
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD hat sich verändert. Vom Abbruch des seit Januar letzten Jahres laufenden Aufwärtstrendabschnitts (unterer Chart) kann weiterhin keine Rede sein, doch die Wellenstruktur wirkt nun eher uneindeutig. In solchen Situationen empfehle ich immer, auf einen kleineren Zeitrahmen (oberer Chart) umzuschalten und sich auf die einfachsten und kleinsten Wellenstrukturen zu konzentrieren, um eine kurzfristige Prognose zu erstellen, die für das Eröffnen von Trades ausreicht. Wellenstrukturen können sehr komplex sein und mehrere Szenarien zulassen. Am einfachsten ist es, standardisierte „Fünf-Drei“-Muster zu handeln.
Im obigen Chart lässt sich eine klassische fünfwellige Impulsstruktur mit verlängerter dritter Welle erkennen. Wenn dies tatsächlich der Fall ist, dann ist diese Struktur abgeschlossen und es läuft derzeit eine korrektive Formation aus mindestens drei Wellen. Drei Wellen haben wir bereits gesehen, daher dürfte der Markt in naher Zukunft mindestens eine weitere Korrekturwelle ausbilden. Die weitere Entwicklung hängt von der Geopolitik ab: Entweder wird die Korrektur komplexer, oder es beginnt ein neuer Abwärtstrendabschnitt.
Am Freitag stieg EUR/USD um etwa 30 Basispunkte, doch damit war die gesamte Tagesbewegung auch schon ausgeschöpft. Die Volatilität blieb minimal, und der Markt zeigt nach wie vor wenig Bereitschaft zu handeln, solange völlige geopolitische Unsicherheit herrscht. Die ganze Woche über lag der Fokus auf der Straße von Hormus, auf Verhandlungen und der Wahrscheinlichkeit eines Abkommens – nicht etwa, weil es nichts anderes zu besprechen gäbe. So wurden etwa in Großbritannien diese Woche wichtige Daten zur Arbeitslosigkeit und Inflation veröffentlicht, die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für April publiziert (teilweise mit überraschenden Ergebnissen), und Christine Lagarde trat zweimal mit Reden auf. All dies hat jedoch nur geringe Wirkung, solange sich der Markt ausschließlich auf die Geopolitik konzentriert.
Heute wurde berichtet, dass der iranische Außenminister nach Islamabad unterwegs ist. Zu welchem Zweck? Höchstwahrscheinlich zu Verhandlungen. Derzeit gibt es keine Bestätigung, dass auch eine von J.D. Vance geführte US-Delegation in die pakistanische Hauptstadt reist. Es liegt jedoch nahe, anzunehmen, dass Verhandlungen der Hauptgrund für einen solchen Besuch wären. Dennoch ist es zu früh für Optimismus. Eine zweite Verhandlungsrunde könnte am Wochenende stattfinden, doch der Ausgang ist höchst ungewiss, und die Chancen auf eine dauerhafte Vereinbarung sind gering. Washington und Teheran tauschen weiter Forderungen und Ultimaten aus, erzeugen den Eindruck von Friedensbereitschaft, zeigen dabei aber keine wirkliche Kompromissbereitschaft. Daher ist es durchaus möglich, dass auch die nächste Verhandlungsrunde scheitert.
Schlussfolgerungen
Auf Grundlage dieser EUR/USD-Analyse verbleibt das Währungspaar in einem Aufwärtstrendabschnitt (unterer Chart), befindet sich kurzfristig jedoch in einer Korrekturphase. Die korrektive Wellenstruktur wirkt weitgehend abgeschlossen und könnte nur dann komplexer und ausgedehnter werden, wenn sich die geopolitische Lage im Nahen Osten verbessert. Andernfalls könnte sich von den aktuellen Niveaus aus eine neue Abwärtswellenfolge entwickeln. Eine Korrekturwelle hat sich bereits ausgebildet, und die weitere Bewegung wird von den Ergebnissen der zweiten Verhandlungsrunde zwischen Iran und den Vereinigten Staaten abhängen.
Im kleineren Zeitrahmen ist der gesamte Aufwärtstrendabschnitt sichtbar. Die Wellenstruktur ist nicht ganz typisch, da die Korrekturwellen in ihrer Größe variieren – so ist beispielsweise die größere Welle 2 kleiner als die interne Welle 2 innerhalb von Welle 3. Solche Abweichungen kommen jedoch vor. Entscheidend ist, sich auf klare und verständliche Strukturen zu konzentrieren, anstatt jede Welle zwanghaft zu etikettieren. Kurzfristig könnte der Trend drehen.
Grundprinzipien meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und ändern sich häufig.
- Wenn keine Sicherheit über die Marktlage besteht, ist es besser, außen vor zu bleiben.
- Absolute Gewissheit über die Marktrichtung ist unmöglich. Verwenden Sie immer schützende Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analysemethoden und Handelsstrategien kombinieren.

