Der US-Dollar ist eingebrochen, nachdem Berichte die Runde machten, dass die Gespräche zwischen den USA und Iran in die entscheidende Phase eingetreten sind. Doch entspricht das wirklich der Realität, oder handelte es sich erneut um einen „Leak“, der Märkte und Händler zu Reaktionen auf die Aussagen veranlasst hat?

Gestern berichteten mehrere angesehene US‑Medien – die NYT, CBS und Axios – unter Berufung auf offizielle Quellen, dass ein Rahmenabkommen zu etwa 95 % fertig sei. Außenminister Marco Rubio bestätigte am 24. Mai ebenfalls erhebliche Fortschritte und skizzierte erstmals öffentlich die Konturen eines möglichen Deals.
Den vorliegenden Informationen zufolge soll die Straße von Hormus für 60 Tage ohne Durchfahrtsgebühren geöffnet werden – eine Klausel, die in den vergangenen Wochen zu den wichtigsten Streitpunkten gehörte. Ihre Aufnahme in das Rahmenabkommen wäre ein substanzieller Durchbruch. Parallel dazu wird ein Mechanismus diskutiert, über den Iran angereichertes Uran abgeben soll – das konkrete Format wird noch abgestimmt, doch allein die Tatsache, dass diese Frage inzwischen auf der technischen Ebene verhandelt wird, spricht Bände. Die Gespräche über die Aufhebung von Sanktionen und die Freigabe iranischer Vermögenswerte, die seit 2018 eingefroren sind, laufen auf einer separaten Schiene.
Interessant ist, dass Irans Führung dem Vernehmen nach einem groben Entwurf des Abkommens zugestimmt hat. Noch handelt es sich allerdings nur um Gerüchte, die in den Medien kursieren. Für Trader ist dies jedoch entscheidend: Alle bisherigen Verhandlungsrunden scheiterten letztlich daran, dass die oberste Führung Irans nicht bereit war, konkrete Zugeständnisse zu autorisieren. Sollte sich die Information bestätigen, würde dies bedeuten, dass sich der Deal von diplomatischen Manövern hin zu technischen Einzelheiten verlagert hat – ein völlig anderes Niveau der Bereitschaft.
Für die Märkte sind die Nachrichten erwartungsgemäß auf mehreren Ebenen positiv. Der Ölpreis erhält einen deutlichen Abwärtsimpuls – die Öffnung der Straße von Hormus würde Millionen im Persischen Golf blockierte Barrel wieder auf den Markt bringen, und eine Aufhebung der Sanktionen gegen Iran könnte mittelfristig mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag zusätzlich liefern. Niedrigere Ölpreise dämpfen wiederum den Inflationsdruck – und das verändert die Kalkulation für Fed und EZB, die in den vergangenen Monaten auch aufgrund des Energieschocks ernsthaft über Zinserhöhungen diskutiert haben. Risikowährungen und Risikoanlagen sollten ebenfalls wieder in den Aufwärtsmodus übergehen. Solange die finalen Unterschriften jedoch fehlen, bleibt das Ganze im Wartemodus – gerade die verbleibenden 5 % der Details waren bei Nuklearabkommen historisch gesehen am schwierigsten.
Wie bereits erwähnt, spielten diese Meldungen Risikoanlagen am Devisenmarkt in die Hände.
EUR/USD – technische Einschätzung
Käufer müssen sich nun darauf konzentrieren, die Marke von 1,1650 zu überwinden. Erst dann eröffnet sich Potenzial für einen Test von 1,1680. Von dort aus kann ein Anstieg in Richtung 1,1700 versucht werden, was ohne Unterstützung großer Marktteilnehmer jedoch schwierig sein dürfte. Das fernste Ziel ist das Hoch bei 1,1721. Auf der Unterseite rechne ich erst im Bereich von 1,1635 mit ernsthaften Käufen. Bleiben dort Gebote aus, wäre es besser, auf ein neues Tief bei 1,1610 zu warten oder Long‑Positionen ab 1,1585 zu eröffnen.
GBP/USD – technische Einschätzung
Pfund‑Käufer müssen den nahe gelegenen Widerstand bei 1,3490 überwinden. Erst danach rückt 1,3530 als Ziel in den Fokus; ein Durchbruch darüber dürfte jedoch recht schwierig werden. Das fernste Ziel liegt im Bereich von 1,3560. Auf der Unterseite werden die Bären versuchen, die Kontrolle über 1,3445 zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne die Position der Bullen deutlich schwächen und GBP/USD in Richtung des Tiefs bei 1,3390 drücken, mit der Perspektive einer Ausweitung bis 1,3345.
