Am Dienstag fiel das Währungspaar EUR/USD in Richtung des 38,2 %-Korrekturlevels bei 1,1666, verfehlte dieses jedoch um etwa 10 Punkte. Anschließend drehte es zugunsten des Euro und kehrte zum 50,0 %-Fibonacci-Level bei 1,1745 zurück. Ein erneuter Abprall von diesem Level würde den US-Dollar begünstigen und einen weiteren Rückgang in Richtung 1,1666 unterstützen. Ein Ausbruch und eine anschließende Konsolidierung oberhalb von 1,1745 würden die Wahrscheinlichkeit eines anhaltenden Anstiegs in Richtung des nächsten Korrekturlevels von 61,8 % bei 1,1824 erhöhen.

Die Wellenstruktur im Stundenchart gibt derzeit keinen Anlass zur Sorge. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle hat das vorherige Hoch durchbrochen, während die letzte Abwärtswelle das vorherige Tief nicht unterschritten hat. Damit hat sich der Trend wieder auf bullisch gedreht, ist jedoch nicht stabil – alle Wellen sind in etwa gleich groß. Ein vorübergehender Waffenstillstand zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten hat die Bullen unterstützt; drei Wochen später lässt sich jedoch sagen, dass die Geopolitik erneut in Richtung Eskalation tendiert. Daher könnten die bullischen Versuche begrenzt sein oder ganz zum Erliegen kommen.
Am Dienstag hatte der Nachrichtenhintergrund nur geringe Auswirkungen auf die Stimmung der Trader. In den USA wurden zwei Berichte veröffentlicht, doch keiner lieferte Zahlen, die größere Beachtung verdient hätten. Der ISM Services PMI lag bei 53,6 und entsprach damit nahezu der Markterwartung von 53,7. Die Zahl der offenen Stellen laut JOLTS belief sich im März auf 6,866 Millionen gegenüber einer Prognose von 6,84 Millionen – ebenfalls nahezu identisch. Folglich hatten die Trader wenig, worauf sie reagieren konnten. Der einzig mögliche Kurstreiber blieb die sich weiter zuspitzende Lage im Nahen Osten. Bereits den zweiten Tag in Folge feuerte der Iran Raketen auf die VAE, was eine Reaktion der Verbündeten provozieren und den Konflikt weiter in Richtung Eskalation treiben könnte. Laut US‑Medien laufen Verhandlungen zwischen Teheran und Washington, doch es gibt dazu keine klaren oder präzisen Informationen. Die Trader sind gezwungen, über den tatsächlichen Stand der Gespräche zu spekulieren und die täglichen Stellungnahmen von Donald Trump genau zu analysieren, um sinnvolle Signale von bloßem Rauschen zu trennen. Allerdings ist selbst die sich anbahnende Eskalation im Nahen Osten inzwischen nicht mehr in der Lage, die Bären so stark zu unterstützen wie vor ein oder zwei Monaten. Die Geopolitik bleibt das zentrale Marktthema, vor allem weil ein erneuter Krieg die Energiepreise treiben und die Inflation anheizen könnte.

Im 4-Stunden-Chart drehte das Paar zugunsten des US-Dollar und begann, in Richtung des 76,4%‑Korrekturlevels bei 1,1617 zu fallen. Ein erneuter Rückprall vom Niveau bei 1,1778 deutet wiederum auf die Möglichkeit einer weiteren Abwärtsbewegung hin. Meiner Ansicht nach ist der Stundenchart derzeit aufgrund der schwachen Kursbewegungen aussagekräftiger. Die Bullen hatten den Markt vor rund einem Monat unter Kontrolle gebracht, suchen nun jedoch nach neuen Wachstumstreibern. Aktuell zeigen keine Indikatoren aufkommende Divergenzen.
Commitments of Traders (COT)‑Bericht:
In der letzten Berichtswoche schlossen professionelle Trader 316 Long-Positionen und eröffneten 5.296 Short-Positionen. Innerhalb von sieben Wochen im Februar und März verschwand der gesamte Vorteil der Bullen, und in den vergangenen fünf Wochen hat sich die Situation etwas ausgeglichen. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen beläuft sich nun auf 217.000, während Short-Positionen 181.000 ausmachen. Die Lücke vergrößert sich erneut zugunsten des Euro.
Insgesamt zeigen die Großanleger langfristig weiterhin ein starkes Interesse am Euro. Natürlich beeinflussen globale Ereignisse – an denen es in den vergangenen Jahren keinen Mangel gab – die Stimmung der Investoren weiter. Derzeit liegt der Fokus des Marktes weiterhin auf dem Nahen Osten, wo der Krieg zwar unterbrochen, aber nicht beendet wurde. Daher werden sich die Wechselkurse von Euro und US-Dollar in naher Zukunft weniger an der Geldpolitik der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank oder an Konjunkturdaten orientieren, sondern stärker an den Entwicklungen im Iran.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
- USA – ADP Employment Change (12:15 UTC).
Am 6. Mai enthält der Wirtschaftskalender nur einen Eintrag, der nicht als bedeutend eingestuft werden kann. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung dürfte am Mittwoch gering ausfallen.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Ein Verkauf des Währungspaares ist heute möglich, wenn es auf dem Stunden-Chart bei 1,1745 zu einem Rückprall kommt, mit einem Ziel bei 1,1666. Kaufpositionen können in Betracht gezogen werden, wenn sich der Kurs oberhalb von 1,1745 stabilisiert, mit einem Ziel bei 1,1824.
