Bitcoin und Ethereum setzen ihre Talfahrt fort und zeigen keinerlei Versuch, sich auch nur leicht zu erholen. In der vergangenen Woche hat Bitcoin 17 % an Wert verloren, während Ethereum um 21 % gefallen ist. Über die Gründe für den erneuten Einbruch des Kryptomarktes lässt sich endlos diskutieren, doch wir haben in den vergangenen drei Monaten konsequent – unabhängig von geopolitischen Faktoren, Inflation oder Stimmungsänderungen bei der Federal Reserve – vor genau diesem Szenario gewarnt.
Unterdessen beharren Experten weiterhin darauf, dass Bitcoin sich am oder nahe dem „Boden“ befinde. Analysten verschiedener Häuser betonen, dass sich derzeit mehr als die Hälfte aller Bitcoin-Coins im Verlust befindet, was für sich genommen auf die Ausbildung eines „Bodens“ hindeute, da ähnliche Muster bereits 2011, 2018 und 2022 beobachtet wurden. In diesen Fällen markierte Bitcoin innerhalb eines Monats seinen zyklischen Tiefststand, verzeichnete zuvor noch weitere Rückgänge von 15–25 % und leitete anschließend eine „bullische“ Trendphase ein. Analysten verweisen außerdem darauf, dass Bitcoin auf die 200‑Tage‑Linie gefallen ist, die als Indikator für „bärische“ Zyklen gilt, und dass der Fear‑and‑Greed‑Index auf sein tiefstes Niveau abgesackt ist. All dies „weise auf die Nähe des Endes des Abwärtstrends hin“.
Uns überzeugen derartige Schlussfolgerungen und Prognosen nicht. Was hindert Institutionen daran, weiterhin Kapital in den KI‑Sektor umzulenken? Was hindert Teheran und Washington daran, den Krieg noch mehrere Monate oder Jahre fortzusetzen? Was sollte verhindern, dass die Inflation in den USA weiter steigt und die Fed sich nicht nur auf eine geldpolitische Straffung im Jahr 2026, sondern auf mehrere vorbereiten muss? Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass historische Modelle irgendwann nicht mehr funktionieren. Üblicherweise hat Bitcoin im ersten Jahr nach einem „Halving“ deutlich zugelegt, doch 2025 hat dieses Muster seine Gültigkeit verloren. Bitcoin kann nicht unbegrenzt steigen. Wir sind keine Gegner eines neuen Aufwärtstrends, halten die angeführten Begründungen jedoch für den Versuch, Wunschdenken als Realität zu verkaufen. Viele Experten sind selbst in die führende Kryptowährung investiert und damit interessengeleitet. Für Kathy Wood oder – noch stärker – Michael Saylor ist es beispielsweise vorteilhaft, wenn Bitcoin ausschließlich im Wert steigt. Damit dies geschieht, müssen sie andere Marktteilnehmer von der Unvermeidbarkeit weiterer Kursgewinne überzeugen, sie so zum Kaufen statt zum Verkaufen bewegen und damit einen neuen bullischen Impuls auslösen.
Handelsempfehlungen für BTC/USD:
Im Tageschart hat Bitcoin wieder mit der Ausbildung eines Abwärtstrends begonnen. Die Struktur des Trends ist als abwärtsgerichtet einzustufen, und die CHOCH‑Linie wurde auf 82.800 USD verschoben, da ein neues LL (Lower Low) gebildet wurde. Erst oberhalb dieses Niveaus kann davon ausgegangen werden, dass der Abwärtstrend beendet ist. Da bislang keinerlei Signale für eine Trendumkehr nach oben vorliegen, gehen wir von einer Fortsetzung des Rückgangs aus. Im Bereich 68.000–70.700 USD hat sich ein neues bärisches FVG gebildet. Bei Bedarf lassen sich während des aktuellen Rückgangs von Bitcoin noch weitere FVG identifizieren, doch dieses ist das offensichtlichste. Innerhalb dieses Musters können sich künftig neue Verkaufssignale herausbilden.
Handelsempfehlungen für ETH/USD:
Im Tageschart setzt sich die Ausbildung eines Abwärtstrends fort, der im August des vergangenen Jahres begonnen hat. Das zentrale Verkaufsmuster war und bleibt ein bärischer Order Block im Wochentimeframe. Wie bereits zuvor angemerkt, kann die durch dieses Signal ausgelöste Bewegung stark und lang anhaltend sein. Wir gehen nicht davon aus, dass sie bereits beendet ist, da sich bei weder Bitcoin noch Ethereum Anzeichen für ein Ende des Abwärtstrends zeigen. In naher Zukunft könnte Ethereum den Rückgang wieder aufnehmen, mit Zielbereichen bei 1.391 und 788 USD. Mit einer Aufwärtskorrektur ist zu rechnen, wenn sich zumindest ein bullisches Muster oder andere Anzeichen einer Kurserholung nach oben auf mindestens dem 4‑Stunden‑Chart ausbilden. Unter den neuen POI‑Zonen für Short‑Positionen ist das FVG im Bereich 1.624–1.720 USD hervorzuheben. Wird dieses Muster ignoriert, erhalten Trader ein Signal für eine Korrektur.
Anmerkungen zu den Illustrationen:
- CHOCH – Veränderung der Trendstruktur.
- Liquidity – Stop‑Loss‑ und Pending‑Orders, die von Market Makern zur Positionsaufbau genutzt werden.
- FVG – Fair Value Gap. In solchen Bereichen bewegt sich der Kurs sehr schnell, was auf das vollständige Fehlen einer Marktseite hinweist. In der Folge neigt der Kurs dazu, in diese Zonen zurückzukehren und dort im Sinne des Haupttrends zu reagieren.
- IFVG – Inverted Fair Value Gap. Nach der Rückkehr in einen solchen Bereich reagiert der Kurs nicht darauf, sondern durchbricht ihn impulsiv, bevor er ihn von der anderen Seite erneut testet.
- OB – Order Block. Eine Kerze, in der ein Market Maker eine Position eröffnet hat, um Liquidität zu akquirieren und dadurch eine eigene Position in die entgegengesetzte Richtung aufzubauen.


