Bank of America hat eine Warnung herausgegeben, die man ernst nehmen sollte – insbesondere nach dem Kurssturz, der Ende letzter Woche verzeichnet wurde.
Dem Bericht zufolge sollten Anleger bei Aktien einige Gewinne sichern, da sich am Markt zu viele alarmierende Signale angesammelt haben, um sie weiter zu ignorieren.

Die Hauptsorge von BofA sind nicht sinkende Gewinne, sondern vielmehr das Ausbleiben einer Rezession. Das Problem ist struktureller Natur: Das Wachstum des S&P 500 stützt sich zunehmend auf eine kleine Gruppe von Unternehmen. Ende Mai schlossen nur 20 von 500 Unternehmen auf historischen Höchstständen. Das ist eine katastrophal geringe Marktbreite – ein Muster, das auch auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase im Jahr 2000 zu beobachten war. Wenn der Index steigt, die Mehrheit der Aktien jedoch nicht an diesem Anstieg teilnimmt, handelt es sich nicht im vollen Sinne um einen Bullenmarkt, sondern eher darum, dass einige wenige große Namen den gesamten Index nach oben ziehen.
Im Mai traten zwei zusätzliche Risiken zutage. Der Energiesektor hat den Rest des Marktes deutlich übertroffen, und BofA erkennt Parallelen zum Februar 2020, kurz vor dem COVID-Crash. Damals fiel der Energiesektor ebenfalls aus dem Gesamtbild heraus und signalisierte versteckte Spannungen in der Wirtschaft. Das zweite neue Signal, das im Bericht hervorgehoben wird, ist die Schwäche defensiver Konsumwerte. Der Sektor der Basiskonsumgüter ist zum schwächsten Sektor geworden, obwohl solche Phasen historisch oft einem Umschwung zugunsten defensiver Werte vorausgehen – wenn Investoren von Wachstum zu Qualität umschichten.
Der Technologiesektor und Kommunikationsdienste bleiben die heißesten Bereiche des Marktes; allerdings wirken die Bewertungen dort bereits teuer, selbst unter optimistischen Gewinnprognosen. Nachdem Broadcom in der vergangenen Woche die Anleger enttäuschte und eine Verkaufswelle auslöste, wurde klar: Die AI-Story trägt zwar weiterhin, aber die Toleranz gegenüber jeglichen Abweichungen von den überhöhten Erwartungen ist deutlich gesunken.
Bemerkenswert ist, dass die Warnung von BofA just in dem Moment kommt, in dem sich der Markt von dem Einbruch erholt und Anleger wieder beginnen, den Dip zu kaufen. Das ist kein Zufall – die Bank warnt im Kern davor, dass die Erholung eine Falle für jene sein könnte, die zu schnell in den Markt zurückkehren. Am Horizont stehen der US-CPI für Mai am Mittwoch, die Sitzung der Federal Reserve am 16.–17. Juni sowie anhaltende geopolitische Unsicherheit rund um Iran. Die Kombination aus hoher Inflation, einer möglichen Zinserhöhung und einem engen Marktumfeld bietet keinen komfortablen Hintergrund für Käufe in der Nähe historischer Höchststände.
