Laut dem World Gold Council erreichte die Nachfrage nach dem Edelmetall im ersten Quartal einen historischen Wert von 193 Milliarden US‑Dollar. In physischen Mengen entspricht dies einem Anstieg um 2 % auf 1.231 Tonnen. Rohstoffmärkte verlaufen in Zyklen, und steigende Preise führen häufig zu einem Rückgang des Verbrauchs. Als Erstes reagierte der Schmucksektor: Die Nachfrage brach um 23 % auf 300 Tonnen ein. Im Gegensatz dazu stieg das Interesse an Anlagegold, was den XAU/USD-Wechselkurs eine Zeit lang stützte. Im Vorfeld der Ergebnissitzung des FOMC im April sind die Goldpreise jedoch eingebrochen.
Von Januar bis März stieg die Nachfrage der Zentralbanken nach Goldbarren leicht um 3 %. Länder wie Polen, Usbekistan und China traten als Netto-Käufer auf, während Aserbaidschan und Russland Verkäufe meldeten. Die Kapitalflüsse in ETFs waren uneinheitlich: Im März kam es zu Abflüssen, doch im ersten Quartal insgesamt wurde ein leichter Nettozufluss verzeichnet.
Entwicklung von Öl und Gold

Gold bleibt aufgrund des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten unter Druck. Das Problem ist nicht nur die Stärke des US-Dollars als sicherer Hafen, sondern hängt auch mit steigenden Ölpreisen, anziehender Inflation und der Absicht der Zentralbanken zusammen, die Geldpolitik zu straffen. Dieses Szenario führt zu höheren Renditen von US-Staatsanleihen. Da Gold keine Zinsen abwirft, fällt es dem Edelmetall schwer, mit Treasuries zu konkurrieren, wenn die Zinsen steigen.
Der Ausblick für XAU/USD trübt sich ein, zumal die Weltbank für 2026 einen durchschnittlichen Goldpreis von 4.700 US-Dollar je Unze prognostiziert, gefolgt von einem weiteren Rückgang um 7 % im Jahr 2027. Die Einschätzungen gehen jedoch weit auseinander. Goldman Sachs etwa erwartet eine Rückkehr des Edelmetalls auf 5.400 US-Dollar bis Jahresende, angetrieben von zwei Runden geldpolitischer Lockerung durch die Fed und einer steigenden Goldnachfrage der Zentralbanken. Amundi wiederum rechnet mit einem Anstieg der Preise auf 5.500 US-Dollar innerhalb von 12 Monaten und argumentiert, dass die beschleunigte Inflation nur vorübergehend sei und der Fed dadurch Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik gebe.
Damit hat Gold mittelfristig bis langfristig weiterhin Chancen. Kurzfristig steht es jedoch wegen der Erwartung einer restriktiven Rhetorik von Jerome Powell auf der Pressekonferenz nach der FOMC-Sitzung im April unter Druck. Sollten Anleger den Eindruck gewinnen, dass die Fed von Zinssenkungen abrückt, dürfte sich der US-Dollar aufwerten, die Renditen von US-Staatsanleihen würden steigen und XAU/USD könnte nachgeben.

Darüber hinaus könnte Powells Absicht, bis 2028 Mitglied des FOMC zu bleiben, sich negativ auf das Edelmetall auswirken. In diesem Szenario könnten Donald Trumps ambitionierte Pläne, das Federal Open Market Committee mit „Tauben“ zu besetzen, nicht in die Tat umgesetzt werden. Auch Kevin Warshs Vorstellungen, die Fed grundlegend umzugestalten, müssten möglicherweise aufgeschoben werden.
Aus technischer Sicht zeigt der tägliche Goldchart eine Abweichung von den gleitenden Durchschnitten und dem Fair Value, was auf eine Stärkung der bärischen Positionen hindeutet. Ein Rückgang unter 4.550 US-Dollar oder eine Erholung von 4.640 US-Dollar je Unze könnte Verkaufssignale auslösen.
