Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Lange Zeit beobachteten US-Aktien Öl, Renditen von US-Staatsanleihen und Devisenmärkte nur von der Seitenlinie. In der Woche bis zum 10. Juli drohte diese Illusion beinahe zu zerbrechen, hielt letztlich aber stand.
Neue Schlagzeilen aus dem Iran sorgten für Bewegung bei Öl, Staatsanleiherenditen und Währungen, und die Beziehungen zwischen Washington und Teheran werden zunehmend angespannter – jedes Signal aus der Region wird von Händlerinnen und Händlern genau analysiert. Dennoch fiel die Reaktion des S&P 500 auf die erneute Eskalation im Nahen Osten überraschend verhalten aus. Aktienanleger entschieden sich dafür, den Blick nach vorne auf die Unternehmensgewinne zu richten, statt zurück auf die Geopolitik.
Korrelationen und Sektorunterschiede

Laut Barclays liegen die Korrelationen zwischen den wichtigsten Anlageklassen derzeit nahe dem 93. Perzentil ihrer historischen Spanne. Öl, Anleihen und Währungen bewegen sich stärker im Gleichklang als üblich. Im Gegensatz dazu sind die Korrelationen innerhalb des Aktienmarkts selbst auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gesunken. Formal kann sich der S&P 500 weiterhin gemeinsam mit anderen Anlageklassen bewegen, doch seine Einzelwerte entwickeln sich zunehmend auseinander. Anleger unterscheiden unerbittlich zwischen KI‑Gewinnern und ‑Verlierern.
Barclays zieht eine Parallele zur Dotcom‑Ära, als ein bedeutender technologischer Umbruch ungewöhnlich große Abstände zwischen bevorzugten und gemiedenen Titeln schuf. Die Geschichte wiederholt sich nicht exakt, aber sie reimt sich.
Ein klares Zeichen für eine Sektorrotation war der Börsengang von SK Hynix. Die Hinterlegungsscheine des südkoreanischen Speicherchipherstellers sprangen um 13 % über den Ausgabepreis. Das Unternehmen nahm 26,5 Mrd. USD ein – der größte Börsengang eines Emittenten außerhalb der USA in der Geschichte. Die Nachfrage aus Rechenzentren treibt weiterhin die Halbleiterpreise.
Die Volatilität im Sektor ist extrem. Seit dem 1. Juni hat der SOX an 11 Tagen Bewegungen von mehr als 5 % in die eine oder andere Richtung verzeichnet. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 gab es nur 10 derart starke Ausschläge. Der Markt ist offensichtlich rund um ein einziges Thema überhitzt, und jede Nachricht kann heftige Kursbewegungen auslösen.
Allerdings ist eine weit verbreitete Sorglosigkeit nicht zu erkennen. Einige Ecken des Marktes verhalten sich wie ein Casino, aber die breite Anlegerschaft bleibt nüchtern und skeptisch – ein Verhalten, das für die Zeit unmittelbar vor einem anhaltenden Einbruch untypisch ist.

Die Wall Street hat im S&P 500 bereits ein außergewöhnliches Gewinnwachstum eingepreist. Die kommende Berichtssaison wird zeigen, ob diese Erwartungen gerechtfertigt sind. Die Unternehmen müssen nachweisen, dass die Milliardeninvestitionen in AI tatsächlich messbare Renditen liefern.
Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart, dass die Rallye des S&P 500 in Richtung Rekordhochs anhält. Long-Positionen, die bei 7.492 aufgebaut wurden, bieten sich an, bei einem erfolgreichen Durchbruch des lokalen Juni-Hochs bei 7.580 aufzustocken.
