Gold konnte sich in der asiatischen Sitzung wieder erholen und profitierte von einem Rückgang der globalen Anleiherenditen sowie von einem schwächeren US‑Dollar vor dem Hintergrund der Hoffnung auf wiederaufgenommene Gespräche zwischen den USA und dem Iran. ING zufolge wirkt die Erholung eher durch neues Kaufinteresse nach einer längeren Konsolidierungsphase getrieben als durch eine wesentliche Veränderung der geopolitischen oder makroökonomischen Lage.
Das Umfeld bleibt angespannt: Die USA und der Iran haben nun schon den elften Tag in Folge gegenseitige Angriffe geführt, Vermittler versuchen, die Waffenruhe wiederzubeleben, und der Ölpreis steigt weiter. Dennoch hat XAU/USD auf den Anstieg bei Rohöl überraschend verhalten reagiert. Nach Einschätzung von Global X ETFs lässt sich die aktuelle Kursentwicklung auf eine gewisse geopolitische Apathie in Kombination mit einem verstärkten Fokus auf die Zinsentscheidungen der Fed zurückführen. Die Renditen von US‑Staatsanleihen sind trotz der Eskalation nur moderat gestiegen, sodass Gold relativ stabil blieb.
Entscheidend ist, dass Gold Anzeichen von Unterstützung an der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 USD je Unze zeigt. Bloomberg‑Daten zufolge verzeichneten ETFs am 21. Juli Zuflüsse von 7,4 Tonnen und damit den größten Tageszufluss seit über einem Monat. Hedgefonds erhöhten ihre Netto‑Long‑Positionen um 4,3 Tsd. Kontrakte auf 119 Tsd. und erreichten damit ein Fünf‑Wochen‑Hoch.
Zentralbankkäufe von Gold
Dennoch ist es schwer, die vergangenen Monate als Erfolgsgeschichte für das Metall zu bezeichnen. Die lange, mehrjährige Rallye endete faktisch mit dem Ausbruch der Krise im Nahen Osten: XAU/USD hat seit dem 28. Februar rund 22 % verloren. Es ist ein Paradox – geopolitische Krisen treiben in der Regel die Inflation und die Absicherungsnachfrage an, dennoch war der Juni der schlechteste Monat für Gold seit 2008 und das zweite Quartal das schwächste seit 2013.
Der Grund ist naheliegend: Anleger preisen eine anhaltende Straffung der Fed als Reaktion auf die Inflation ein, und steigende Realzinsen sind ein Gegenwind für einen nicht verzinslichen Vermögenswert. Es gab Gerüchte, dass Zentralbanken aus dem Nahen Osten Gold zur Liquiditätsbeschaffung verkaufen, doch bestätigte Verkäufe betreffen lediglich die Veräußerung von 81 Tonnen durch die Türkei im Wert von rund 10,6 Mrd. USD.
Entwicklung Gold vs. S&P 500

Seit Jahresbeginn liegt XAU/USD immer noch etwa 21 % im Plus und übertrifft damit leicht den S&P 500. Die Käufe der Zentralbanken seit 2022 unterstreichen einen anhaltenden, nachhaltigen De‑Dollarization‑Trend. Der weitere Kurs der Fed ist ungewiss: Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September nur bei rund 50 %. Wells Fargo mahnt Anleger, nicht überreagierend auf kurzfristige Volatilität zu reagieren: Nach einer Korrektur von über 20 % vom Januar‑Hoch ist ein Großteil des Abwärtsrisikos bereits eingepreist.

Was wird sich also durchsetzen – eine restriktive Fed oder nachlassende geopolitische Sorgen?
Technisch zeigt der Tageschart, dass Gold eine Doppelboden-Formation abgeschlossen hat. Ein erfolgreicher Ausbruch über 4.155–4.165 USD je Unze würde die Wahrscheinlichkeit einer Aktivierung des Wolfe-Wave-Musters erhöhen – ein klar bullisches technisches Szenario für das Metall.
