter Druck

Den veröffentlichten Daten zufolge ist das britische BIP im Februar gegenüber dem Vormonat um 0,5% gestiegen, bei einer Prognose von 0,1%. Das ist ein Jahresrekord – der höchste Wert seit Februar des Vorjahres. Auf Quartalsbasis legte das BIP ebenfalls um 0,5% zu (Prognose 0,2%) – der stärkste Wert seit Mai 2025. Hier hat sich eine Aufwärtsdynamik herausgebildet: Der Indikator ist den dritten Monat in Folge gewachsen.

Bemerkenswert ist, dass nicht nur die Überschriftenzahlen das Pfund stützten, sondern auch die strukturellen Elemente des Berichts. Anders als in den Vormonaten, als das Wachstum oft von einem einzelnen Sektor ausging, zeigte der Februar-Bericht eine breite Einigkeit über viele Schlüsselsektoren hinweg. Besonders der Dienstleistungssektor wuchs um 0,5%. Das ist bedeutsam, weil Dienstleistungen rund 80% der britischen Wirtschaft ausmachen. Groß- und Einzelhandel, Gastgewerbe sowie Informationstechnologie fungierten als die wichtigsten Wachstumstreiber. So stiegen etwa die Einzelhandelsumsätze sofort um 1,4%, was auf eine Erholung der Verbrauchernachfrage hindeutet.

Auch der Industriesektor verzeichnete eine positive Entwicklung und legte um 0,5% zu. Der Bausektor drehte ebenfalls ins Plus. Nach einer kurzen Flaute zeigte er einen beeindruckenden – man könnte sagen sprunghaften – Anstieg von 1,0%.

Mit anderen Worten: Der Bericht erwies sich als wirklich stark, weshalb die aktuelle Schwäche der britischen Währung auf den ersten Blick unlogisch erscheint. Dennoch ergibt sich diese Dynamik aus einer Reihe von Faktoren.

Erstens betrachtete der Markt die veröffentlichten Daten als nicht mehr aktuell. Die Februar-Zahlen spiegeln die wirtschaftliche Lage vor der jüngsten Eskalation im Nahen Osten wider. Zwar erwiesen sich die im Februar erfassten Primärdaten als wesentlich robuster als erwartet, doch die Folgen der Energiekrise, die bereits im Frühjahr ausgebrochen ist, werden sich unweigerlich niederschlagen. Aufgrund der hohen Ölpreise könnte sich das BIP-Wachstum verlangsamen und die Inflation wieder anziehen. Vor diesem Hintergrund haben die Stagflationsrisiken zugenommen – Risiken, die im Februar-Bericht noch nicht sichtbar waren.

Zweitens geriet das Währungspaar GBP/USD vor dem Hintergrund starker gestern veröffentlichter US-Makrodaten unter Druck. Insbesondere fielen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf 207.000, während die meisten Analysten mit einem stärkeren Anstieg auf 213.000–215.000 gerechnet hatten. Das bedeutet einen deutlichen Rückgang gegenüber dem revidierten Wert der Vorwoche von 218.000. Der wöchentliche Rückgang um 11.000 war der stärkste Einbruch innerhalb einer Woche seit Februar dieses Jahres.

Ebenfalls wichtig ist die Stabilität des gleitenden Vierwochen-Durchschnitts. Marktteilnehmer betrachten diesen Indikator als aussagekräftiger, weil er die wöchentliche Volatilität glättet – was insbesondere vor dem Hintergrund von Osterfeiertagen und Frühlingsferien relevant ist. So lag der Vierwochen-Durchschnitt bei 209.750 Anträgen. Dieser Wert befindet sich deutlich unter der kritischen Schwelle von 230.000 und signalisiert, dass es keine systemischen Probleme mit Entlassungen gibt. Dieses Ergebnis legt nahe, dass US-Unternehmen nicht zu Massenentlassungen neigen: Trotz der sich verlangsamenden US-Konjunktur halten viele Arbeitgeber ihre Mitarbeiter weiter auf der Gehaltsliste, was im Übrigen das Verbrauchervertrauen stützt.

Ein weiterer gestern veröffentlichter US-Makroindikator unterstützte ebenfalls den US-Dollar. Der Philly-Fed-Index für die industrielle Aktivität sprang auf 26,7 (Prognose 10,3). Der Indikator ist damit den vierten Monat in Folge gestiegen und erreichte im April seinen höchsten Stand seit Januar des Vorjahres. Wichtige Unterindizes verzeichneten ebenfalls deutliche Zuwächse. So schoss etwa der Index für neue Aufträge von zuvor 8,6 auf 33,0 nach oben, was darauf hindeutet, dass die regionalen Unternehmen ihre Auftragsbücher förmlich für die Zukunft gefüllt haben. Der Subindex für zukünftige Investitionsausgaben stieg auf 35,2 und signalisiert, dass die Unternehmen planen, ihre Kapazitäten auszubauen und Ausrüstung zu erwerben. Auch der Index für die durchschnittliche Wochenarbeitszeit erhöhte sich auf 7,7 und deutet auf eine hohe Kapazitätsauslastung hin. Schließlich sprang der Index der gezahlten Preise auf 59,3. Das ist ein Signal dafür, dass sich die Inflation im verarbeitenden Gewerbe erneut beschleunigt hat – vor allem bedingt durch Logistik- und Rohstoffkosten.

Obwohl sich die Philly Fed nur auf eine Region bezieht, weist sie eine hohe Korrelation mit dem ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe auf und hat daher der US-Währung kräftigen Rückhalt gegeben.

Damit ist die Abwärtsdynamik von GBP/USD vollauf gerechtfertigt. Händler ignorierten den überholten britischen BIP-Bericht und konzentrierten sich auf die US-Daten, die klar zugunsten des US-Dollars ausfielen.

Gleichwohl ist es derzeit kategorisch nicht zu empfehlen, neue Positionen im Paar zu eröffnen. Der Grund: Die Geopolitik wird in Kürze wieder in den Mittelpunkt rücken – mit allen daraus resultierenden Folgen.

Donald Trump zufolge könnte bereits an diesem Wochenende ein neues Treffen von US- und iranischen Vertretern stattfinden. Sollte die zweite Verhandlungsrunde tatsächlich morgen oder übermorgen stattfinden, wird der Markt deren Ergebnisse am Montag einpreisen. Erreichen die Seiten eine Einigung oder verständigen sich auf eine Fortsetzung der Gespräche, gerät der als sicherer Hafen geltende Dollar unter Druck, und das Interesse an Risikoanlagen nimmt wieder zu. In diesem Fall dürfte das Währungspaar GBP/USD die Grenzen der 36er-Marke erneut testen. Scheitern die Verhandlungen hingegen, wird der Dollar wieder die Führung übernehmen, und GBP/USD dürfte in die 34er-Marke abrutschen, wobei die Kumo-Unterstützung im D1-Bereich nahe 1,3400 ins Visier gerät.

Die Lage bleibt offen – und deshalb erscheinen derzeit alle Handelsentscheidungen im Paar gleichermaßen risikoreich.

*Die zur Verfügung gestellte Marktanalyse dient zu den Informationszwecken und sollte als Anforderung zur Eröffnung einer Transaktion nicht ausgelegt werden
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