
Die Wellenstruktur im 4-Stunden-Chart von EUR/USD entwickelt sich weiter. Es gibt nach wie vor keinen Hinweis darauf, dass das Aufwärtstrendsegment (im unteren Chart dargestellt), das im Januar des vergangenen Jahres begonnen hat, hinfällig geworden ist. Allerdings weist die Gesamtstruktur mittlerweile die Merkmale eines Korrekturmusters auf. Aus langfristiger Sicht wird die Ausbildung der Welle C erwartet, deren Tief unter dem Tief der Welle A liegen dürfte. Derzeit hat sich Welle C bereits unter das Tief von Welle A bewegt, was bedeutet, dass sie jederzeit abgeschlossen sein könnte. Bleibt das Nachrichtenumfeld für den US‑Dollar jedoch günstig, kann sich diese Welle weiter ausdehnen.
In der niedrigeren Zeitebene lässt sich eine klassische fünfteilige bärische Wellenstruktur erkennen. Trifft diese Interpretation zu, bildet der Markt aktuell die Welle 4 aus, während Welle 3 sich bereits zu einem fünfwelligen Muster entwickelt hat. Sobald diese Struktur abgeschlossen ist, könnte das Paar in eine neue Aufwärtswellenfolge übergehen. Auf Basis der aktuellen Wellenzählung ist jedoch weiterhin mit der Ausbildung von Welle 5 zu rechnen. Infolgedessen könnte der Euro in Richtung der Marke von 1,13 fallen.
EUR/USD legte am Mittwoch um 20 Basispunkte zu, wobei das Handelsvolumen erneut gedämpft blieb. Der Markt sieht weiterhin wenig Anlass, den Euro zu kaufen oder zu verkaufen, was die geringe Beteiligung erklärt. Mitunter wirkt dies ungewöhnlich, da nach wie vor Konjunkturdaten veröffentlicht werden, Zentralbanken geldpolitische Sitzungen abhalten und geopolitische Schlagzeilen allgegenwärtig sind.
Dass Marktteilnehmer geopolitische Entwicklungen weitgehend ausblenden, ist nachvollziehbar. Angesichts der Flut widersprüchlicher und häufig verwirrender Meldungen der vergangenen Monate ist leicht zu erkennen, warum sich viele Akteure davon nicht mehr leiten lassen wollen. Allerdings ignoriert der Markt in weiten Teilen inzwischen auch Konjunkturdaten und war bislang weder in der Lage, den laufenden Abwärtstrend zu beenden noch einen neuen Aufwärtstrend zu etablieren.
Heute wurde berichtet, dass Donald Trump weitere Angriffe auf den Iran in Erwägung zieht, wobei unklar bleibt, worin sich diese von den laufenden Militäroperationen unterscheiden würden. Die Vereinigten Staaten setzen ihre Angriffe auf den Iran fort, während der Iran weiterhin mit Schlägen gegen US‑Militärstützpunkte und Marineeinheiten reagiert. Kurz gesagt: Der Konflikt im Nahen Osten befindet sich weiterhin in einer Eskalationsphase, während die Ölpreise nahezu täglich weiter steigen.
In der Folge dürfte sich die Inflation sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Euroraum im Juli beschleunigen. Die European Central Bank könnte ihren Straffungskurs fortsetzen, während die Federal Reserve erneut abwägt, ob zusätzliche Zinserhöhungen gerechtfertigt sind.
Die European Central Bank wird morgen ihre jüngste geldpolitische Entscheidung bekannt geben, und es wird allgemein erwartet, dass die Zinsen unverändert bleiben. Wer sich daher von der Sitzung am Donnerstag einen Ausbruch aus der aktuellen Handelsspanne erhofft, dürfte möglicherweise enttäuscht werden. Der Euro tendiert weiterhin leicht abwärts, wobei sich Welle 4 innerhalb von Welle C noch zu einer komplexeren, fünfteiligen Korrekturstruktur entwickeln könnte.
Gesamtausblick
Nach meiner Analyse bewegt sich EUR/USD weiterhin in einem langfristigen Aufwärtstrendsegment (im unteren Chart dargestellt), während der kurzfristige Ausblick bärisch bleibt. Aus meiner Sicht ist dies ein sinnvoller Zeitraum, um mit dem Aufbau von Long‑Positionen zu beginnen, auch wenn das Paar im Zuge der Welle 5 von Welle C noch bis in den Bereich von 1,13 fallen kann. Wellenstrukturen bringen häufig unerwartete Entwicklungen mit sich, daher würde ich den Fokus bereits jetzt schrittweise auf Kaufgelegenheiten verlagern.
In der höheren Zeitebene ist der vorherige Aufwärtstrend in eine korrektive Wellenfolge übergegangen. Kurzfristig dürfte sich Welle C in Richtung des Niveaus von 1,1352 entwickeln, das dem 38,2‑%‑Fibonacci‑Retracement entspricht. Sobald die A‑B‑C‑Korrekturstruktur abgeschlossen ist, könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend einsetzen.
Grundprinzipien meiner Analyse
- Wellenstrukturen sollten einfach und leicht interpretierbar sein. Komplexe Muster sind schwer handelbar und ändern sich häufig.
- Wenn die Marktlage unklar ist, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.
- Über die Marktrichtung besteht niemals vollständige Gewissheit. Verwenden Sie stets Stop‑Loss‑Orders, um das Risiko zu steuern.
- Wellenanalyse lässt sich wirkungsvoll mit anderen Analysemethoden und Handelsstrategien kombinieren.

