
Lee Hardman, leitender Devisenanalyst beim japanischen Finanzkonglomerat MUFG (Mitsubishi UFJ Financial Group), betont, dass die Renditen von Staatsanleihen im Euroraum im Vorfeld der EZB-Sitzung auf neue Jahreshochs gestiegen sind. Die Märkte preisen für den kommenden Zeitraum zwei bis drei Zinserhöhungen ein und schließen die Wahrscheinlichkeit eines zusätzlichen Schrittes im September nahezu aus. Diese Entwicklungen stehen im Einklang mit Hardmans Prognose, dass der letzte Zinsschritt im September erfolgen wird, wobei er jedoch warnt, dass ein weiterer Anstieg der Energiepreise das Risiko einer länger anhaltenden geldpolitischen Straffung erhöhen und das Wachstum im Euroraum belasten würde.
Er hebt zudem hervor, dass sich seit Jahresbeginn im Vorfeld von Zinssitzungen die Renditedynamik und die Zinserwartungen für die EZB deutlich verschoben haben:
„Als Reaktion auf steigende Energiepreise haben Marktteilnehmer zunehmend damit begonnen, stärker restriktive Erwartungen an wichtige Notenbanken, darunter die EZB und die Fed, einzupreisen. Dies hat dazu geführt, dass die kurzfristigen Renditen auf neue Jahreshochs gestiegen sind. Am Euro-Zinsmarkt werden nun zwei bis drei weitere EZB-Zinserhöhungen im kommenden Jahr eingepreist, während der US-Zinsmarkt für denselben Zeitraum rund zwei Zinsschritte der Fed erwartet. Kurzfristige Renditen sind in jüngerer Zeit in Europa stärker gestiegen als in den USA, was dazu geführt hat, dass sich die Renditespreads zum Nachteil des USD entwickelt haben.“
„Eine weitere Zinserhöhung bereits bei der folgenden Zinssitzung im September ist nahezu vollständig eingepreist. Das passt zu unserer eigenen Prognose eines letzten Zinsschritts im September, auch wenn wir einräumen, dass das Risiko eines zusätzlichen Zinsschritts später im Jahr zunehmen würde, falls höhere Energiepreise in der zweiten Jahreshälfte anhalten.“
„Wir sehen derzeit nur wenig Spielraum für Präsidentin Lagarde, sich entschieden gegen die Markterwartungen mehrerer Zinserhöhungen zu stellen, da die Inflationsrisiken zunehmen. Höhere Energiepreise werden zudem die Abwärtsrisiken für das Wachstum im Euroraum verstärken. Wie in den USA hat sich die Wirtschaft im Euroraum bisher besser als erwartet gegenüber dem Energieschock behauptet, was etwas Beruhigung verschafft.“
