Das Währungspaar EUR/USD bewegt sich weiterhin in einer korrigierenden Gegenbewegung. Der Abstand zur bullischen Imbalance 13 ist nur noch gering, doch bislang wurde dieses Muster nicht getestet. Daher ist bislang kein Kaufsignal entstanden.
Die Händler hatten in der vergangenen Woche nahezu täglich mit Verhandlungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten gerechnet. Stattdessen gab es jedoch überwiegend negative Nachrichten, die eher auf die Unvermeidbarkeit einer erneuten Eskalation im Nahen Osten hindeuten als auf einen dauerhaften Waffenstillstand. Donald Trump wird selbstverständlich bis zuletzt versuchen, Iran zu einem Abkommen zu US-Bedingungen zu bewegen. Iran wiederum lehnt jedoch eine neue Verhandlungsrunde ab, solange die Straße von Hormus von US-Flugzeugträgern blockiert bleibt. Trump ist nicht bereit, die Blockade aufzuheben, und Iran ist nicht bereit, unter diesen Bedingungen zu verhandeln – eine Pattsituation.

Wie lange wird diese Situation andauern, bevor wieder Raketen in die eine und dann in die andere Richtung fliegen? Meiner Ansicht nach ist die Antwort eindeutig: Wenn es keine Verhandlungen gibt, ist die Wiederaufnahme des Konflikts nur eine Frage der Zeit.
Unter den aktuellen Umständen bleibt den Tradern nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis der Kurs auf die Imbalance 13 reagiert. Im Moment gibt es keine weiteren klaren Kaufzonen, und ich betrachte den Trend weiterhin als bullisch. Daher interessieren mich ausschließlich Kaufsignale. Auffällig ist, dass es derzeit überhaupt keine bearischen Formationen gibt.
Das vorherige Kaufsignal aus der Imbalance 12 hat sehr gut funktioniert: Der Euro legte um rund 270 Punkte zu. Diese Positionen konnten mit soliden Gewinnen geschlossen oder offengelassen werden, da sich keine Verkaufssignale gebildet haben.
Es ist außerdem bemerkenswert, dass das gesamte Wachstum des Dollars in den letzten anderthalb bis zwei Monaten ausschließlich von der Geopolitik getrieben wurde. In dem Moment, als sich die USA und Iran auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand einigten, zogen sich die Bären sofort zurück, und die Bullen setzten ihren Vormarsch fort.
Der Waffenstillstand bleibt derzeit fragil, hält aber noch. Ich habe wiederholt betont, dass ich nicht glaube, dass der Aufwärtstrend beendet ist, obwohl wichtige trendbildende Tiefs unterschritten wurden. Die Kursbewegung der vergangenen zwei Monate könnte sich in einen Abwärtstrend verwandeln, falls sich die geopolitische Lage weiter verschlechtert. Häufig diskontieren die Märkte jedoch das Worst-Case-Szenario im Voraus und versuchen, die extremsten Entwicklungen vorwegzunehmen.
Daher halte ich es für möglich, dass die Marktteilnehmer den geopolitischen Konflikt im Nahen Osten bereits vollständig eingepreist haben. In diesem Fall haben die Bären keinen klaren Vorteil mehr.
Das gesamte Chartbild ist derzeit recht eindeutig. Erstens: Der Kurs zeigte keinerlei Reaktion auf die Imbalance 11. Zweitens: Auf die Imbalance 12 reagierte der Markt deutlich und bildete ein bullisches Signal innerhalb eines bullischen Trends. Drittens: Es hat sich eine neue bullische Imbalance 13 herausgebildet, die sowohl als interessante Zone für künftige Käufe als auch als Unterstützungsbereich für die europäische Währung fungiert.
Der Nachrichtenhintergrund am Montag war im Grunde genommen nicht vorhanden, abgesehen vom deutschen Index des Verbrauchervertrauens, der seit fünf Jahren im negativen Bereich liegt. Dieser Bericht hat die Bullen ganz offensichtlich nicht aufgehalten.
Der Markt wendet sich derzeit erneut vom US‑Dollar ab – zugunsten von Euro, Pfund und anderen Währungen. Mit anderen Worten: Es geht weniger um die Attraktivität von Euro oder Pfund, sondern eher um die mangelnde Attraktivität des Dollars.
Für die Bullen gibt es auch 2026 noch zahlreiche Gründe, weiter aufwärts zu drücken, und selbst der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat diese nicht wesentlich geschmälert. Strukturell und im großen Bild haben sich die Rahmenbedingungen der Trump‑Politik, die im vergangenen Jahr zum starken Rückgang des Dollars beigetragen hat, nicht verändert.
In den kommenden Monaten kann der Dollar phasenweise aufgrund von Risikoaversion stärker werden, doch dafür wäre eine anhaltende Eskalation im Nahen Osten erforderlich. Ich glaube weiterhin nicht an die Ausbildung eines nachhaltigen Abwärtstrends für EUR/USD (also eines anhaltenden Aufwärtstrends des Dollars). Der Dollar hat vorübergehende Unterstützung erhalten, aber was soll die Bären langfristig antreiben?
Terminkalender für die USA und die Eurozone:
- USA – ADP-Beschäftigungsänderung (12:15 UTC)
- Eurozone – Rede der EZB-Präsidentin Christine Lagarde (18:30 UTC)
Am 28. April enthält der Wirtschaftskalender nur zwei Ereignisse von zweitrangiger Bedeutung. Der Einfluss des Nachrichtenflusses auf die Marktstimmung dürfte am Dienstag daher sehr begrenzt bleiben.
EUR/USD-Prognose und Trading-Empfehlungen:
Meiner Einschätzung nach befindet sich das Währungspaar weiterhin im Prozess der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Der Informationshintergrund hat sich vor zwei Monaten drastisch verändert, doch der Trend selbst kann weder als aufgehoben noch als abgeschlossen gelten.
Somit können die Bullen ihren Vormarsch in der näheren Zukunft durchaus fortsetzen – vorausgesetzt, die geopolitische Lage schlägt nicht plötzlich wieder in Richtung einer erneuten Eskalation um.
Zuvor hatten die Bullen die Möglichkeit, auf Basis des Signals aus der Imbalance 12 Long-Positionen zu eröffnen, und die Aufwärtsbewegung kann sich bis zu den Jahreshochs fortsetzen. Zudem hat sich eine neue Imbalance 13 gebildet, aus der in naher Zukunft ein weiteres bullisches Signal entstehen kann.
Damit der Euro ungehindert steigen kann, müsste sich der Konflikt im Nahen Osten in Richtung eines stabilen Friedens entwickeln – was derzeit nicht der Fall ist. Allerdings erhalten die Bären ebenfalls keine zusätzlichen Argumente für einen Angriff.
In der kurzfristigen Perspektive würde ich mich in erster Linie auf die technische Analyse stützen – und diese zeigt klar eine Dominanz der Bullen.
