Das Dollar/Yen-Währungspaar ist gestern um mehr als 500 Punkte eingebrochen. Innerhalb weniger Stunden fiel der Kurs von 160,73 auf 155,58. Eine derart starke Intraday-Bewegung gehörte zu den größten der vergangenen drei Jahre. In diesem Fall griff erneut der sogenannte „Fluch der 160er-Marke“: Ein Überschreiten dieses Niveaus gilt als rote Linie, die in der Regel eine Gegenreaktion aus Tokio auslöst.

Genau das ist diesmal passiert. Sobald die Käufer im USD/JPY das Widerstandsgebiet um 160,50 (die obere Linie der Bollinger-Bänder im Vier-Stunden-Chart) überschritten hatten, verschärften die japanischen Behörden schlagartig ihre Rhetorik. Finanzministerin Satsuki Katayama erklärte insbesondere, dass „die Zeit für entschlossenes Handeln näher rückt“. Zwar verzichtete sie darauf, einen konkreten Zeitpunkt für eine mögliche Intervention zu nennen, doch ihre Anspielungen waren mehr als eindeutig (so forderte sie Marktteilnehmer etwa auf, ihre Smartphones in der näheren Zukunft nicht aus der Hand zu legen). Öl ins Feuer goss zudem Vizeminister für Finanzen und oberster Währungsdiplomat Atsushi Mimura, der die Entwicklungen als letzte Warnung an Spekulanten bezeichnete.
Nach diesen Äußerungen kam es am Markt zu massenhaften Liquidationen von Long-Positionen im USD/JPY. Dieser Prozess beschleunigte sich, als große Medien (insbesondere Reuters und Nikkei) berichteten, dass das Finanzministerium und die Bank of Japan von Worten zu Taten übergegangen seien und tatsächlich eine koordinierte Operation zum Yen-Kauf und Dollar-Verkauf durchgeführt hätten. Anders ausgedrückt: Die japanischen Behörden führten ihre erste Währungsintervention seit 2024 aus.
Die gestrige Volatilität wurde durch den offiziellen Beginn der sogenannten Golden Week in Japan verstärkt – eine Serie nationaler Feiertage, die die inländische Marktliquidität verringerte. So wurde am 29. April in Japan der Showa-Tag begangen, der Geburtstag des verstorbenen Kaisers Hirohito. Japanische Banken und die Tokyo Stock Exchange blieben geschlossen, und da die Aktivität japanischer Marktteilnehmer reduziert war, lag die Liquidität im USD/JPY deutlich unter dem Normalniveau.
Interessanterweise gibt es eine Theorie, der zufolge das Finanzministerium den Feiertag bewusst für die Intervention gewählt hat, weil an einem dünnen Markt selbst relativ geringe Volumina am Devisenmarkt wesentlich schärfere und tiefere Kursbewegungen auslösen können als an einem normalen Handelstag. Die Situation ermöglichte es dem Regulator, den USD/JPY ohne ernsthaften Widerstand der Dollar-Bullen unter wichtige technische Marken zu drücken.
Es sei darauf hingewiesen, dass die Golden Week in Japan noch bis einschließlich 5. Mai andauert, sodass der japanische Interbankenmarkt in den kommenden Tagen nur eingeschränkt arbeiten wird. An einem derart dünnen Markt könnten jede Wiederholung von Maßnahmen der japanischen Behörden oder sogar verstärkte verbale Interventionen neue, heftige Bewegungen im USD/JPY auslösen.
Angesichts der heutigen Kurskorrektur (die Käufer haben es geschafft, den Kurs zurück in den Bereich um 156 zu führen und damit einen Teil der Verluste wettzumachen) lohnt sich der Hinweis, dass der japanische Regulator in solchen Situationen häufig in mehreren Wellen agiert, um den Erfolg des ersten „Angriffs“ zu festigen und den Markt von der Ernsthaftigkeit seiner Absichten zu überzeugen.
So setzten die japanischen Behörden 2022 eine mehrstufige Operation um: Am 22. September führten sie die erste Interventionsrunde durch, nachdem das Währungspaar in den Bereich um 145 gestiegen war. Der Kurs fiel scharf, aber nur kurzzeitig – Käufer nutzten die Gelegenheit und begannen massenhaft, Long-Positionen zu eröffnen, wodurch das Paar wieder in Richtung 152 getrieben wurde. Als Reaktion darauf starteten die japanischen Behörden einen zweiten Angriff: Sie warteten bis Freitagabend, den 21. Oktober (als es in Japan bereits Nacht war und die Liquidität im Westen abnahm) und griffen erneut ein, wodurch der Kurs von 152,00 auf 146,50 abstürzte. Und nur zwei Tage später, am 24. Oktober, setzte Tokio den Schlusspunkt. Eine dritte Welle von Dollarverkäufen folgte am Montagmorgen und verhinderte, dass Trader den Rückgang zum Einstieg nutzten. Diese Abfolge ermöglichte es den japanischen Behörden, den Trend für mehrere Monate zu drehen. Im Januar 2023 markierte USD/JPY ein neues Mehrmonatstief nahe der Marke von 127. Natürlich trugen auch andere fundamentale Faktoren dazu bei, doch die japanischen Regulatoren spielten eine bedeutende Rolle.
All dies bedeutet, dass Aufwärtskorrekturen im USD/JPY äußerst unzuverlässig und riskant sind. Korrektive Ausschläge sollten als Gelegenheit genutzt werden, Short-Positionen zu eröffnen – mit ersten Kurszielen bei 156,00 (untere Linie der Bollinger-Bänder im Vier-Stunden-Chart) und 155,50 (untere Grenze der Kumo-Wolke im Tageschart).
