
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart von EUR/USD ist komplexer geworden. Es gibt nach wie vor keinen Hinweis darauf, dass der seit Januar vergangenen Jahres laufende Aufwärtstrendabschnitt (im unteren Chart dargestellt) aufgehoben wäre. Allerdings hat die Trendstruktur inzwischen einen korrektiven Charakter angenommen. Aus langfristiger Sicht wird die Entwicklung von Welle C erwartet, deren Tief unter dem Tief von Welle A projiziert ist. Aktuell liegt das Tief von Welle C bereits unter dem Tief von Welle A, was bedeutet, dass Welle C jederzeit abgeschlossen sein könnte. Bleibt das Nachrichtenumfeld jedoch günstig für den US‑Dollar, kann sich diese Welle noch deutlich weiter ausdehnen.
In der kleineren Zeitebene lässt sich eine klassische fünfteilige bärische Struktur erkennen. Trifft diese Annahme zu, befindet sich Welle 4 derzeit in der Ausbildung, während Welle 3 als Fünf-Wellen-Muster ausgebildet wurde. Nach Abschluss dieser Struktur könnte das Instrument in eine neue Aufwärtswellen-Sequenz übergehen. Nach der aktuellen Zählweise wird jedoch weiterhin mit der Ausbildung von Welle 5 gerechnet. Entsprechend könnte der Euro in Richtung der Marke von 1,13 fallen.
Das Währungspaar EUR/USD bewegte sich am gesamten Freitag kaum, und die neue Woche begann mit einer moderaten Aufwertung des Euro, die das Gesamtbild am Markt nur geringfügig beeinflusst hat. Die vermutete Welle 4 entwickelt sich nun bereits in der vierten Woche in Folge und zeigt weiterhin keine klaren Anzeichen eines Abschlusses. Derzeit liegt sie in Form einer dreiwelligen Struktur vor, könnte sich jedoch – sofern es die Marktsituation erfordert – noch zu einem fünfteiligen Muster ausweiten. Daher bleibt ein weiterer, allmählicher Anstieg des Paares möglich.
Am Montagmorgen wurden Berichte bekannt, wonach Donald Trump ernsthaft erwägt, die umfassenden Militäroperationen gegen den Iran wiederaufzunehmen. Das Pentagon hat begonnen, seine Präsenz der Militärluftfahrt in der Region zu verstärken, während eine neue Eskalation durch den Tod mehrerer US‑Soldaten infolge iranischer Vergeltungsschläge und den Zusammenbruch der Verhandlungen ausgelöst werden könnte. Im weiteren Sinne entspricht dies genau dem, was ich seit mehreren Monaten hervorhebe. Unter den derzeitigen Umständen scheint ein dauerhafter Frieden zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran unmöglich, und jegliche Verhandlungen dürften scheitern, da die Positionen und Forderungen beider Seiten grundlegend unvereinbar bleiben. Washington und Teheran verfolgen völlig unterschiedliche Ziele, und keine Seite zeigt bislang die Bereitschaft, bei den entscheidenden strittigen Punkten nachzugeben.
Gleichzeitig glaube ich nicht, dass Trump sich letztlich zu einem erneuten umfassenden Krieg durchringen wird, da sich daraus kaum ein strategischer Nutzen ergibt. Was sollte er mit einer weiteren Militäraktion erreichen? Den Iran dazu zwingen, ein Abkommen zu den Bedingungen des Weißen Hauses zu unterzeichnen? Das ist äußerst unwahrscheinlich, und Teheran hat dies bereits deutlich gemacht. Stattdessen könnte der Iran mit der Blockade der Meerenge von Bab al‑Mandab reagieren.
In einem solchen Szenario könnten die Ölpreise sprunghaft ansteigen, die Inflation weltweit anziehen und die Chancen der Republikanischen Partei auf einen Sieg bei den Kongresswahlen würden deutlich sinken. Meiner Ansicht nach liegt das Kernproblem darin, dass Donald Trump nicht bereit ist, ein Scheitern im Nahen Osten einzugestehen, während der Iran offenbar dazu bereit ist, dem Druck der USA – notfalls über einen längeren militärischen Konflikt hinweg – mindestens bis zur nächsten US‑Präsidentschaftswahl standzuhalten.
Schlussfolgerungen
Auf Basis meiner EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass sich das Instrument weiterhin in einem übergeordneten Aufwärtstrendabschnitt (im unteren Chart dargestellt) befindet, während es kurzfristig in einem Abwärtstrendsegment gehandelt wird. Meiner Meinung nach bietet das aktuelle Umfeld eine sinnvolle Gelegenheit, mit dem Aufbau von Long‑Positionen zu beginnen, auch wenn das Paar im Rahmen von Welle 5 innerhalb von Welle C noch bis in den Bereich von 1,13 fallen kann. Da sich die Wellenanalyse häufig unerwartet entwickelt, würde ich bereits jetzt beginnen, mich auf Kaufgelegenheiten vorzubereiten.
In der höheren Zeitebene ist weiterhin ein Aufwärtstrendabschnitt zu erkennen, an den sich eine korrektive Wellenstruktur anschließt. Kurzfristig dürfte sich Welle C weiter in Richtung des Bereichs um 1,1352 entwickeln, der dem 38,2‑%‑Fibonacci‑Retracement entspricht. Nach Abschluss der korrektiven A‑B‑C‑Struktur kann ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Grundprinzipien meiner Analyse
- Wellenstrukturen sollten einfach und leicht zu interpretieren sein. Komplexe Wellenmuster sind schwer handelbar und müssen häufig revidiert werden.
- Wenn keine klare Einschätzung der aktuellen Marktlage möglich ist, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.
- Absolute Sicherheit über die künftige Marktrichtung ist unmöglich. Schützen Sie Ihre Positionen immer mit Stop‑Loss‑Orders.
- Wellenanalyse lässt sich effektiv mit anderen Formen der Marktanalyse und mit verschiedenen Handelsstrategien kombinieren.

