
Siehe auch: InstaForex Handelsindikatoren für GBP/AUD
Trotz einer Korrektur am Dienstag bleibt das Währungspaar GBP/AUD unter Verkaufsdruck und entwickelt nach der Veröffentlichung gemischter Arbeitsmarktdaten aus Großbritannien einen Abwärtsimpuls. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes konsolidiert sich der Kurs in der Nähe von 1,8870 und entfernt sich damit von den jüngsten Höchstständen um 1,8941. Die Marktteilnehmer verarbeiten gegensätzliche Signale: Der dovishe Kurs der Bank of England belastet das Pfund, während die hawkishe Rhetorik der RBA und die robuste australische Wirtschaft den Aussie stützen.

Fundamentale Ausgangslage: taubenhafte BoE versus falkenhafte RBA
Das Pfund erlitt in dieser Woche einen Doppelschlag. Einerseits überraschten die heutigen Arbeitsmarktdaten: Die ILO-Arbeitslosenquote fiel unerwartet auf 4,9 % (Prognose: 5,2 %).
Unter der Oberfläche zeigen sich jedoch beunruhigende Signale:
- Die Beschäftigung stieg nur um 25.000 Stellen gegenüber zuvor 84.000.
- Die Zahl der Entlassungen erhöhte sich in den drei Monaten bis Februar um 136.000.
- Die HMRC-Lohn- und Gehaltslisten sanken um 11.000 Beschäftigte.
Für die Bank of England rückte vor allem das nachlassende Lohnwachstum in den Fokus. Die regulären Löhne im privaten Sektor – die für die Geldpolitik maßgebliche Kennzahl – gingen im Jahresvergleich auf 3,2 % zurück (nach 3,3 % im Januar). Das ist das geringste Lohnwachstum seit Oktober 2020 und liegt unter der BoE-Prognose für das 1. Quartal von 3,5 %.
Marktreaktion:
- An den Märkten vollzieht sich ein Wechsel: Statt weiterer Zinserhöhungen werden nun zunehmend Zinssenkungen eingepreist.
- Ökonomen weisen darauf hin, dass der britische Arbeitsmarkt trotz besserer Überschriftenwerte weiterhin Überkapazitäten aufweist und anfällig bleibt: Trotz der deutlich besseren Arbeitslosenquote bestehen versteckte Schwächen fort.
Im Mittelpunkt steht morgen die britische Verbraucherpreisinflation (CPI) für März.
Prognose:
Indikator | Prognose | Vorheriger Wert |
CPI (j/j) | 3,3 % | 3,0 % |
Bestätigen die Daten eine Beschleunigung der Inflation, könnte das Pfund vorübergehend Unterstützung erhalten. Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass der übergeordnete Trend einer Verschiebung der Erwartungen von Zinserhöhungen hin zu Zinssenkungen anhalten wird (siehe dazu auch unsere gestrigen Analysen GBP/USD: Pfund balanciert auf Messers Schneide zwischen Zinsen und Geopolitik und GBP/CAD: vor dem Hintergrund auseinanderlaufender geldpolitischer Pfade).
Während das Pfund seine „hawkish premium“ einbüßt, erhält der Australische Dollar starke Unterstützung durch wachsende Erwartungen an eine Straffung durch die RBA.

Zentrale Unterstützungsfaktoren für den AUD:
- Starker Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote lag im März unverändert bei 4,3 % und entsprach damit den Prognosen der RBA; die Beschäftigung stieg um 18,0 Tsd. Die Zahl der Vollzeitstellen nahm um 53,0 Tsd. zu.
- Inflationserwartungen. Die Inflationserwartungen der Verbraucher stiegen im April auf 5,9 % – den höchsten Stand seit November 2022.
- Lohnwachstum. RBA-Vizegouverneur Andrew Hauser bestätigte, dass sich die Zentralbank darauf konzentriert, einen Anstieg der mittelfristigen Inflationserwartungen zu verhindern.
Markterwartungen:
- Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der Mai-Sitzung der RBA liegt bei rund 70 %.
- Die Märkte preisen bis Jahresende vollständig mindestens einen Zinsschritt um 25 Basispunkte ein; einige Ökonomen schließen eine dritte Anhebung nicht aus, falls sich die Inflationseffekte des Iran-Konflikts weiter verstärken.
Wichtige Ereignisse
| Datum | Ereignis | Möglicher Einfluss |
Heute, 14:00 GMT | Bestätigungsanhörungen zu Kevin Warsh | Auswirkung auf den US-Dollar und die globale Stimmung |
Heute/Morgen | Zweite Runde der Gespräche USA–Iran | Der wichtigste geopolitische Auslöser |
Mittwoch | UK VPI (März) | Prognose 3,3 % im Jahresvergleich, ein Schlüsselindikator für die BoE |
30. April | BoE Zinsentscheid | Die Märkte erwarten einen unveränderten Leitzins von 3,75 % |
5. Mai | RBA Zinsentscheid | Wahrscheinlichkeit einer Anhebung ~70 % |
Fazit
GBP/AUD steht an einem Wendepunkt und sieht sich gegensätzlichen Signalen der Zentralbanken gegenüber: Die BoE deutet angesichts einer Abschwächung des Arbeitsmarkts eine Pause und mögliche Zinssenkungen an, während die RBA einen restriktiven Kurs beibehält und sich auf weitere Straffungen vorbereitet.

Investoren verfolgen die Entwicklungen im Nahen Osten ebenfalls sehr genau. Die zweite Runde der Gespräche zwischen den USA und dem Iran könnte heute Abend oder morgen früh stattfinden. Allerdings hat der Iran seine Teilnahme noch nicht bestätigt, und sein Chefunterhändler erklärte, man bereite sich darauf vor, „neue Karten auf dem Schlachtfeld aufzudecken“. Diese Unsicherheit setzt Risikoanlagen unter Druck und spiegelt sich in der GBP/AUD-Dynamik wider, da der Markt eine Risk-off-Stimmung zeigt, die den US-Dollar stärkt und auf risikosensitiven Währungen lastet.
Die Schlüsselzone bei 1,8800–1,8940 wird sich in den kommenden Tagen zum entscheidenden „Schlachtfeld“ entwickeln. Ein technischer Ausbruch über 1,8941 (200-EMA im H1-Chart) würde ein bullisches Szenario bestätigen und den Weg in Richtung 1,9000 sowie 1,9057 (200-EMA im H4-Chart)–1,9125 (50-EMA im Tageschart) eröffnen. Ein Verbleib unter 1,8800 hingegen dürfte die Bären am Ruder halten und den Weg für einen Test der Jahrestiefs freimachen.

Die Märkte haben ein übermäßig aggressives Straffungsszenario der RBA eingepreist (Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts im Mai ~70 %), und schon ein leichter Wandel in der Rhetorik könnte eine kräftige Aufwärtsbewegung des Währungspaares auslösen. Umgekehrt wird der morgige britische Verbraucherpreisindex (UK CPI) ein entscheidender Test für das Pfund sein: Eine positive Überraschung könnte GBP vorübergehend stützen und das Kräfteverhältnis verändern. Anleger sollten geopolitische Entwicklungen und die morgigen britischen Inflationsdaten genau beobachten.
Siehe auch die heutige Analyse DJIA (INDU): Konsolidierung vor der zweiten Verhandlungsrunde
