
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD hat sich etwas verändert. Vom Abbruch des seit Januar letzten Jahres laufenden Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) kann zwar nach wie vor keine Rede sein, aber die übergeordnete Wellenstruktur wirkt inzwischen recht uneindeutig. In solchen Situationen empfehle ich stets, auf einen kleineren Zeitrahmen (oberer Chart) zu wechseln und sich auf die einfachsten und kleinsten Wellenstrukturen zu konzentrieren, um kurzfristige Prognosen zu erstellen – mehr als ausreichend für das Eröffnen von Positionen. Wellenstrukturen können sehr komplex sein und mehrere Szenarien zulassen, doch der einfachste Ansatz ist das Handeln nach den klassischen „Fünf-Drei“-Mustern.
Im obigen Chart lässt sich eine klassische fünfteilige Impulsstruktur mit verlängerter dritter Welle erkennen. Wenn diese Interpretation zutrifft, ist die Ausbildung dieser Struktur abgeschlossen, und aktuell läuft eine Korrekturphase von mindestens drei Wellen. Daher ist kurzfristig ein Anstieg des Instruments zu erwarten, allerdings nur im Rahmen einer Korrektur gegenüber dem letzten Trendsegment. Derzeit fügen sich die jüngsten Wellenstrukturen nur schwer in die übergeordnete Zählung ein, doch die Lage sollte sich mit der Zeit klären. Die Erholung des Euro könnte im Bereich der Marke von 1,1824 enden.
Das Währungspaar EUR/USD zeigte am gesamten Mittwoch kaum Veränderungen, die Volatilität blieb erneut sehr gering. Bereits den dritten Tag in Folge zieht es der Markt vor, an der Seitenlinie zu bleiben, statt aktiv zu handeln – und die dahinterstehende Logik ist kaum zu bestreiten. In den vergangenen fünf bis sechs Tagen hat sich der geopolitische Hintergrund gefühlt zehnmal verändert. Jeder Tag beginnt mit Meldungen, dass sich iranische und US-Delegationen in Islamabad treffen werden, nur um kurz darauf von Meldungen gefolgt zu werden, die Gespräche seien abgesagt, verschoben oder unmöglich.
Marktteilnehmer sind schlicht müde geworden, auf jeden „Insiderbericht“ zu reagieren, von denen 99 % wenig mit der Realität zu tun haben. Erst gestern habe ich erwähnt, wie einige US-Medien aktiv die Idee eines Treffens zwischen Iran und den USA am Mittwoch verbreiteten. Am Abend stellte sich heraus, dass diese „Insiderberichte“ wertlos waren, da Teheran erneut Verhandlungen ablehnte und die US-Blockade der Straße von Hormus eher als „Akt der Aggression“ denn als „Friedensbemühung“ bezeichnete.
Derzeit sind im Grunde nur die Aussagen iranischer Offizieller vertrauenswürdig, die an ihrer Linie festhalten: zuerst die Aufhebung der Blockade der Straße von Hormus, dann eine zweite Verhandlungsrunde – jedoch ohne Zugeständnisse beim Thema Nuklearenergie. Andernfalls ist Iran bereit, den Kampf fortzusetzen. Gleichzeitig verstärkt Donald Trump die US-Militärpräsenz in der Region, was signalisiert, dass er sich nicht leicht einschüchtern lässt. Infolgedessen bewegen sich trotz Waffenruhe beide Seiten eher in Richtung einer erneuten Eskalation. Daher rechne ich weiterhin mit einem Rückgang von EUR/USD, ein Szenario, das durch die aktuelle Wellenstruktur gestützt wird.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage dieser Analyse komme ich zu dem Schluss, dass sich EUR/USD weiterhin in einem Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) befindet, während sich kurzfristig eine Korrekturstruktur ausbildet. Das Korrekturwellenset wirkt weitgehend abgeschlossen und könnte sich nur dann noch verkomplizieren und ausdehnen, wenn es zu einer stabilen und langfristigen Waffenruhe zwischen Iran, den USA, Israel und allen anderen Ländern im Nahen Osten kommt. Andernfalls halte ich es für wahrscheinlich, dass sich von den aktuellen Niveaus aus eine neue Abwärtswellenstruktur – oder zumindest eine Korrekturwelle – bildet.
Auf dem kleineren Zeitrahmen ist das gesamte Aufwärtstrendsegment klar erkennbar. Die Wellenstruktur ist nicht völlig standardisiert, da die Korrekturwellen in ihrer Ausdehnung variieren. So ist etwa die übergeordnete Welle 2 kleiner als die interne Welle 2 innerhalb von Welle 3. Solche Abweichungen kommen jedoch vor. Ich möchte daran erinnern, dass es besser ist, sich auf klare, gut nachvollziehbare Strukturen zu konzentrieren, anstatt zu versuchen, jede einzelne Welle strikt zu beschriften. In naher Zukunft könnte sich der Trend umkehren.
Grundprinzipien meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und ändern sich häufig.
- Wenn keine ausreichende Marktgewissheit besteht, ist es besser, außen vor zu bleiben.
- Absolute Sicherheit in Bezug auf die Kursrichtung gibt es nie – nutzen Sie immer schützende Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse kann mit anderen Analysemethoden und Handelsstrategien kombiniert werden.

