Gestern gab der Euro gegenüber dem US-Dollar leicht nach. Ausschlaggebend war eine Reihe von Faktoren, darunter zunehmende geopolitische Spannungen und die Erwartung weiterer Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB). Viele Marktteilnehmer diskutieren derzeit über die möglichen Folgen einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten für die Weltwirtschaft und damit einhergehend für die Geldpolitik der EZB.

Den Prognosen mehrerer Ökonomen zufolge wird die EZB voraussichtlich auf die aktuelle geopolitische Lage mit einer Zinserhöhung reagieren. Die erste solche Anhebung wird bereits im Juni dieses Jahres erwartet. Mit dieser Entscheidung soll dem Inflationsdruck entgegengewirkt werden, der sich aufgrund von Störungen bei den Energielieferungen vermutlich verstärken wird. Langfristig dürfte die EZB jedoch, um ein durch externe Schocks gefährdetes Wirtschaftswachstum zu stützen, im kommenden Jahr mit Zinssenkungen beginnen. Dieser zweigleisige Ansatz soll es der Zentralbank ermöglichen, zwischen Inflationsbekämpfung und Unterstützung der wirtschaftlichen Aktivität zu balancieren.
Auf der April-Sitzung wird die EZB mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Einlagenzins unverändert bei 2 % belassen, dürfte ihn aber auf der darauffolgenden Sitzung um einen Viertelprozentpunkt anheben, sobald neue Prognosen ein klareres Bild der wirtschaftlichen Folgen des Konflikts liefern. Die Hälfte der Ökonomen, die für Juni mit einer Zinserhöhung rechnen, erwartet zudem mindestens eine Senkung bis Ende 2027. Die durchschnittliche Schätzung deutet darauf hin, dass der Einlagenzins bis September jenes Jahres wieder bei 2 % liegen wird.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane und andere Experten haben kürzlich erklärt, dass ihnen in diesem Monat voraussichtlich noch nicht genügend Informationen zur Verfügung stehen, um zu beurteilen, ob sich die Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen aufgrund des starken Anstiegs der Öl- und Erdgaspreise wesentlich verändert haben. Zugleich betonen sie, dass sie entsprechende Signale sehr genau beobachten und die notwendigen Maßnahmen ergreifen werden.
Den jüngsten Daten zufolge stiegen die Verbraucherpreise im Euroraum im März im Jahresvergleich um 2,6 % – der höchste Wert seit Mitte 2024. Die Erwartungen hinsichtlich der Einzelhandelspreise und die Sorgen vor Inflation haben ebenfalls zugenommen. All dies lag jedoch in etwa im Rahmen der Prognosen der Ökonomen und führte weder an den Märkten noch in der Politik des Regulators zu nennenswerten Veränderungen.
Mit Blick auf den Terminmarkt sind sich die Händler zwar nahezu einig, dass die EZB die Zinsen in der kommenden Woche unverändert lassen wird, sie preisen für dieses Jahr jedoch weiterhin zwei Zinserhöhungen um jeweils einen Viertelprozentpunkt ein.
Was das aktuelle technische Bild von EUR/USD betrifft, müssen sich die Käufer darauf konzentrieren, das Niveau von 1,1690 zurückzuerobern. Nur dann wird der Weg für einen Test von 1,1720 frei. Von dort aus wäre ein Anstieg bis 1,1760 möglich, was ohne Unterstützung durch größere Marktteilnehmer jedoch recht schwierig sein dürfte. Das nächste Ziel wäre das Hoch bei 1,1790. Kommt es zu einem Rückgang des Handelspaares, erwarte ich ernsthafte Aktivitäten größerer Käufer erst im Bereich von 1,1666. Sollten dort keine nennenswerten Käufer auftreten, wäre es besser, auf ein Tief bei 1,1645 zu warten oder Long-Positionen ab 1,1620 zu eröffnen.
