
Der US‑Dollar legte kräftig zu, nachdem der Arbeitsmarktbericht für Mai deutlich besser ausfiel als erwartet und sich damit am vergangenen Freitag zu einem der wichtigsten Kurstreiber entwickelte.
Das Bureau of Labor Statistics meldete einen Anstieg der Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft um 172.000 Stellen, bei einem Konsens von 85.000 – also nahezu doppelt so viel wie prognostiziert. Die Arbeitslosenquote blieb stabil bei 4,3 %, und die Erwerbsquote verharrte bei 61,8 %.
Die Struktur des Berichts ist ebenso interessant wie die Endzahl. Der Haupttreiber war der Bereich Freizeit und Gastgewerbe, der 70.000 neue Stellen schuf – so viele wie seit über drei Jahren nicht mehr. Auch das Gesundheitswesen, die soziale Betreuung sowie die Kommunalverwaltungen trugen erheblich zum Zuwachs bei. Bemerkenswert ist zudem, dass sowohl im Nichtwohnungsbau als auch im verarbeitenden Gewerbe Beschäftigungsaufbau zu verzeichnen war. Experten führen dies auf einen Investitionsboom rund um die AI‑Infrastruktur zurück: Der Bau von Rechenzentren und die Produktion der dazugehörigen Ausrüstung schaffen Arbeitsplätze weit über die enge Definition des Technologiesektors hinaus.
Für die Federal Reserve ist dieser Bericht ein äußerst unbequemes Geschenk. Die Notenbank agiert bereits vor dem Hintergrund einer Inflationsrate von 3,8 % auf Basis des PCE‑Index – dem höchsten Stand seit 2023. Nun kommt ein Arbeitsmarkt hinzu, der ganz offensichtlich keiner zusätzlichen Stimulierung bedarf. Händler haben eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bis zum Jahresende vollständig eingepreist; die Wahrscheinlichkeit eines Schritts im Oktober wird auf rund 60 % geschätzt.
Zu beachten ist, dass ein starker Arbeitsmarkt derzeit positiv für die Realwirtschaft, aber negativ für die Finanzmärkte ist. Je robuster die Beschäftigung, desto weniger Anlass hat die Fed, ihre Geldpolitik zu lockern, und desto länger werden die Zinsen auf hohem Niveau bleiben.
Für den Dollar wirkt das stützend. Deshalb ist der Bericht, der unter anderen Umständen mit Begeisterung aufgenommen worden wäre, im aktuellen Umfeld zu einer „kalten Dusche“ geworden. Nun richten sich alle Blicke auf die Fed‑Sitzung am 16.–17. Juni – die erste unter Kevin Warsh –, bei der die Märkte klare Signale erwarten, welchen Kurs die Notenbank künftig einschlagen wird.
