
Die Elliott-Wellen-Struktur im 4-Stunden-Chart für EUR/USD wird zunehmend komplexer. Es gibt nach wie vor keine Anzeichen dafür, dass das bullische Trendsegment (unterer Chart), das im Januar des vergangenen Jahres begann, ungültig geworden ist. Allerdings hat die Wellenstruktur dieses Trends inzwischen einen korrektiven Charakter angenommen.
Aus langfristiger Sicht ist weiterhin davon auszugehen, dass der Markt eine Welle C ausbildet, deren Tief unter das Tief der Welle A fallen sollte. Aktuell liegt das Tief der Welle C bereits unter dem Tief der Welle A, was bedeutet, dass Welle C jederzeit abgeschlossen sein könnte. Bleibt das fundamentale Umfeld jedoch für den US‑Dollar günstig, könnte sich diese Welle zu einer deutlich ausgedehnteren Struktur entwickeln.
In der niedrigeren Zeitebene lässt sich eine klassische fünfwellige bärische Struktur erkennen. Trifft diese Annahme zu, befindet sich das Währungspaar derzeit in der Ausbildung der Welle 4, während Welle 3 sich zu einer fünfwelligen Struktur entwickelt hat. Sobald diese Formation abgeschlossen ist, könnte das Instrument eine neue bullische Wellenfolge beginnen. Nach der aktuellen Zählung steht die Ausbildung von Welle 5 jedoch noch aus. Infolgedessen könnte der Euro in Richtung der 13. Figur (Marke von 1,1300) fallen.
EUR/USD verlor am Donnerstag 10 Basispunkte, wobei die gesamte Tagesspanne nur 15 Punkte betrug. Ein genauerer Blick auf die Kursbewegungen zeigt, dass EUR/USD seit fast einem Monat entweder unverändert bleibt oder sich nur sehr geringfügig bewegt.
Der Euro befindet sich weiterhin in der Ausbildung einer korrektiven Welle, bei der es sich mutmaßlich um Welle 4 von C handelt. Trifft diese Interpretation zu, sollte der Markt im weiteren Verlauf Welle 5 von C formen. Welle 4 hat sich jedoch eindeutig verlängert. Sie hat bereits eine dreiwellige Struktur angenommen, könnte sich theoretisch aber zu einer deutlich größeren Korrekturformation ausweiten.
Es ist wichtig zu beachten, dass Wellen nicht die Marktbewegungen bestimmen. Der Markt bestimmt die Kursbewegungen, während die Wellenanalyse diese Bewegungen lediglich visualisiert und auswertet. Deshalb kann sich Welle 4 noch mehrere Wochen weiterentwickeln, sie kann aber ebenso gut jederzeit enden.
Ich halte es für möglich, dass Welle 5 verkürzt ausfällt und zeitlich mit der korrektiven Welle im GBP/USD zusammenfällt, woraufhin sowohl der Euro als auch das Pfund neue bullische Trendsegmente ausbilden könnten.
Die Konjunkturdaten und wichtigen Ereignisse waren heute überschaubar. In den Vereinigten Staaten zeigte der Einzelhandelsumsatzbericht, dass die Konsumausgaben im Juni um 0,2 % gestiegen sind und damit den Erwartungen der meisten Marktteilnehmer entsprachen.
Mehrere Mitglieder des FOMC hielten ebenfalls Reden und haben ihren Ton nach dem Inflationsbericht für Juni in den USA sowie der Aussage von Kevin Warsh vor dem Kongress spürbar gemäßigt. Am Terminmarkt wird die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung im Juli derzeit mit 12 % und im September mit 56 % bewertet. Diese Werte liegen deutlich unter denen der Vorwoche.
Diese Prognosen und Äußerungen von FOMC-Mitgliedern haben allerdings nur begrenzte Aussagekraft. Schon morgen könnte sich die Lage im Nahen Osten ändern, der Ölpreis könnte erneut fallen, die Inflation weiter zurückgehen und die Wahrscheinlichkeit einer Straffung der Geldpolitik bis Jahresende nochmals sinken. Ebenso denkbar ist jedoch eine Verschlechterung der Bedingungen: Der Jemen könnte das Rote Meer blockieren, der Ölpreis in Richtung 150 US‑Dollar pro Barrel steigen und die Inflation wieder zweistellige Werte erreichen. In einem solchen Szenario könnte die Federal Reserve bereits im Juli zur geldpolitischen Straffung übergehen.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage der Analyse von EUR/USD komme ich zu dem Ergebnis, dass sich das Paar weiterhin in einem bullischen Trendsegment (unterer Chart) befindet, während es kurzfristig innerhalb eines bärischen Trendsegments verläuft.
Meiner Einschätzung nach bietet das aktuelle Umfeld eine vertretbare Gelegenheit, Long‑Positionen in Betracht zu ziehen, auch wenn das Paar im Rahmen von Welle 5 von C noch bis in den Bereich von 1,1300 fallen könnte. Die Wellenanalyse bringt häufig unerwartete Entwicklungen hervor, weshalb ich meine Strategie bereits jetzt stärker auf potenzielle Kaufchancen ausrichten würde.
In der höheren Zeitebene ist ein bullisches Trendsegment erkennbar, dem die Entwicklung einer korrektiven Wellenstruktur folgt. In der näheren Zukunft wird die Ausbildung der Welle C mit Zielen um 1,1352 erwartet, was dem 38,2‑%‑Fibonacci‑Retracement entspricht. Nach Abschluss der A‑B‑C‑Korrektur könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Grundprinzipien meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und leicht interpretierbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und ändern sich häufig.
- Wenn keine klare Einschätzung der aktuellen Marktlage möglich ist, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.
- Es gibt nie und kann nie 100%ige Sicherheit hinsichtlich der Marktrichtung geben. Schützen Sie Ihre Positionen daher stets mit Stop-Loss-Orders.
- Die Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.

