
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels wird West Texas Intermediate (WTI) Rohöl bei 103,72 US‑Dollar gehandelt, ein Tagesplus von 1,19 % und der vierte aufeinanderfolgende Anstieg. Die Märkte stützen die Preise weiterhin, selbst angesichts von Anzeichen einer vorübergehenden Entspannung der Lage im Nahen Osten, da Marktteilnehmer nach wie vor an der „geopolitischen Risikoprämie“ interessiert sind, die mit potenziellen Angebotsunterbrechungen verbunden ist.
Der Anstieg der Rohölpreise könnte sich jedoch verlangsamen, nachdem der US‑Präsident Donald Trump am Montag angekündigt hat, den geplanten Militärschlag gegen den Iran auszusetzen. Diese Entscheidung erfolgte nach Appellen der Staats- und Regierungschefs von Katar, Saudi‑Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zur Deeskalation in der Region.
Trump betonte, dass derzeit ernsthafte Verhandlungen mit Teheran im Gange seien, warnte jedoch zugleich, dass die USA bereit seien, eine großangelegte Militäraktion zu starten, falls diese Gespräche scheitern. Diese Haltung sorgt weiterhin für Nervosität an den Energiemärkten, da die jüngste Eskalation der Spannungen zwischen Washington und Teheran zu deutlichen Preissteigerungen geführt hat.
Sorgen im Zusammenhang mit der Straße von Hormus stützen den Markt zusätzlich. Diese strategisch wichtige Wasserstraße ist eine Schlüsselroute für die weltweiten Ölströme, während das iranische Atomprogramm und die Sanktionen weiterhin erhebliche Hindernisse für das Zustandekommen eines langfristigen Abkommens darstellen.
Auf der Nachfrageseite hat Indien eine Erhöhung der Benzin- und Dieselpreise um 87 bzw. 91 Paise pro Liter angekündigt, um Verluste auszugleichen, die durch die gestiegenen globalen Ölpreise verursacht wurden. Da Indien der drittgrößte Ölimporteur der Welt ist, verfolgen Anleger die Nachfrageentwicklung in dem Land sehr aufmerksam.
Bankanalysten verweisen weiterhin auf langfristige Risiken fallender Preise. Rabobank weist darauf hin, dass eine zunehmende Fragmentierung des Ölmarktes den Preisen künftig zusetzen könnte, insbesondere nach dem Austritt der VAE aus OPEC. Unterdessen betont ING, dass der Markt äußerst anfällig für Nachrichten in Bezug auf den Iran und globale Angebotsrisiken bleibt.
Aus technischer Sicht liegt das nächste Kursziel für Öl bei 105,00 US‑Dollar. Wird dieses Niveau überschritten, stellt der Bereich von 107,00–107,20 US‑Dollar den nächsten Widerstand dar. Öl notiert über wichtigen gleitenden Durchschnitten. Die Oszillatoren sind positiv, wodurch die Bullen im Vorteil sind und der Weg des geringsten Widerstands nach oben weist.
