Das Währungspaar Euro/US-Dollar hat sich nach dem Durchbruch der Unterstützung bei 1,1690, der Mittellinie der Bollinger-Bänder im Tageschart, im Bereich von 1,16 eingependelt. In den vergangenen fünf Wochen hatte das Paar in der 1,17-Spanne gehandelt, was die Unentschlossenheit zwischen Käufern und Verkäufern widerspiegelte. Jüngste geopolitische und makroökonomische Entwicklungen haben jedoch die Bären im EUR/USD begünstigt.

Meiner Ansicht nach lässt sich die Abwärtsbewegung auf drei miteinander verbundene fundamentale Faktoren zurückführen. Erstens waren die Märkte vom Ergebnis des China-Besuchs von Präsident Donald Trump enttäuscht. Zweitens machen sich Händler zunehmend Sorgen über die wachsenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Drittens haben sich die restriktiven Erwartungen gegenüber der Federal Reserve verstärkt. Zusammengenommen haben diese Faktoren den Verkäufern ermöglicht, EUR/USD aus der 1,17er-Spanne zu drücken und unterhalb von 1,1690 Fuß zu fassen.
In der Geopolitik hatten Marktteilnehmer große Hoffnungen in die Reise Trumps gesetzt, was substanziellere Vereinbarungen zwischen Washington und Peking zu Handel, Investitionen und einer breiteren geopolitischen Entspannung angeht. Das tatsächliche Ergebnis war eher symbolisch als strategisch. Selbst gezielte Abkommen blieben hinter den Markterwartungen zurück. So fielen beispielsweise die Boeing-Aktien trotz der Ankündigung eines chinesischen Kaufs von 200 Flugzeugen, da Investoren auf einen deutlich größeren Auftrag gehofft hatten – möglicherweise bis zu 500 737 Max sowie zusätzliche Langstreckenjets. Das angekündigte Geschäft wurde daher eher als politischer Kompromiss denn als entscheidender kommerzieller Erfolg für Boeing gewertet.
Entscheidende systemische Fragen wurden nicht gelöst. Die Erklärungen liefen auf Gespräche über eine „Stabilisierung der Beziehungen“ hinaus, während zentrale Streitpunkte – Taiwan, Iran, Zollpolitik und Technologiekontrollen – ungelöst blieben. Bis zu Trumps Abreise aus Peking waren keine konkreten, weitreichenden Verpflichtungen erreicht worden.
Der enttäuschende China-Besuch fiel zeitlich mit zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran zusammen. Der Präsident erklärte gestern, seine Geduld mit Teheran sei „schnell am Ende“ und forderte Iran auf, „so schnell wie möglich“ ein Abkommen zu schließen. Er bekräftigte, dass die Vereinigten Staaten Iran nicht erlauben werden, Atomwaffen zu erlangen. Zwei Tage zuvor berichteten ranghohe CNN-Quellen, Trump ziehe angesichts ins Stocken geratener Diplomatie zunehmend ernsthaft erneute Militärschläge gegen Iran in Betracht.
Iran beharrt auf eigenen Bedingungen: Aufhebung der Sanktionen, Freigabe eingefrorener Gelder, Entschädigung für Schäden und formale Anerkennung seiner souveränen Rechte über die Straße von Hormus. Heute erklärte Irans Vizepräsident Mohammad Reza Aref, die Meerenge sei „Irans Eigentum“ und Teheran werde sie niemals aufgeben.
Wie bereits erwähnt, hat Trumps China-Besuch wenig zur Deeskalation beigetragen oder Fortschritte bei der Beilegung des Konflikts im Nahen Osten gebracht. Bloomberg berichtete, das Weiße Haus habe deutlich gemacht, dass man sich von Peking erhoffe, Druck auf Teheran auszuüben, um Gespräche aufzunehmen. China nahm seinerseits eine vorsichtige Haltung ein: Das Außenministerium bekräftigte, Fragen im Zusammenhang mit Irans Atomprogramm sollten auf diplomatischem Wege gelöst werden.
Zusammengefasst bleibt die Lage gefährlich nahe an einem möglichen Wiederaufflammen militärischer Szenarien.
Vor diesem Hintergrund haben sich die Markterwartungen verschoben. Händler rechnen nun damit, dass die Fed die Zinsen mindestens bis zum Jahresende unverändert lassen könnte, und preisen auch die Möglichkeit einer strafferen Geldpolitik in der zweiten Jahreshälfte ein. Das CME FedWatch-Tool weist auf eine Wahrscheinlichkeit von rund 20 Prozent für eine Zinserhöhung auf der September-Sitzung hin. Die Veröffentlichungen zu den Verbraucherpreisen (CPI) und Erzeugerpreisen (PPI) im April, die sowohl bei der Gesamt- als auch bei der Kerninflation eine Beschleunigung zeigten, haben das Argument für eine mögliche Straffung gestärkt.
Dieses fundamentale Umfeld spricht für eine anhaltende Schwäche des EUR/USD. Die Charttechnik bestätigt diese Einschätzung. Im Vier-Stunden-Chart notiert das Währungspaar unter allen Ichimoku-Linien, die ein bärisches „Parade der Linien“-Signal liefern. Der Kurs ist zudem unter das untere Band der Bollinger Bands gefallen, was eine Präferenz für Short-Positionen signalisiert. Das nächste Abwärtsziel liegt bei 1,1590, der Unterkante der täglichen Ichimoku-Kumo-Wolke.
Handelshinweis: Käufer müssen 1,1660 zurückerobern, um 1,1680 ins Visier zu nehmen. Ein Ausbruch darüber könnte den Weg Richtung 1,1705 öffnen und mit weiterem Momentum und Unterstützung institutioneller Akteure einen Vorstoß in Richtung 1,1725 ermöglichen. Auf der Unterseite ist mit nennenswertem Kaufinteresse erst im Bereich von etwa 1,1630 zu rechnen. Bleiben dort Gebote aus, könnte es ratsam sein, auf ein neues Tief um 1,1610 zu warten oder Long-Positionen im Bereich von etwa 1,1590 zu erwägen.
