
Gold (XAU/USD) notiert in der Nähe der psychologisch wichtigen Marke von 4700 US‑Dollar und versucht, seine leicht bullische Tendenz zu behaupten. Die Eskalation der Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und Iran in der Straße von Hormus sowie der mangelnde Fortschritt im Friedensprozess sorgen weiterhin für anhaltende Spannungen an den Märkten. Zugleich begrenzen erhöhte Inflationsrisiken die Erwartungen an eine Lockerung der Geldpolitik durch die U.S. Federal Reserve, was den US‑Dollar stärkt und Druck auf das Edelmetall ausübt.
Anzeichen für eine Zuspitzung zwischen den USA und Iran halten an, während die U.S. Navy eine Seeblockade iranischer Häfen aufrechterhält. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi bezeichnete diese Maßnahmen als Kriegshandlung. Gleichzeitig betonte der führende Unterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf, ein vollständiger Waffenstillstand ergebe nur dann Sinn, wenn keine Beschränkungen im Zusammenhang mit der Seeblockade bestünden. Parallel dazu wies der US‑Präsident Donald Trump die Seestreitkräfte des Landes an, alle Schiffe zu zerstören, die Minen in dem strategisch wichtigen Seeweg verlegen. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Deeskalation und stützt die Nachfrage nach dem US‑Dollar als Reservewährung, was den Druck auf Gold erhöht.
Unterdessen halten anhaltende Störungen der Energieversorgung über eine zentrale Transportroute die Ölpreise auf einem erhöhten Niveau. Dies schürt zusätzlich die Sorge vor einer beschleunigten globalen Inflation und könnte zu einer strafferen Geldpolitik der großen Zentralbanken, einschließlich der Federal Reserve, führen. Aktuelle Markterwartungen gehen lediglich von einer Zinssenkung der Fed um 25 Basispunkte im Jahr 2026 aus. Ein solches Szenario unterstützt die Renditen von US‑Staatsanleihen und den US‑Dollar, wirkt sich jedoch negativ auf nicht verzinsliche Anlagen wie Gold aus und erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Schwäche.
Im US‑Makrokalender steht am Freitag die Veröffentlichung der revidierten Zahlen zum University of Michigan Consumer Sentiment Index an. Dennoch bleiben geopolitische Faktoren der entscheidende Treiber, der die Volatilität an den globalen Märkten erhöhen und Handelschancen im Goldmarkt prägen kann. Das aktuelle fundamentale Umfeld signalisiert jedoch, dass für das Währungspaar XAU/USD weiterhin ein bärisches Szenario überwiegt. Daher können etwaige korrektive Aufwärtsbewegungen als Verkaufsgelegenheiten betrachtet werden und dürften sich als nur von kurzer Dauer erweisen.
Aus technischer Sicht könnten die Bullen wieder die Kontrolle übernehmen, falls es den Kursen gelingt, die 20‑Tage‑ und 100‑Tage‑SMAs erneut nach oben zu durchbrechen. Da die Oszillatoren jedoch in den negativen Bereich gedreht sind, bestätigt dies die Stärke der Bären. Gelingt es Gold nicht, das Niveau von 4645 US‑Dollar zu verteidigen, könnte sich der Rückgang in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 4500 US‑Dollar beschleunigen.
