Die Märkte verhalten sich ungewöhnlich, wenn nicht gar merkwürdig. Vor der Pandemie kam es in 80% der Fälle zu einem erneuten Test eines jüngst markierten Tiefs im S&P 500, wenn der Index es nicht schaffte, in den „Bärenmarkt“ überzugehen. Seit 2020 hat der breite Aktienindex dieses Muster vollständig aufgegeben. Er steigt wie Hefeteig, und FOMO – Fear of Missing Out – verhindert jede nennenswerte Pause oder jeden erneuten Test. Genau das geschieht im April vor dem Hintergrund des scheinbaren Abklingens des geopolitischen Konflikts im Nahen Osten, der in Wirklichkeit jedoch nicht vorbei ist.
Neben dem völligen Ausbleiben von Doppelböden könnten Anleger auch die niedrigen Handelsvolumina und die geringe Marktbreite beunruhigen. Als der S&P 500 sein erstes Rekordhoch seit Oktober erreichte, verzeichneten nur 11 der 500 Aktien neue 52‑Wochen‑Hochs. Bis zur Woche, die am 17. April endete, war diese Zahl auf 48 gestiegen.
Entwicklung des S&P 500 und eines gleichgewichteten Aktienindex
Die Rally im breiten Index im April wurde von einer Handvoll Large-Cap-Werten angetrieben, wodurch der S&P 500 seine gleichgewichtete Variante deutlich übertreffen konnte. Der aktuelle Markt unterscheidet sich stark von der Hausse-Stimmung des Jahres 2021, als rund 90 % der Aktien über ihrem 200-Tage-Durchschnitt gehandelt wurden. Heute liegt dieser Wert eher bei etwa 60 %.
Allerdings ist eine geringe Marktbreite für sich genommen kein Grund zur Panik. Märkte haben immer Führungstitel – sei es die Magnificent Seven oder eine andere Gruppe – und die übrigen Werte tendieren dazu, zu folgen. Es gibt weiterhin Aktien, die man kaufen kann, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass die Rally im S&P 500 anhält, hoch genug ist, um auf Seiten der Bullen zu bleiben.
Entwicklung des Anteils der S&P 500-Aktien, die über ihrer 200-Tage-EMA gehandelt werden

Gleiches gilt für das Handelsvolumen von US-Aktien. Im April liegt es etwa 11 % unter dem Sechsmonatsdurchschnitt. Im März, als die Spannungen im Nahen Osten sprunghaft anstiegen, lagen die Volumina rund 9,5 % über dem Durchschnitt. Angesichts des Rückgangs des S&P 500 in diesem Zeitraum scheint es, als hätten Händler Anfang Frühling mit mehr Überzeugung verkauft, als sie jetzt Mitte Frühling kaufen.
Kurz gesagt: Es herrscht zwar Unsicherheit, doch wenn diese nachlässt, dürften die Handelsvolumina bei US-Aktien steigen – ebenso wie das Heer der Bullen. Stehen neue Rekordhochs für den S&P 500 unmittelbar bevor?

Die Antwort hängt von den Entwicklungen im Nahen Osten ab. Das Zeitfenster für die Waffenruhe läuft ab, und Donald Trump hält eine Verlängerung für unwahrscheinlich. Der US-Präsident hat mit erneuten Bombardierungen gedroht, falls keine Einigung mit dem Iran erzielt wird. Gleichzeitig ist es dennoch wahrscheinlich, dass Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran stattfinden werden, und die Hoffnung auf Frieden stimmt die US-Aktienbullen optimistisch.
Technisch zeigt der Tageschart, dass der S&P 500 eine Inside Bar ausgebildet hat. Diese lässt sich mit Pending Orders traden: Es würde Sinn ergeben, bei 7.125 zu kaufen, um bestehende Long-Positionen aufzustocken, oder den breiten Index bei 7.080 zu verkaufen.
