
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart von EUR/USD hat sich verändert. Vom Abbruch des Aufwärtstrends (unterer Chart), der im Januar letzten Jahres begonnen hat, kann zwar weiterhin keine Rede sein. Dennoch wirkt die aktuelle Wellenstruktur inzwischen stark uneindeutig. In solchen Situationen empfehle ich stets, auf einen kleineren Zeitrahmen (oberer Chart) zu wechseln und sich auf die einfachsten und kleinsten Wellenstrukturen zu konzentrieren, um kurzfristige Prognosen zu erstellen, die für das Eröffnen von Trades ausreichen. Wellenstrukturen können sehr komplex sein und mehrere Szenarien umfassen. Der einfachste Ansatz ist es, Standardmuster vom Typ „fünf-drei“ zu handeln.
Im oberen Chart lässt sich eine klassische fünfteilige Impulsstruktur mit einer Extension in Welle drei erkennen. Nach Abschluss dieser Struktur begann sich eine Korrektursequenz von mindestens drei Wellen auszubilden. Allerdings kann sich diese Struktur durchaus noch zu einer impulsiven Fünf-Wellen-Formation weiterentwickeln, was völlig möglich ist. Dennoch können wir nicht sicher sein, dass sich bereits Welle fünf ausbildet, da weiterhin eine Korrekturstruktur zu erwarten ist. Klassischerweise sollte sie die Form einer dreiwelligen Bewegung annehmen. Falls dies tatsächlich der Fall ist, hat am 17. April ein neuer abwärtsgerichteter Trendabschnitt begonnen.
Der Euro fällt weiter aufgrund der US-Inflation.
Das Währungspaar EUR/USD ist am Donnerstag um 15 Basispunkte gefallen und hat in dieser Woche insgesamt 100 Punkte verloren. Das ist nicht besonders viel, und die tägliche Volatilität des Instruments bleibt relativ gering. Vielmehr setzt der Markt den vorsichtigen Verkauf fort, bleibt aber jederzeit bereit, wieder in Käufe umzuschwenken.
In dieser Woche wirkten zwei Schlüsselfaktoren gegen den Euro und zugunsten des Dollars.
Der erste war eine neue geopolitische Eskalation im Nahen Osten. Iran und die Vereinigten Staaten konnten sich erneut nicht über die Bedingungen eines zukünftigen Abkommens einigen und tauschten zu Wochenbeginn aggressive Rhetorik aus, die jedoch glücklicherweise nicht in einen tatsächlichen Konflikt mündete. Dennoch nahm die Risikoaversion sofort zu, was zu einer Stärkung des US-Dollars führte.
Der zweite Faktor war die US-Inflation. Niemand bezweifelte, dass die Inflation steigen würde – nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit. Die Verbraucherpreisdaten (CPI) für April zeigten jedoch, dass sie schneller zunimmt als von Ökonomen erwartet. Die Inflation stieg im Jahresvergleich auf 3,8 %, was sowohl den Markt als auch die Federal Reserve dazu veranlasste, die Erwartungen in Richtung einer strafferen Geldpolitik zu verschieben.
Derzeit ist zwar nicht von Zinserhöhungen die Rede. Dies wurde von mehreren Vertretern der Federal Reserve betont. Die Entscheidungsträger sind der Ansicht, dass die Zinsen für einige Zeit unverändert bleiben sollten, um die inflationsbedingten Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten und der Blockade der Straße von Hormus angemessen beurteilen zu können. Der Markt selbst beginnt jedoch, eine mögliche Straffung der Geldpolitik noch vor Jahresende einzupreisen, was den US-Dollar ebenfalls unterstützt.

Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage der EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass sich das Instrument weiterhin in einer Aufwärtsstruktur befindet (unteres Chart), während sich kurzfristig eine korrektive Struktur ausbildet. Die Sequenz der Korrekturwellen wirkt weitgehend abgeschlossen, könnte sich jedoch zu einer komplexeren und ausgedehnteren Formation entwickeln. Dafür wäre allerdings eine Verbesserung der geopolitischen Lage im Nahen Osten erforderlich.
Daher rechne ich ohne positive Nachrichten damit, dass das Instrument unter 1,1665 fällt, was dem 38,2%-Fibonacci-Level entspricht.
Im kleineren Zeitrahmen ist der gesamte Aufwärtstrend sichtbar. Die Wellenstruktur ist nicht völlig standardisiert, da sich die Korrekturwellen in ihrer Größe unterscheiden. So ist zum Beispiel die Welle 2 höheren Grades kleiner als die interne Welle 2 innerhalb der Welle 3. Solche Konstellationen kommen jedoch vor. Entscheidend ist, sich auf klar erkennbare Strukturen zu konzentrieren, anstatt zu versuchen, jede einzelne Welle zu interpretieren.
Die jüngsten Wellen lassen sich nur schwer eindeutig einordnen, weshalb ich mich für die Analyse auf den höheren Zeitrahmen stütze.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und deuten häufig auf Übergangsphasen hin.
- Wenn keine Überzeugung hinsichtlich der Marktrichtung besteht, ist es besser, nicht zu handeln.
- Es gibt nie 100%ige Sicherheit bezüglich der Marktrichtung. Verwenden Sie immer Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analysemethoden und Handelsstrategien kombinieren.
