
EUR/USD blieb unter Druck, nachdem die European Central Bank (ECB) am Donnerstag – im Einklang mit den Markterwartungen – ihre Leitzinsen unverändert gelassen hatte. Auf ihrer Juli-Sitzung beließ die ECB den Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 %, den Spitzenrefinanzierungssatz (marginal lending facility) bei 2,65 % und den Einlagensatz (deposit facility) bei 2,25 %.
In ihrer geldpolitischen Erklärung stellte die ECB fest, dass die Prognosen für die Energiepreise weiterhin äußerst volatil sind und sich die vollständigen Auswirkungen des jüngsten Energieschocks noch nicht in der Wirtschaft widerspiegeln. Die Zentralbank bekräftigte, dass geldpolitische Entscheidungen weiterhin von Sitzung zu Sitzung getroffen werden, wobei die eingehenden Konjunkturdaten, die Inflationsprojektionen und die Stärke der geldpolitischen Transmission berücksichtigt werden. Zudem betonte die ECB, dass sie sich nicht vorab auf einen bestimmten Zinspfad festlegt.
Trotz des unveränderten geldpolitischen Kurses verliert der Euro weiter gegenüber dem US-Dollar an Wert. Der Greenback profitiert von neuerlicher Nachfrage nach sicheren Häfen vor dem Hintergrund eskalierender geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. Die Vereinigten Staaten haben nun bereits in der zwölften aufeinanderfolgenden Nacht Luftangriffe auf Iran geflogen, während Teheran mit Angriffen auf US-Militärstützpunkte in Jordanien und Bahrain reagiert hat.
Gleichzeitig verschärfen sich die Spannungen an den globalen Energiemärkten weiter. Störungen in der Straße von Hormus, kombiniert mit Angriffen der jemenitischen Houthi-Bewegung auf zwei saudische Öltanker im Roten Meer, haben die Sorge um die Schifffahrt durch die Meerenge von Bab al-Mandab verstärkt. Vor diesem Hintergrund sind die Preise für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) auf den höchsten Stand seit einem Monat gestiegen.

Der starke Anstieg der Energiepreise hat in den Vereinigten Staaten die Sorgen vor Inflation geschürt und die Erwartungen verstärkt, dass die Federal Reserve die Geldpolitik weiter straffen muss. Laut dem CME FedWatch Tool preisen die Märkte inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 78 % für eine Zinserhöhung auf der Septembersitzung ein, nach 52 % vor einer Woche.
Der US‑Dollar erhält zudem Unterstützung durch Äußerungen des US-Außenministers Marco Rubio, der warnte, dass die militärischen Operationen gegen den Iran intensiviert werden könnten, falls Teheran weiterhin Verhandlungen ablehnt, und die Huthi dazu aufforderte, ihre Angriffe einzustellen. Die erhöhte geopolitische Unsicherheit führt weiterhin zu sicheren Hafenströmen in den US‑Dollar und begrenzt so das Potenzial für eine nachhaltige Erholung des EUR/USD.
Technischer Ausblick
Aus technischer Sicht bleibt EUR/USD unter Verkaufsdruck. Ein nachhaltiger Bruch unter die Unterstützungszone von 1,1370–1,1353 würde den Rückgang in Richtung des Juli-Tiefs beschleunigen.
Umgekehrt hätten die Bullen die Chance, die Erholung auszudehnen, falls das Währungspaar das psychologische Niveau von 1,1400 zurückgewinnt und sich über den 20‑Tage Simple Moving Average (SMA) bewegt.
Vorerst bleiben die Momentum-Indikatoren jedoch im negativen Bereich, was darauf hindeutet, dass die Verkäufer kurzfristig im Vorteil sind.
Die nachstehende Tabelle zeigt die prozentuale Veränderung des Euro gegenüber den wichtigsten Währungen am heutigen Tag. Den stärksten Wertzuwachs erzielte der Euro gegenüber dem neuseeländischen Dollar.
