
Am Freitag zieht Gold (XAU/USD) zum zweiten Tag in Folge Käufer an und setzt damit seine Erholung fort, nachdem es in der vorangegangenen Sitzung auf den niedrigsten Stand seit dem 27. März gefallen war. Während der europäischen Handelssitzung kletterte das Edelmetall auf das Niveau von 4.515 USD, nahe der 9‑Tage‑Exponential Moving Average (EMA).
Das weitere Aufwärtspotenzial scheint jedoch begrenzt, da die Marktteilnehmer auf neue Entwicklungen in Bezug auf ein mögliches Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran warten. Laut Axios, das sich auf zwei US‑Beamte beruft, haben sich die Parteien auf einen Entwurf geeinigt, der die derzeitige Waffenstillstandsregelung um weitere 60 Tage verlängert. Dies hat die Sorge vor länger anhaltenden Störungen der Ölversorgung in der Region gemildert und die Ölpreise in der Nähe von Einmonatstiefs gehalten, was wiederum die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik dämpft.
Zudem belastet die verbesserte Marktstimmung den US‑Dollar, was die Nachfrage nach Gold zusätzlich stützt.
Gleichzeitig bedarf das vorgeschlagene Friedensabkommen noch der endgültigen Zustimmung des US‑Präsidenten Donald Trump. Darüber hinaus bleiben die Anleger angesichts der erheblichen Differenzen zwischen den Parteien in Bezug auf das iranische Atomprogramm und die Kontrolle der Straße von Hormus skeptisch, was die Aussichten auf eine Lösung des seit drei Monaten andauernden Konflikts angeht. Das Risiko einer erneuten Eskalation begrenzt nach wie vor den Optimismus an den Märkten. Dies könnte dazu beitragen, eine weitere Schwäche des US‑Dollars zu verhindern und zugleich das Aufwärtspotenzial für Gold zu begrenzen.
Zusätzliche Vorsicht unter US‑Dollar‑Verkäufern ergibt sich aus der anziehenden Inflation in den Vereinigten Staaten, die mit dem schnellsten Tempo seit drei Jahren steigt, was vor allem auf höhere Energiepreise im Zuge des Konflikts im Nahen Osten zurückzuführen ist. Nach Daten des Bureau of Economic Analysis (BEA) vom Donnerstag stieg der Preisindex für Personal Consumption Expenditures (PCE) im April im Jahresvergleich auf 3,8 % nach 3,5 % im Vormonat. Der Kern‑PCE‑Wert, der volatile Komponenten wie Nahrungsmittel und Energie ausklammert, legte um 3,3 % zu und entsprach damit den Markterwartungen.
Die Veröffentlichung dieser Zahlen hat die Erwartungen untermauert, dass die Federal Reserve die Leitzinsen länger auf einem erhöhten Niveau halten muss, um der nachlassenden konjunkturellen Dynamik entgegenzuwirken. Vorläufige Schätzungen zeigten, dass das US‑BIP im ersten Quartal 2026 auf annualisierter Basis um 1,6 % gewachsen ist und damit unter der ursprünglichen Schätzung von 2,0 % lag.
Dennoch halten Marktteilnehmer nach wie vor eine weitere Straffung der Geldpolitik für möglich. Laut dem FedWatch Tool der CME Group wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve um 25 Basispunkte im Jahr 2026 derzeit auf rund 50 % geschätzt. Dies begrenzt die Bereitschaft der Anleger, sich aggressiv auf eine weitere Schwäche des US‑Dollars zu positionieren oder umfangreiche Long‑Positionen in Gold aufzubauen.
Aus technischer Sicht zeigte XAU/USD am Donnerstag unterhalb der wichtigen 200‑Tage‑Simple Moving Average (SMA) Widerstandskraft und erholte sich von diesem Niveau. Die Oszillatoren befinden sich weiterhin im negativen Bereich, was darauf hindeutet, dass die Bären am Markt nach wie vor im Vorteil sind. Die Notierungen liegen zudem unterhalb der 50‑Tage‑ und 20‑Tage‑SMAs, was die vorherrschende Abwärtsneigung bestätigt.
Es ist jedoch bemerkenswert, dass Gold nicht unter die 200‑Tage‑SMA gefallen ist, was darauf schließen lässt, dass die Bullen diese Unterstützungszone weiterhin verteidigen und die Chance behalten, wieder an Momentum zu gewinnen.
