Das Wellenmuster im 4‑Stunden-Chart für EUR/USD hat sich etwas verändert. Vom Abbruch des seit Januar letzten Jahres laufenden Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) kann zwar weiterhin keine Rede sein, doch die Trendstruktur wirkt mittlerweile korrektiv. Langfristig ist mit der Ausbildung einer Welle C zu rechnen, deren Tief vermutlich unter dem Tief der Welle A liegen wird. In der aktuellen Marktphase fällt es zwar schwer, an einen derart starken Rückgang des Euro zu glauben, doch das erste Quartal 2026 hat gezeigt, dass die Geopolitik zu drastischen Veränderungen führen und bestehende Trends drehen kann.
In der niedrigeren Zeitebene lässt sich eine klassische, dreiteilige bullische Korrekturstruktur erkennen. Nach deren Abschluss begann sich ein neues Abwärtssegment auszubilden, das logischerweise die Form einer Impulswelle annehmen sollte. Trifft diese Annahme zu, wäre im Rahmen der übergeordneten Welle C mit der Ausbildung einer fünfteiligen Struktur zu rechnen, mit Zielen unterhalb der Marke von 1,1400. Gibt es fundamentale Gründe, eine derart starke Aufwertung des US-Dollars zu erwarten? Meiner Ansicht nach derzeit nicht. Die vergangene Woche hat gezeigt, dass Teheran und Washington ihre Verhandlungen fortsetzen, die theoretisch erfolgreich enden könnten. Solange diese Chancen bestehen, dürfte es dem Dollar schwerfallen, seine Aufwertung fortzusetzen.
Das Währungspaar EUR/USD legte am Montag um 40 Basispunkte zu, wobei der Großteil der Bewegung innerhalb der ersten Handelsstunde nach der Markteröffnung am Wochenanfang stattfand. Die Gründe für den starken Anstieg des Euro (oder genauer gesagt für den Rückgang des Dollars) liegen auf der Hand. Am Wochenende erklärte Donald Trump, dass ein Interimsabkommen mit dem Iran praktisch ausverhandelt sei, was bedeuten würde, dass die Straße von Hormus bald wieder geöffnet werden könnte. Vor diesem Hintergrund überrascht die gestiegene Risikobereitschaft an den Märkten nicht.
Ich möchte jedoch einen anderen Aspekt hervorheben – nämlich wie schwach die EUR/USD‑Rallye am Montag tatsächlich ausgefallen ist.
Wenn die Marktteilnehmer Trumps Aussagen wirklich vertrauen, warum fiel der Rückgang des Dollars dann so begrenzt aus? Den Äußerungen zufolge steht das Abkommen praktisch vor der Unterzeichnung, die Straße von Hormus soll gewissermaßen eine „zweite Geburt“ erleben, und der Konflikt im Nahen Osten scheint sich dem Ende zu nähern. Genau darin liegt der Punkt: Die Marktreaktion auf Trumps Aussagen am Montag zeigt ein sehr niedriges Vertrauen in seine Worte.
Mit anderen Worten: Der Markt glaubt nicht daran, dass das Abkommen bereits „zu 95 % fertig“ ist – ungeachtet dessen, was anonyme Insider behaupten mögen. Zudem ist der Montag inzwischen da, der Sonntag verstrichen, und aus dem Iran gibt es keine Bestätigung von Trumps Aussagen. Wenn alle wesentlichen Streitpunkte zwischen Teheran und Washington tatsächlich ausgeräumt wären, was hindert die Verantwortlichen dann daran, offen zu verkünden, dass ein Abkommen kurz bevorsteht?
Meiner Einschätzung nach stellen Trumps Äußerungen vom Wochenende einen weiteren Versuch dar, psychologischen Druck auf den Iran auszuüben, und gleichzeitig den Versuch, Wunschdenken als Realität zu verkaufen. Sollten die Verhandlungen erneut scheitern, kann Trump später behaupten, er habe alles Menschenmögliche getan und das Abkommen sei praktisch fertig gewesen, doch der Iran habe den Vorschlag der USA in letzter Minute zurückgewiesen. Mit anderen Worten: Diese optimistische Rhetorik des US-Präsidenten dient als eine Art politische Versicherung, falls am Ende kein Abkommen zustande kommt.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage der EUR/USD‑Analyse komme ich zu dem Ergebnis, dass sich das Paar weiterhin in einem Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) befindet, während es kurzfristig in einer korrektiven Struktur verläuft. Die korrektive a‑b‑c‑Wellenstruktur wirkt abgeschlossen. Demnach setzt sich derzeit Welle 3 oder c fort, die selbst Teil der Welle C werden könnte. Die gesamte Welle C könnte (falls die aktuelle Zählung korrekt ist) deutlich unterhalb des Niveaus von 1,1400 enden. Ein solches Szenario würde allerdings eine starke geopolitische Unterstützung erfordern. Andernfalls könnte die Abwärtsbewegung lediglich die Form einer a‑b‑c‑Korrektur annehmen und in der Nähe des Niveaus von 1,1578 auslaufen.
In der höheren Zeitebene ist weiterhin ein Aufwärtstrendsegment erkennbar, an das sich die Ausbildung einer korrektiven Wellenstruktur anschließt. In naher Zukunft wird die Entwicklung der Welle C mit Zielen im Bereich von 1,1352 erwartet, was dem 38,2%‑Fibonacci‑Retracement entspricht. Nach Abschluss der A‑B‑C‑Struktur könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Zentrale Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar bleiben. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und werden häufig revidiert.
- Wenn keine ausreichende Sicherheit über die aktuelle Marktsituation besteht, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.
- Es kann niemals absolute Gewissheit über die Marktrichtung geben. Verwenden Sie daher immer schützende Stop-Loss‑Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.

