Das Währungspaar USD/JPY ist nach einem starken und deutlichen Rückgang in der vergangenen Woche wieder auf das Niveau von 162 zurückgekehrt. Nachdem es ein 40‑Jahres‑Hoch von 162,86 erreicht hatte, fiel der Kurs innerhalb weniger Stunden um mehr als 250 Punkte als Reaktion auf Gerüchte über eine Währungsintervention. Die Situation wurde durch enttäuschende Nonfarm Payrolls (NFP) Daten verschärft, die den US-Dollar am gesamten Markt schwächten.

Insgesamt haben die Bewegungen von USD/JPY deutlich gezeigt, wie sensibel der Markt nach wie vor auf jegliche Signale einer möglichen (hypothetischen) Intervention der japanischen Behörden reagiert. Im Kern reagierte der Markt nicht auf die bloße Tatsache einer Intervention, sondern auf Gerüchte, dass die Zentralbank auf verbale Interventionen (d. h. das Setzen indikativer „roter Linien“) verzichtet habe. Reuters-Quellen zufolge haben die zuständigen Beamten beschlossen, in Phasen geringer Marktliquidität (die mit dem Unabhängigkeitstag in den USA zusammenfielen) auf das Überraschungsmoment zu setzen. Die Furcht vor „verdeckten“ beziehungsweise genauer gesagt plötzlichen Interventionen veranlasste USD/JPY-Bullen dazu, Gewinne mitzunehmen.
Der enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht für Juni verstärkte den Druck auf die Käufer von USD/JPY zusätzlich. Schwächer als erwartet ausgefallene Daten verringerten die Wahrscheinlichkeit einer strafferen Geldpolitik der Federal Reserve in der zweiten Jahreshälfte, was zu sinkenden Renditen von US-Staatsanleihen und einer breit angelegten Abschwächung des Dollars führte.
Zu Beginn der neuen Woche drehte sich das Bild jedoch nahezu vollständig. Die Käufer hievten das Währungspaar wieder über die Marke von 162,00 und machten damit den Großteil der vorangegangenen Verluste wett. Dies zeigt, dass der grundlegende Aufwärtstrend bei USD/JPY intakt bleibt und dass der scharfe, emotional getriebene Rückgang zum Ende der vergangenen Woche von Marktteilnehmern als Gelegenheit gesehen wurde, Long-Positionen zu günstigeren Kursen zu eröffnen.
Die Gründe für diese rasche Erholung lassen sich auf mehrere fundamentale Faktoren zurückführen.
Zum einen gibt es nach wie vor keine offizielle Bestätigung einer Währungsintervention durch die japanischen Behörden. Darüber hinaus kommen Marktteilnehmer zunehmend zu dem Schluss, dass die Maßnahmen des Finanzministeriums die Wechselkursdynamik nur vorübergehend beeinflussen können, nicht aber die Hauptursache für die Schwäche des Yen beseitigen: den ausgeprägten Zinsabstand zwischen den USA und Japan. In diesem Zusammenhang genügt ein Blick auf die Ereignisse Ende April, als die japanischen Behörden tatsächlich am Devisenmarkt intervenierten. Damals fiel USD/JPY um mehr als 500 Punkte und brach von 160,70 auf 155,05 ein. Anfang Mai war der Aufwärtstrend jedoch bereits vollständig wiederhergestellt, und innerhalb weniger Wochen machten die Käufer sämtliche Verluste wett. Die Aufwärtsbewegung setzte sich bis in den Juni fort und brachte das Paar in die Nähe der Marke von 163 (das höchste Kursniveau seit Dezember 1986).
Das „Juli-Ereignis“ sollte vor dem Hintergrund der Vorkommnisse im Frühjahr betrachtet werden. Da sich die Interventionsgerüchte diesmal nicht bestätigten, erholte sich der Markt sogar noch schneller: Den USD/JPY-Käufern genügten zwei Handelssitzungen, um die entstandene „Lücke“ vollständig zu schließen.
Was den Einfluss der schwachen NFP-Daten für Juni betrifft, sollte die Lage im Kontext der Geldpolitik der Bank of Japan betrachtet werden. Zweifellos hat der enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed in der zweiten Jahreshälfte verringert. Er hat jedoch das grundlegende Kräfteverhältnis am Devisenmarkt nicht verändert. Selbst nach der Anpassung der Markterwartungen liegen die Zinsen in den USA deutlich über denen in Japan, während die Bank of Japan weiterhin vorsichtig agiert und an einem abwartenden Kurs festhält. Infolgedessen besteht ein deutlicher Zinsunterschied fort, der Carry-Trade-Transaktionen weiterhin begünstigt und die Nachfrage nach dem Dollar gegenüber dem Yen stützt.
Aus diesem Grund richtet der Markt seine Aufmerksamkeit wieder auf den dominierenden fundamentalen Faktor für USD/JPY – den Renditeabstand zwischen US-amerikanischen und japanischen Staatsanleihen. Solange dieser Abstand deutlich bleibt, dürften Phasen einer Yen-Stärkung überwiegend als Gelegenheit zum Aufbau von Long-Positionen interpretiert werden.
Gleichzeitig ist es verfrüht zu behaupten, dass die Risiken vollständig verschwunden seien. Die „Rückkehr“ des Währungspaares USD/JPY in den Bereich von 162 bringt es wieder näher an Niveaus, die von den japanischen Behörden als überzogen angesehen werden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit neuer verbaler Warnungen – sowohl öffentlicher als auch impliziter – und schließt eine weitere Währungsintervention nicht aus. Long-Positionen in USD/JPY erscheinen vor diesem Hintergrund in der aktuellen Phase sehr risikobehaftet, selbst trotz des weiterhin bestehenden fundamentalen Vorteils des Dollars.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die fundamentalen Voraussetzungen für eine weitere Aufwärtsbewegung des Paares intakt bleiben. Gleichzeitig bestehen die Interventionsrisiken jedoch fort. Daher erscheint gegenwärtig eine abwartende Strategie am sinnvollsten: das Warten auf eine erneute deutliche Korrektur (ausgelöst durch Maßnahmen oder Rhetorik der japanischen Behörden), die den Einstieg in Long-Positionen zu attraktiveren und weniger risikoreichen Niveaus ermöglichen würde.
