
Vor einigen Stunden hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre fünfte geldpolitische Sitzung des Jahres 2026 abgeschlossen. Das Ergebnis kam für die Marktteilnehmer nicht überraschend.
Zur kurzen Einordnung der jüngsten Entwicklungen: Die Inflation im Euroraum beschleunigte sich im Mai auf 3,2 %, woraufhin die EZB die Geldpolitik straffer ausrichtete. Im Juni schwächte sich die Verbraucherpreisinflation jedoch auf 2,8 % ab, da die Ölpreise auf ihr Vorkonfliktniveau zurückgingen und den Entscheidungsträgern mehr Spielraum für eine Pause verschafften.
Aktuell sind die Ölpreise wieder auf über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen, was die Möglichkeit erhöht, dass die Inflation im Juli erneut anziehen könnte. Angesichts der schnellen Entwicklungen im Nahen Osten wäre es jedoch nicht überraschend, wenn Präsident Donald Trump und der Iran noch vor Monatsende einen weiteren Waffenstillstand vereinbaren, die Straße von Hormus wieder öffnen und die Atomverhandlungen wieder aufnehmen würden.
Sollte dieses Szenario eintreten, könnten die Ölpreise erneut fallen, der Inflationsdruck dürfte nachlassen, und die EZB hätte wenig Anlass, überstürzt in eine zweite Runde geldpolitischer Straffung zu gehen. Ob zum Guten oder zum Schlechten: Geopolitische Entwicklungen sind derzeit der dominierende Treiber des Ausblicks.
Was hat die EZB beschlossen?
Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde erörterten die Entscheidungsträger auf der Juli-Sitzung zwar die Möglichkeit einer Zinserhöhung, entschieden sich letztlich jedoch dagegen.
Alle drei Leitzinsen blieben mit einstimmiger Unterstützung des EZB-Rats unverändert.
Lagarde erklärte, dass die Entscheidungsträger es vorziehen, bis September zu warten, um zu bestätigen, ob eine straffere Geldpolitik erforderlich ist, wenn sich der Ausblick für Energiepreise und Inflation deutlicher abzeichnet. Sie nannte das BIP-Wachstum, die Inflation sowie die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor als die wichtigsten Indikatoren, die die künftigen geldpolitischen Entscheidungen leiten werden.

Lagarde betonte außerdem, dass die EZB keinen vorgegebenen Kurs für die Geldpolitik hat. Zinsentscheidungen werden weiterhin von Sitzung zu Sitzung getroffen und hängen vollständig von den jeweils neu eingehenden Konjunkturdaten ab.
Die EZB wird im September aktualisierte Prognosen für das Wirtschaftswachstum und die Inflation veröffentlichen, und diese Projektionen werden eine zentrale Rolle bei der nächsten geldpolitischen Entscheidung spielen.
Zugleich räumte die EZB-Präsidentin ein, dass sich die Inflationsrisiken erneut nach oben verschieben, was die Zentralbank möglicherweise dazu zwingen könnte, die Zinsen in diesem Jahr ein zweites Mal anzuheben.
Diese Risiken hängen in erster Linie mit dem wieder aufgeflammten Konflikt im Nahen Osten und den Aktionen der Huthi-Bewegung im Roten Meer zusammen. Bemerkenswert ist, dass die Huthis begonnen haben, saudische Öltanker ins Visier zu nehmen, obwohl die Meerenge von Bab al-Mandab nicht vollständig blockiert ist. Derzeit betrifft die Störung ausschließlich die saudische Schifffahrt.
EUR/USD – Wellen-Ausblick
Auf Grundlage meiner Wellenanalyse befindet sich EUR/USD weiterhin in einem übergeordneten langfristigen Aufwärtstrend (siehe unteres Chart), während der kurzfristige Trend nach wie vor korrektiv und bärisch ist.
Meiner Ansicht nach könnten die aktuellen Kursniveaus eine Gelegenheit bieten, sich auf Long-Positionen vorzubereiten. Das Währungspaar könnte jedoch im Rahmen der Welle 5 von C noch in Richtung der Marke von 1,1300 fallen. Wellenstrukturen entwickeln sich häufig unerwartet, daher würde ich bereits beginnen, den Fokus verstärkt auf potenzielle Kaufchancen zu richten.
GBP/USD – Wellen-Ausblick
Die Wellenstruktur von GBP/USD ist deutlich komplexer geworden.
Derzeit hat das Paar drei Abwärtswellen vollendet, während sich bei EUR/USD möglicherweise noch ein vollständiger fünfwelliger Rückgang ausbilden kann. Folglich könnte GBP/USD eine weitere Abwärtswelle hervorbringen, dieser Bewegung käme jedoch vermutlich nur die Rolle der zweiten Welle innerhalb eines neuen Aufwärtstrends zu.
In der Folge dürften die Unterschiede zwischen den Wellenzählungen von EUR/USD und GBP/USD relativ gering bleiben und das übergeordnete Bild nicht wesentlich verändern.
Dementsprechend rechne ich mit einem weiteren kurzfristigen Rücksetzer, gefolgt von der Ausbildung eines neuen Aufwärtstrends, wobei die ersten Aufwärtsziele im Bereich von 1,3700–1,3800 liegen.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse
Wellenstrukturen sollten einfach und leicht zu interpretieren bleiben. Komplexe Wellenmuster sind schwer handelbar und ändern sich häufig.
Wenn der Marktausblick unklar ist, ist es oft besser, an der Seitenlinie zu bleiben.
Es gibt niemals absolute Gewissheit über die Marktrichtung. Setzen Sie deshalb stets schützende Stop-Loss-Orders ein.
Wellenanalyse lässt sich mit anderen Formen der technischen Analyse und mit verschiedenen Handelsstrategien kombinieren.
