
Das Währungspaar EUR/USD setzte seinen Rückgang am Dienstag fort, erneut getrieben von geopolitischen Faktoren. Zur Erinnerung: Am Montag sickerte die Nachricht durch, dass das Weiße Haus bereit sei, Iran einige Zugeständnisse zu machen und sogar vorübergehend alle Sanktionen im Zusammenhang mit iranischem Öl aufzuheben. Kurz darauf gab Donald Trump bekannt, dass neue Angriffe auf Iran für einige Zeit verschoben würden, nachdem die Staats- und Regierungschefs von Katar, Saudi-Arabien und den VAE ihn gedrängt hatten, den Krieg gegen Iran nicht wieder aufzunehmen. Nach Angaben von Donald Trump gehen diese Länder davon aus, dass in naher Zukunft ein Abkommen mit Iran möglich sein könnte und dass eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten die Diplomatie nur behindern würde.
Am Dienstag deutete der amerikanische Präsident jedoch erneut mögliche Angriffe an, falls kein Abkommen unterzeichnet werde. So gelingt es Trump täglich, sowohl optimistische Nachrichten als auch neue Drohungen zu verbreiten. Der Markt ist gezwungen zu reagieren – wenn schon nicht auf jede einzelne Meldung, dann doch auf jede zweite, da sie sich abwechseln. Wir beobachten weiterhin „Achterbahnbewegungen“ am Markt.
Händler können nur darüber spekulieren, wie die Verhandlungen vorankommen. Offizielle Informationen wurden der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung gestellt. Informationen müssen aus verschiedenen Insiderquellen herausgefiltert werden, von denen die meisten banale „Leaks“ sein könnten. So hat Trump etwa mehrere vertrauliche und exklusive Interviews an Axios gegeben. Doch wodurch unterscheidet sich die über Axios verbreitete Information von der, die direkt vom US-Präsidenten kommt? Genau genommen durch nichts. Im ersten Fall handelt es sich um „Insiderinformationen“, im zweiten um offizielle Aussagen. Aber worin liegt für Händler der Unterschied, wenn keine der beiden Varianten durch Beweise untermauert wird?
Unserer Ansicht zeigt Trump weiterhin psychologischen Druck auf Iran durch ständige Wendungen in seiner Rhetorik. Teheran reagiert auf die jüngsten Drohungen aus dem Weißen Haus nicht mehr. Fasst man alle eingehenden Informationen zusammen und berücksichtigt zudem, dass nach wie vor ein Waffenstillstand besteht, ist es wahrscheinlich, dass tatsächlich Verhandlungen stattfinden. Wie nah die Parteien jedoch einem Abkommen gekommen sind, bleibt unklar.
Zudem geht aus den Informationen aus Iran und den USA hervor, dass der Weg bis zu einem Deal noch weit ist. Die Forderungen Teherans und Washingtons unterscheiden sich erheblich. Daher ist nicht ersichtlich, welche Art von Abkommen in den kommenden Tagen überhaupt auf dem Tisch liegen könnte. Offenbar versteht das auch der Markt nicht so recht, denn die Nachfrage nach der US-Währung bleibt relativ hoch. Selbst wenn der Krieg nicht wieder aufflammt, wird ein langwieriger, stagnierender Konflikt dennoch einen weiteren Preisschub bei Energie auslösen. Die strategischen Ölreserven weltweit, einschließlich in den USA, gehen zurück, während die USA darauf abzielen, erheblich von der Blockade der Straße von Hormus zu profitieren. Dabei scheint man jedoch vergessen zu haben, dass steigende Exporte höhere Fördermengen bei Öl erfordern.
Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD in den letzten fünf Handelstagen beträgt zum 20. Mai 57 Pips und wird als „durchschnittlich“ eingestuft. Wir erwarten, dass sich das Paar am Mittwoch zwischen den Niveaus 1,1540 und 1,1654 bewegt. Der obere Kanal der linearen Regression hat nach oben gedreht, was auf einen Trendwechsel hin zu einem bullischen Trend hindeutet. Tatsächlich könnte der Aufwärtstrend des Jahres 2025 bereits vor einem Monat wieder eingesetzt haben. Der CCI-Indikator ist in den überkauften Bereich eingetreten und hat zwei „bärische“ Divergenzen ausgebildet, was auf den Beginn einer Abwärtskorrektur hinweist, die weiterhin anhält.
Nächste Unterstützungsniveaus:
- S1 – 1,1597
- S2 – 1,1536
- S3 – 1,1475
Nächste Widerstandsniveaus:
- R1 – 1,1658
- R2 – 1,1719
- R3 – 1,1780
Handelsempfehlungen:
Das EUR/USD-Paar setzt seine Abwärtsbewegung fort, die als Korrektur innerhalb eines größeren globalen Aufwärtstrends betrachtet wird. Das globale fundamentale Umfeld für den Dollar bleibt äußerst negativ, und nur geopolitische Faktoren sorgen regelmäßig für Unterstützung. Solange sich der Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt befindet, können Short-Positionen mit Kurszielen bei 1,1540 und 1,1536 in Betracht gezogen werden. Oberhalb der Linie des gleitenden Durchschnitts sind Long-Positionen mit Zielen bei 1,1780 und 1,1841 relevant. Der Markt entfernt sich zunehmend von geopolitischen Faktoren, jedoch war die letzte Woche für den Euro enttäuschend. Wir rechnen derzeit nicht mit einem stärkeren Rückgang, doch niemand weiß, wie sich die Beziehungen zwischen dem Iran und den USA von hier aus entwickeln werden.
Erläuterungen zu den Abbildungen:
- Lineare Regressionskanäle: Helfen, den aktuellen Trend zu bestimmen. Zeigen beide in dieselbe Richtung, weist dies auf einen starken Trend hin.
- Linie des gleitenden Durchschnitts (Einstellungen 20,0, smoothed): Bestimmt den kurzfristigen Trend und die Richtung, in die gehandelt werden sollte.
- Murray-Level: Zielniveaus für Bewegungen und Korrekturen.
- Volatilitätsniveaus (rote Linien): Wahrscheinlicher Preiskanal, in dem das Paar sich in den kommenden Tagen auf Basis der aktuellen Volatilitätskennzahlen bewegen wird.
- CCI-Indikator: Sein Eintritt in die überverkaufte Zone (unter -250) oder in die überkaufte Zone (über +250) signalisiert, dass eine Trendumkehr in die entgegengesetzte Richtung bevorsteht.
