Gold befindet sich in einer Zwickmühle und konsolidiert sich daher in einer engen Handelsspanne. Einerseits deuten Rekordhochs der US-Aktienindizes unmissverständlich darauf hin, dass der bewaffnete Konflikt im Nahen Osten beendet ist. Andererseits signalisieren die Rallys bei den Preisen für Brent und WTI zusammen mit den Nachrichten aus der Region, dass dies ganz und gar nicht der Fall ist. Infolgedessen pendelt das Edelmetall hin und her und versucht verzweifelt, Hinweise zu finden.
Am Markt kursieren Gerüchte, dass Gold nicht mehr als sicherer Hafen angesehen wird, sondern als Anlage, die vor makroökonomischen Risiken schützt. Stagflation ist ein ungünstiger Hintergrund für XAU/USD, denn in einem solchen Umfeld konzentrieren sich die Zentralbanken in der Regel auf Zinserhöhungen. Dies führt zu steigenden Anleiherenditen und stärkt die Währungen. Das Edelmetall verliert dadurch seinen Vorteil im Debasement-Trade, was zu einem Rückgang seines Preises führt.
Dynamik von Gold

Wenn eine Kombination aus nachlassendem Wirtschaftswachstum und hoher Inflation in eine Rezession mündet, könnte Gold mit neuer Brillanz erstrahlen. Laut UBS Investment Bank könnte das Edelmetall im Jahr 2026 neue Rekordhochs markieren und bei 5.600 US‑Dollar je Unze schließen – angetrieben von makroökonomischer Unsicherheit. Diese Unsicherheit erhöht die Nachfrage nach Diversifizierung von Anlageportfolios und stärkt das Interesse sowohl des öffentlichen als auch des privaten Sektors.
Der World Gold Council (WGC) schätzt, dass es im April zu einem Kapitalzufluss von 45 Tonnen in goldfokussierte ETFs gekommen ist. Nach einem Abfluss von 84,3 Tonnen im März ist dies ein positives Signal für XAU/USD. Der WGC weist darauf hin, dass die Bestände spezialisierter börsengehandelter Fonds auf 4.137 Tonnen gestiegen sind – der dritthöchste jemals verzeichnete Wert – nach dem Rekordstand von 4.176 Tonnen im Februar.
Goldbefürworter müssen sich wegen der Nettoverkäufe von 30 Tonnen an Barren durch Zentralbanken im März keine Sorgen machen, da diese Entwicklung vor allem durch die Aktivitäten einzelner Länder – Russland und der Türkei – bestimmt war. Gleichzeitig zeigt der Trend in Richtung Käufe, angeführt von Polen, Usbekistan, Kasachstan und natürlich China. China erhöht seine Reserven bereits seit 18 Monaten in Folge. Allerdings liegt der Goldanteil an diesen Reserven bei lediglich 15 %. Diese Quote hat weiteres Aufwärtspotenzial, was die Stimmung für XAU/USD positiv beeinflusst.

Gold bereitet sich auf die wichtige Veröffentlichung der US-Inflationsdaten für April vor. Es wird erwartet, dass die Verbraucherpreise auf 3,7 % steigen, während die Kerninflation voraussichtlich 2,7 % erreichen wird. Eine solche Entwicklung der Indikatoren, zusammen mit der Stabilisierung des US-Arbeitsmarktes, könnte die Federal Reserve zu einer Straffung der Geldpolitik veranlassen, was für das Edelmetall eine schlechte Nachricht wäre.
Aus technischer Sicht konsolidiert Gold im Tageschart in einer Spanne von 4.650 bis 4.770 US-Dollar je Unze. Es bietet sich an, auf den Ausbruch aus diesem Trendkanal zu setzen und Pending Orders zu platzieren – Kaufaufträge für das Edelmetall bei 4.770 US-Dollar und Verkaufsaufträge bei 4.650 US-Dollar. Dem Schlusskurs kommt dabei eine große Bedeutung zu. Die Wahrscheinlichkeit von Fehlausbrüchen ist hoch, daher ist es entscheidend, genau zu beobachten, wie XAU/USD den Handelstag beendet.
