
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD wird zunehmend komplexer. Es gibt weiterhin keinen Grund, von einer Aufhebung des Aufwärtstrendsegments (im unteren Chart dargestellt) auszugehen, das im Januar des vergangenen Jahres begonnen hat. Allerdings hat die Trendstruktur inzwischen einen korrektiven Charakter angenommen. Aus langfristiger Sicht wird die Ausbildung der Welle C erwartet, deren Tief voraussichtlich unter dem Tief der Welle A liegen wird. Derzeit fällt es schwer, an einen derart starken Rückgang des Euro zu glauben, da der Konflikt im Nahen Osten beendet ist. Die Nachfrage nach dem US-Dollar bleibt jedoch erhöht, was bedeutet, dass sich die erwartete Welle C durchaus vollständig ausbilden kann.
Auf dem kleineren Zeitrahmen kann ich eine klassische fünfwellige bärische Struktur erkennen. Sobald diese Struktur abgeschlossen ist, könnte das Instrument in eine neue aufwärtsgerichtete Wellenfolge übergehen. In den letzten Tagen hat sich dieses Trendsegment allerdings weiter verkompliziert, mit einer uneindeutigen Binnenstruktur. Die Verkäufer haben den notwendigen Nachrichtenhintergrund erhalten, um den Druck auf das Instrument aufrechtzuerhalten.
Das Währungspaar EUR/USD veränderte sich am Freitag insgesamt nur wenig, da der Euro etwa in der ersten Tageshälfte weiter nachgab, sich später jedoch wieder erholte. Die neue Woche begann jedoch mit erneut anziehender Nachfrage nach dem US-Dollar. Die Gründe liegen selbst ohne genaue Verfolgung des Nachrichtengeschehens auf der Hand. Am Sonntagabend fand im Schweizer Kurort Bürgenstock die erste Verhandlungsrunde zwischen Iran und den Vereinigten Staaten statt. Es ist weiterhin unklar, welche konkreten Fragen bei dem Treffen erörtert wurden. Am Wochenende verhängte Teheran jedoch erneut eine Blockade der Straße von Hormus als Reaktion auf die anhaltenden israelischen Militäroperationen im Libanon. Iran erklärte, dass die Bedingungen des Memorandums of Understanding einen vollständigen Waffenstillstand für die gesamte Region, einschließlich Südlibanon, vorsahen. Daher sei das Abkommen nach Ansicht Teherans verletzt worden, was die erneute Blockade der Straße von Hormus erkläre.
Auf dem Höhepunkt der Verhandlungen drohte Donald Trump dem Iran mit neuen Militärschlägen, falls die Straße von Hormus nicht in naher Zukunft wieder geöffnet werde und Teheran sich weigere, ein Atomabkommen zu unterzeichnen. Der US-Präsident drohte außerdem, die Straße von Hormus unter amerikanische Kontrolle zu stellen. Es sei darauf hingewiesen, dass Militärexperten wiederholt erklärt haben, die Vereinigten Staaten seien nicht in der Lage, Harp Island einzunehmen, den Iran militärisch zu unterwerfen oder gar die Kontrolle über eine gesamte strategische Wasserstraße zu erlangen. Vor diesem Hintergrund erscheinen Trumps jüngste Drohungen eher als ein Druckmittel gegenüber Iran, das seine Wirksamkeit längst eingebüßt hat.
Medienberichten zufolge konzentrierten sich die Verhandlungen darauf, die Straße von Hormus offen zu halten und die Einhaltung des Waffenstillstands im Libanon zu überwachen. Bislang wurden keine konkreten Ergebnisse erzielt, während Teheran und Washington weiterhin widersprüchliche Erklärungen zum Status der Straße abgeben. So heißt es beispielsweise aus dem Weißen Haus, die Straße sei weiterhin geöffnet. Die angespannte Lage im Nahen Osten und die anhaltende Unsicherheit könnten die Nachfrage nach dem US-Dollar erneut erhöhen.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage der EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass sich das Paar weiterhin in einem übergeordneten Aufwärtstrendsegment befindet (im unteren Chart dargestellt), während es sich kurzfristig noch in einem Abwärtstrendsegment bewegt, das sich seinem Abschluss nähern könnte. Meiner Einschätzung nach könnte das aktuelle Umfeld eine Gelegenheit bieten, Long-Positionen in Betracht zu ziehen, auch wenn das Instrument im Rahmen der Welle C noch unter das Niveau von 1,1400 fallen kann. Sollte sich diese Annahme als richtig erweisen, könnte es sinnvoll sein, auf zusätzliche Bestätigungssignale zu warten. Darüber hinaus verschärfen sich die geopolitischen Spannungen erneut, was die Nachfrage nach dem US-Dollar zusätzlich stützen dürfte.
In den höheren Zeitrahmen ist weiterhin ein Aufwärtstrendsegment erkennbar, dem sich die Ausbildung einer korrektiven Wellenstruktur anschließt. Kurzfristig wird die Ausbildung der Welle C mit Zielen im Bereich von 1,1352 erwartet, was dem 38,2%-Fibonacci-Retracement-Level entspricht. Nach Abschluss der A-B-C-Korrekturstruktur könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Wichtige Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und werden häufig umgekehrt oder verändert.
- Wenn keine ausreichende Sicherheit bezüglich der Marktsituation besteht, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.
- Absolute Gewissheit über die Marktrichtung ist unmöglich. Verwenden Sie stets schützende Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse kann mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombiniert werden.

