Den Käufern des Euro ist ein entscheidender Durchbruch in den Bereich um 1,16 nicht gelungen. Nachdem das Paar 1,1622 berührt hatte, fiel es zunächst an den Ausgangspunkt der Bewegung zurück und kehrte anschließend in die Spanne von 1,1510–1,1590 zurück, in der es bereits die gesamte letzte Woche gehandelt wurde. Der anfängliche Optimismus über die Einigung auf ein Rahmenmemorandum zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist inzwischen einer vorsichtigeren Haltung gewichen, da Marktteilnehmer begonnen haben, an der Beständigkeit der getroffenen Vereinbarungen zu zweifeln. Zudem haben die offenkundigen (oder besser gesagt anhaltenden) Divergenzen zwischen Washington und Teheran die EUR/USD-Käufer veranlasst, Gewinne mitzunehmen, wodurch der Aufwärtsimpuls des Paares allmählich abgeflaut ist.
Doch rechtfertigt das aktuelle Umfeld tatsächlich Short-Einstiege? Oder haben Long-Positionen weiterhin Vorrang? Das ist, wie man so schön sagt, eine Frage mit einem Sternchen.

Kurz gesagt erklärten die Vereinigten Staaten und der Iran am Sonntagabend, sie hätten sich auf ein Rahmenmemorandum geeinigt, das eine Einstellung der Feindseligkeiten und eine schrittweise Normalisierung der Lage rund um die Straße von Hormus vorsieht. Die formelle Unterzeichnung des Memorandums soll im Laufe dieser Woche in der Schweiz stattfinden – voraussichtlich am Freitag, den 19. Juni.
Vor diesem Hintergrund stieg an den Devisenmärkten das Interesse an Risikoanlagen, einschließlich des Euro. Doch als die Marktteilnehmer begannen, die Lage genauer zu bewerten, wich der anfängliche Optimismus einer zunehmenden Vorsicht.
Der Wortlaut der Vereinbarung ist bislang nicht offiziell veröffentlicht worden; aus durchgesickerten Informationen geht jedoch hervor, dass Washington und Teheran den Inhalt und die Umsetzung möglicherweise unterschiedlich interpretieren. Iranische Quellen berichten, dass das vereinbarte Memorandum zweistufig aufgebaut ist: In der ersten Stufe sind die Einstellung der Feindseligkeiten, die Wiederöffnung der Straße von Hormus sowie die Lockerung einiger Sanktionen vorgesehen; in der zweiten Stufe sollen Gespräche über das Atomprogramm und andere besonders schwierige, grundlegende Fragen geführt werden.
Gerade diese zweistufige Struktur bereitet den Händlern Sorgen. Die Hauptbefürchtung ist, dass die komplexesten Fragen auf später verschoben worden sind. Gleichzeitig sind die Aussagen von US-amerikanischen und iranischen Vertretern vage und teilweise widersprüchlich. Die Eckpunkte der Vereinbarung werden nur sehr begrenzt umrissen, und der Zeitplan für die Umsetzung der wichtigsten Bestimmungen bleibt unklar. Hinzu kommt das Risiko innenpolitischen Widerstands im Iran und unter den regionalen Verbündeten der USA, allen voran Israel, das bereits erklärt hat, nicht Vertragspartei der Vereinbarung zu sein.
Außerdem liegen heute Informationen vor, dass Reedereien den Transit durch die Straße von Hormus mehrere Wochen lang nicht wieder aufnehmen werden, bis sie von der Verlässlichkeit der Vereinbarung überzeugt sind. Der Chef des weltweit größten Tankerbetreibers, Mitsui O.S.K. Lines, erklärte, die Wiederherstellung der Schifffahrt könne mehrere Wochen bis mehrere Monate dauern, da es bereits mehrere Fehlstarts bei der Wiederöffnung der Wasserstraße gegeben habe. Nach Angaben der Financial Times sitzen rund 500 Schiffe im Persischen Golf fest und warten auf ihre Ausfahrt.
Mit anderen Worten: Die Marktteilnehmer haben den Sekt noch nicht kaltgestellt, sondern wägen weiterhin die Risiken eines Scheiterns der Vereinbarung und einer langwierigen Wiederherstellung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus ab.
Heißt das aber, dass Short-Positionen im EUR/USD derzeit Priorität haben? Meiner Ansicht nach: nein. Das aktuelle fundamentale Umfeld spricht nicht für eine nachhaltige Dollar-Stärke.
Zum einen wollen weder die Vereinigten Staaten noch der Iran zu umfassenden Kampfhandlungen zurückkehren. Donald Trump agiert mit Blick auf die bevorstehenden US-Zwischenwahlen zum Kongress, bei denen eine Eskalation außenpolitischer Risiken politische Kosten verursachen könnte, während die iranische Wirtschaft unter dem zunehmenden Druck eingeschränkter Schifffahrt und faktisch blockierter Hafenlogistik leidet. Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, dass die Islamischen Revolutionsgarden (die prominenteste hardliner-nahe Fraktion) einen für Sonntagnacht nach dem IDF-Angriff auf Beirut geplanten großen Raketenangriff auf Israel abgesagt haben. Das deutet darauf hin, dass Teheran unter den gegenwärtigen Bedingungen eher bestrebt ist, die erzielten Vereinbarungen zu festigen, als weiter zu eskalieren.
Darüber hinaus sind einige Analysten der Ansicht, dass die Struktur der vereinbarten Lösung tragfähig wirkt und nach dem Prinzip „erst Taten, dann Gespräche“ aufgebaut ist. Das betrifft in erster Linie das Schicksal der Straße von Hormus und die Wiederherstellung der Schifffahrt in der Region. Man darf auch nicht vergessen, dass die Staats- und Regierungschefs des Vereinigten Königreichs, Deutschlands, Frankreichs und Italiens signalisiert haben, bereit zu sein, eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran zu prüfen, sofern Teheran die Bedingungen der Vereinbarung erfüllt. Anders ausgedrückt: Das potenzielle Anreizvolumen in Form von Sanktionslockerungen und wirtschaftlicher Normalisierung übertrifft die möglichen Kosten einer erneuten Eskalation deutlich.
All dies spricht dafür, dass das Währungspaar EUR/USD trotz anhaltender Zweifel und vorherrschenden Skeptizismus weiterhin Aufwärtspotenzial besitzt. Daher bieten Rücksetzer nach Süden aus meiner Sicht gute Gelegenheiten, Long-Positionen zu eröffnen – mit dem ersten und vorerst einzigen Kursziel bei 1,1630. Auf diesem Niveau fällt am D1-Chart die Unterkante der Ichimoku-Kumo-Wolke mit der oberen Bollinger-Band-Linie im H4-Zeitrahmen zusammen.
