Während das Weiße Haus das Iran-Abkommen aktiv vorantreibt, verlieren der Euro, das Pfund und andere Risikoanlagen gegenüber dem Dollar an Boden, da mit jedem neuen Detail deutlicher wird, dass die Parteien die Vereinbarung nach wie vor unterschiedlich sehen.

Die Tatsache, dass der Text des Memorandum of Understanding bislang noch nicht veröffentlicht wurde, setzt die Märkte zusätzlich unter Druck. Die offizielle Unterzeichnung wurde auf Freitag, den 19. Juni, verschoben. Beim G7-Gipfel in Frankreich erklärte der Präsident, das Dokument könnte irgendwann nach Freitag zugänglich gemacht werden.
Der zentrale Widerspruch betrifft die Zahlung für die Passage durch die Straße von Hormus. Trump beharrt: „Sie wird offen und frei sein.“ Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet dagegen, Teheran habe nur für 60 Tage einer freien Passage zugestimmt und beabsichtige danach, Gebühren einzuführen. Das ist eine wesentliche Abweichung – gerade der Versuch, den Transit durch die Meerenge mitten in einem Krieg zu monetarisieren, hatte die Märkte in den vergangenen Wochen verunsichert. Sollte Iran nach zwei Monaten tatsächlich Gebühren erheben, wäre der gesamte Verhandlungsfortschritt gefährdet.
Die Libanon‑Schiene bleibt eine weitere Quelle der Unsicherheit. Israel setzt seine Operationen gegen die Hisbollah fort, und die US‑Seite hat erklärt, dass ein Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon keine Bedingung des Abkommens sei. Trump kommentierte: „Mit der Hisbollah müssen wir noch ein ernstes Wörtchen reden.“ Für die Märkte bedeutet das, dass einer der zentralen Spannungsherde, auf dessen Lösung Iran drängt, weiterhin ungelöst bleibt.
Das Weiße Haus verbreitet unterdessen Gesprächsleitfäden an Verbündete, in denen die Bereitschaft Trumps betont wird, Luftschläge wiederaufzunehmen, falls Iran die Bedingungen nicht erfüllt.
All dies hat den Marktoptimismus gedämpft, obwohl der Ölpreis bereits den vierten Tag in Folge fällt, die US‑Aktienindizes zulegen und Anleihen fester notieren. Reedereien, die die Straße von Hormus passieren, agieren vorsichtiger: Schifffahrtsunternehmen erklären, sie bräuchten mehr Klarheit, bevor sie Schiffe durch die Meerenge routen. Trumps Worte sind in der Branche bereits zuvor relativiert worden – ohne Veröffentlichung eines konkreten Textes mit klaren Sicherheitsgarantien bleibt eine vollständige Wiederherstellung des Verkehrs eher eine Frage von Wochen als von Tagen.
Vor diesem Hintergrund reagierte der Devisenmarkt rasch, verringerte die Nachfrage nach Risikoanlagen und stärkte den US‑Dollar auf breiter Front.
Der technische Ausblick für EUR/USD legt nahe, dass Käufer sich an der Marke von 1,1600 orientieren sollten. Deren Überwinden würde einen Test von 1,1620 ermöglichen. Von dort könnte das Paar 1,1645 erreichen, wobei ein Anstieg darüber hinaus ohne Unterstützung durch größere Marktteilnehmer schwierig wäre. Auf der Unterseite ist nur bei ausgeprägtem Kaufinteresse im Bereich von 1,1565 mit nennenswerten Aktivitäten großer Akteure zu rechnen. Bleibt diese Unterstützung aus, wäre es sinnvoll, auf ein neues Tief bei 1,1535 zu warten oder Long‑Positionen im Bereich von 1,1505 in Betracht zu ziehen.
Für GBP/USD gilt: Käufer des Pfund Sterling sollten zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 1,3415 überwinden, um 1,3440 ins Visier zu nehmen. Ein Anstieg über diese Marke hinaus dürfte sich als schwierig erweisen, mit einem weiteren Ziel bei 1,3460. Fällt das Paar, werden die Bären versuchen, bei 1,3385 die Kontrolle zu übernehmen. Ein entschiedener Bruch unter 1,3385 dürfte die Positionen der Bullen erheblich schwächen und GBP/USD in Richtung 1,3360 drücken, mit weiteren Abwärtsrisiken bis 1,3330.
