„Buy the rumor, sell the fact.“ Die Anhebung des Einlagensatzes von 2 % auf 2,25 % auf der Juni-Sitzung der EZB war im EUR/USD-Wechselkurs bereits eingepreist. Dass die Europäische Zentralbank kein Signal für eine Fortsetzung des geldpolitischen Straffungszyklus gab, ermöglichte es den Tradern, Gewinne mitzunehmen, was zu einem Rückgang des wichtigsten Währungspaares führte.
Der Zinsschritt der EZB war nicht nur der erste seit 2023; er war auch das erste Mal, dass sie auf die Ölkrise im Nahen Osten mit einer Straffung der Geldpolitik reagierte. Christine Lagarde und ihre Kollegen entschieden sich für das kleinere Übel. Sie erinnerten sich an die politischen Fehler der Jahre 2008 und 2011, als eine zu früh eingeleitete Straffung der Geldpolitik sich als verfrüht herausstellte und anschließend Zinssenkungen erforderlich machte.
In den Jahren 2022–2023 war die Situation grundlegend anders. Der EZB-Rat zögerte zu lange mit der Straffung der Geldpolitik und ließ zu, dass die Verbraucherpreise auf über 10 % stiegen. Dieses Mal wollte die EZB kein Risiko eingehen. Lieber etwas tun als gar nichts tun.
Inflations- und Wirtschaftsprognosen der EZB

Die begleitende Stellungnahme und die aktualisierten Prognosen konnten die EUR/USD‑Anhänger nicht überzeugen. Die EZB hat ihre künftigen Beschlüsse von den Daten abhängig gemacht. Sie hat vermutlich ihre Inflationsschätzungen angehoben, während sie die Wachstumsprognosen für die Eurozone gesenkt hat. Dies zeichnet ein sogenanntes Stagflationsszenario und liefert den Nährboden für Uneinigkeit innerhalb der EZB. Die „Tauben“ werden eine Rezession fürchten, während die „Falken“ vor außer Kontrolle geratener Inflation warnen werden. Der fehlende Konsens macht den Ausblick für eine geldpolitische Straffung unklar.
Bloomberg‑Expertenprognosen zu den EZB‑Zinsen

Infolgedessen geraten die Einschätzungen des Terminmarkts und der Bloomberg-Experten zu den nächsten Schritten in Richtung geldpolitischer Straffung im Juli oder September nun ins Wanken. Der Euro verliert an Unterstützung und fällt. Wird das ausreichen, um die Abwärtsbewegung im EUR/USD-Paar wieder aufzunehmen?
Ich glaube nicht. Trotz der Drohungen von Donald Trump, die Bombardierungen im Iran wieder aufzunehmen, deuten Insiderinformationen von Reuters auf eine Wiederbelebung der Verhandlungen hin. Streitpunkte sind die Freigabe der westlichen Währungsreserven der Islamischen Republik, ihr Atomprogramm sowie der bewaffnete Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon. Judging by the reluctance of oil prices to rise, the parties are gradually moving closer to each other.

Ein möglicher Katalysator für einen stärkeren Euro könnten Retail- und institutionelle Anleger sein, die den Rücksetzer im S&P 500 zum Einstieg nutzen. Die Korrektur im breiten Aktienindex wurde durch temporäre Faktoren ausgelöst – Geopolitik, Befürchtungen einer Stagflation und Liquiditätsvorbehalte für den SpaceX-IPO. In allen Bereichen gibt es Hoffnungen auf eine positive Entwicklung, was Aktienkäufe begünstigen würde.
Technische Analyse
Aus technischer Sicht testet EUR/USD im Tageschart die Untergrenze der Fair-Value-Spanne von 1,1535–1,1680. Ein Rebound mit anschließendem Anstieg über 1,1560 und 1,1575 würde ein Kaufsignal liefern. Umgekehrt würde ein Durchbruch nach unten eine Verkaufsstrategie nahelegen.
