
Das Währungspaar EUR/USD befindet sich weiterhin in einem lokalen bärischen Impuls, auch wenn die Bullen in den letzten anderthalb Wochen einige Chancen gewinnen konnten. In der vergangenen Woche fand das internationale Wirtschaftsforum in Portugal statt, bei dem Kevin Warsh die Notwendigkeit einer niedrigeren Inflation bekräftigte. Allerdings stellte er nicht klar, ob die Federal Reserve dies durch eine straffere Geldpolitik erreichen will oder ob sie damit rechnet, dass die Inflation sich mit sinkenden Energiepreisen von selbst abschwächt. Da der Markt keine eindeutige Antwort erhalten hat, bleibt seine Aufmerksamkeit nun auf die anstehenden Inflationsdaten gerichtet.
Die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt haben gezeigt, dass die Inflation nicht mehr das einzige Problem ist. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze bleibt verhalten. In den vergangenen drei Monaten lag die Zahl der neuen Jobs jeweils etwa 100.000 unter den Markterwartungen. Infolgedessen könnte der sich abschwächende Arbeitsmarkt das FOMC dazu zwingen, jede Entscheidung über eine Verschärfung der Geldpolitik deutlich vorsichtiger abzuwägen. Der nächste Inflationsbericht dürfte eine klarere Antwort darauf liefern, ob die von den meisten Marktteilnehmern erwartete Straffung der Geldpolitik überhaupt realistisch ist.
In den letzten anderthalb Wochen konnte der Euro eine moderate Erholung verzeichnen. Dieser bullische Vorstoß reichte aus, um Imbalance 18 zu invalidieren, sodass Trader ihren Fokus nun auf Imbalance 17 richten können. Solange Imbalance 17 gültig bleibt, ist der bärische Impuls intakt, auch wenn ich es bevorzugen würde, die Ausbildung eines neuen bullischen Impulses zu sehen. Nichtsdestotrotz haben die Bullen eine Chance erhalten. Die Frage ist nun, ob sie diese nutzen können.
Geopolitische Entwicklungen sind in den vergangenen Wochen in den Hintergrund getreten, da sich die Aufmerksamkeit auf die Federal Reserve verlagert hat. Sie könnten jedoch erneut zum wichtigsten Markttreiber werden. Teheran und Washington haben ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, den Waffenstillstand um weitere 60 Tage verlängert und mit der Arbeit an der vollständigen Wiederöffnung der Straße von Hormus und einem umfassenderen Atomabkommen begonnen. Trotz der nachlassenden geopolitischen Spannungen haben wir weder eine erwartete Schwäche des US-Dollars noch eine Stärkung des Euro nach der geldpolitischen Straffung der EZB gesehen. Im Gegenteil: Die Bären behielten trotz des übergeordneten fundamentalen und geopolitischen Umfelds die Oberhand. Da geopolitische Entwicklungen nun erneut die Marktteilnehmer enttäuschen, wäre erneuter bärischer Druck nicht überraschend. Dennoch halte ich die Position der Bullen nicht für so schwach, dass ein weiterer Rückzug gerechtfertigt wäre.
Das aktuelle technische Bild spricht weiterhin für die Fortsetzung des bärischen Impulses, der am 17. April begann. Die bärische Imbalance 17 ist bislang nicht mitigiert worden, während Imbalance 18 nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten invalidiert wurde. Bisher haben sich keine bullischen Muster ausgebildet, und es ist unwahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen welche entstehen. Daher könnten die Bullen die Korrekturbewegung in Richtung Imbalance 17 fortsetzen, doch aktuell gibt es keine technische Grundlage, um diese Bewegung aktiv zu handeln. Erwähnenswert ist außerdem, dass der Kurs in der vergangenen Woche die Liquidität unterhalb des Tiefs vom 1. August des vergangenen Jahres (die rote Linie im Chart) abgeholt hat. Derzeit bleibt dies das einzige nennenswerte technische Argument zugunsten eines bullischen Szenarios.
Der Wirtschaftskalender am Dienstag war nahezu leer. Wie erwartet, zeigten Trader am Bericht zur Industrieproduktion nur geringes Interesse. Auch der ADP Employment Report konnte keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Infolgedessen hat der Markt nun zwei aufeinanderfolgende Sitzungen mit extrem begrenzter Kursbewegung verzeichnet, und der Mittwoch könnte durchaus die dritte werden.
Für 2026 haben die Bullen weiterhin zahlreiche Gründe, optimistisch zu bleiben, und der Konflikt im Nahen Osten hat daran wenig geändert. Sowohl aus struktureller als auch aus langfristiger Perspektive haben sich die von Donald Trump geprägten politischen Rahmenbedingungen, die im vergangenen Jahr maßgeblich zum starken Rückgang des US-Dollars beigetragen haben, nicht grundlegend verändert. Trotz des „hawkishen“ Kurses des FOMC erkenne ich weiterhin keine solide langfristige Unterstützung für den US-Dollar. Das Währungspaar EUR/USD nähert sich nun einer Reihe bedeutender Tiefs und Swing-Punkte, an denen Liquidität abgeholt werden könnte, was potenziell das Ende des aktuellen bärischen Impulses signalisieren würde.
Wirtschaftskalender
Vereinigte Staaten
- FOMC Minutes — 18:00 UTC
Am 8. Juli weist der Wirtschaftskalender nur ein einziges Ereignis aus, das ich nicht für besonders relevant halte. Es ist weitgehend eine Formalie. Daher dürfte der Einfluss des Wirtschaftskalenders auf die Marktstimmung am Mittwoch gering bleiben oder ganz ausbleiben.
EUR/USD Prognose und Trading-Ausblick
Meiner Einschätzung nach befindet sich das Paar weiterhin in der Ausbildung eines bullischen Trends. Obwohl sich das fundamentale Umfeld vor vier Monaten deutlich zugunsten der Bären verschoben hat, kann der übergeordnete Aufwärtstrend noch nicht als invalidiert oder abgeschlossen gelten. Daher könnten die Bullen nach einem Abfischen der Liquidität unter klar identifizierbaren Tiefs eine neue Aufwärtsbewegung einleiten. Allerdings ist es in der aktuellen Phase nicht ratsam, Long-Positionen zu eröffnen. Zunächst sollten sich bullische technische Muster ausbilden.
Derzeit stehen Tradern zwei bärische Imbalance-Zonen zur Verfügung, von denen eine bereits invalidiert wurde. Ich würde jedoch auch auf die Nähe von vier bedeutenden Swing-Punkten hinweisen, an denen Liquidität abgeholt werden könnte, sowie auf die fragwürdige fundamentale Grundlage für die jüngste Stärke des US-Dollars. Folglich rechne ich weiterhin mit einer bullischen Aufwärtsbewegung, doch es ist wichtig, hierfür zumindest eine gewisse technische Bestätigung zu erhalten. Andernfalls sollten Trader auf ein Verkaufssignal warte
