logo

FX.co ★ EUR/USD. Der Euro hat verloren. Aber hat der Dollar gewonnen?

EUR/USD. Der Euro hat verloren. Aber hat der Dollar gewonnen?

Das Währungspaar Euro/US-Dollar beendete den Handel am Freitag bei 1,1372. Erstmals seit Anfang Juli schlossen die Händler die Woche außerhalb der 1,14er-Marke. Dies ist ein bedeutender Moment, der die allgemeine Stärkung des US-Dollars am Markt widerspiegelt. Eine weitere Eskalationsrunde im Nahen Osten, ein kräftiger Anstieg der Ölpreise und gestiegene Inflationserwartungen spielten dem Greenback in die Karten. Der US Dollar Index hat sich im Bereich von 101 gefestigt, während es den Verkäufern im EUR/USD gelungen ist, die Spanne von 1,1410–1,1470 nach unten zu verlassen. Zwar konnten sie die Unterstützungsmarke bei 1,1370 (untere Linie des Bollinger-Bänder-Indikators im D1-Zeitrahmen) nicht durchbrechen, doch die bärische Stimmung dominiert das Paar eindeutig.

EUR/USD. Der Euro hat verloren. Aber hat der Dollar gewonnen?

Bemerkenswerterweise ignorierten die EUR/USD-Händler die restriktiven Signale der Europäischen Zentralbank ebenso wie die ZEW- und PMI-Indizes, die die Erwartungen deutlich übertrafen. Der Euro konnte die Initiative nicht ergreifen, obwohl es in dieser Woche so aussah, als stünden die Sterne klar zu seinen Gunsten.

So stieg etwa der Index der deutschen Konjunkturerwartungen im Juli auf 26,3 Punkte (nach 10,5 im Juni) und übertraf damit die Konsensprognose von 18,0 deutlich. Auch die Einschätzung der aktuellen Lage verbesserte sich (von -81,0 auf -77,6), blieb allerdings weiterhin im negativen Bereich. Der breiter gefasste europäische ZEW-Index zeigte ebenfalls einen Aufwärtstrend und kletterte auf 23,4 Punkte – den höchsten Stand der letzten fünf Monate. Dies weist auf einen zunehmenden Optimismus hinsichtlich der Aussichten für die Wirtschaft der Eurozone hin. Entscheidend ist, dass es sich dabei um Juli-Daten handelt – die also in einer Phase erhöhter Spannungen im Nahen Osten und schnell steigender Ölpreise zustande kamen.

Auch die vorläufigen PMI-Indizes für Juli fielen positiv aus. So stieg etwa der zusammengesetzte Index für die Eurozone auf ein Fünfmonatshoch von 51,9 Punkten, während die Produktionsvolumina im verarbeitenden Gewerbe das höchste Expansionstempo seit März 2022 verzeichneten. Zudem hat die deutsche Wirtschaft erstmals seit vier Monaten die Kontraktionsphase verlassen: Der Composite PMI für Deutschland erreichte 51,2 Punkte, begünstigt durch einen starken Schub im Industriesektor (52,2). Ein weiterer Pluspunkt des Berichts war die Wiederbelebung des Wachstums bei den Neuaufträgen (das schnellste Tempo seit April 2023) sowie der Rückgang logistischer Störungen, was es den Unternehmen erstmals seit 3,5 Jahren ermöglichte, ihre Rohstoffbestände wieder aufzufüllen. All dies deutet darauf hin, dass die Wirtschaft des Währungsraums selbst vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und hoher Energiepreise eine beachtliche Widerstandskraft zeigt.

Auch die Ergebnisse der EZB-Sitzung im Juli spielten dem Euro in die Hände. Die Notenbank betonte, dass sich die inflationären Effekte des jüngsten Anstiegs der Energiepreise und die mit dem Konflikt im Nahen Osten verbundenen Risiken „noch nicht vollständig manifestiert“ haben. Laut Christine Lagarde bleibt die Zentralbank gegenüber den sogenannten „Zweitrundeneffekten“ vorsichtig – sprich dem Risiko, dass der Sprung der Rohstoffpreise zu dauerhaft höheren Löhnen und Kernverbraucherpreisen führt.

Zudem räumte die Notenbank ein, dass steigende Energiepreise infolge der Eskalation im Nahen Osten die Inflation erneut beschleunigen könnten, die sich im Zeitverlauf auf ein breites Spektrum von Waren und Dienstleistungen ausweitet. Vor diesem Hintergrund verzichtete der EZB-Rat darauf, das Ende des Straffungszyklus anzudeuten. Darüber hinaus hielten die EZB-Mitglieder die Märkte hinsichtlich der Chancen auf eine Zinserhöhung im September bewusst im Ungewissen – sie bestätigten die entsprechenden Erwartungen ebenso wenig, wie sie sie explizit zurückwiesen.

Auch wenn die Käufer von EUR/USD offensichtlich mehr erwartet hatten (vor allem direkte Hinweise auf eine Zinserhöhung im Herbst), lassen sich die Ergebnisse der Julisitzung insgesamt als „hawkish pause“ einordnen.

Dennoch gelang es dem Euro trotz starker ZEW-Indizes, optimistischer PMI-Daten und vergleichsweise klar restriktiver Signale der EZB nicht, dem Dollar die Initiative abzunehmen. Diese Marktreaktion lässt sich auf eine Kombination aus drei eng miteinander verknüpften Faktoren zurückführen: die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, den schnellen Anstieg der Ölpreise und die wachsenden Erwartungen eines restriktiveren Kurses der Fed.

Der Konflikt im Nahen Osten wurde zum Haupttreiber der Dollar-Stärke. Nachdem die USA und Iran erneut Angriffe austauschten und Donald Trump die Möglichkeit einer Wiederaufnahme groß angelegter Militäroperationen ins Spiel brachte, nahm die Risikoaversion am Markt deutlich zu – zum Vorteil des als sicherer Hafen geltenden US-Dollars. Aus Sorge vor möglichen Angebotsunterbrechungen stieg der Preis für Brent-Rohöl erstmals seit langer Zeit wieder über 100 US-Dollar je Barrel. Dies ist für die Eurozone besonders belastend, da ein weiterer Anstieg der Energiekosten das Risiko von Stagflation erhöht (schwaches Wachstum oder Rezession bei gleichzeitig wieder anziehender Inflation). Aus diesem Grund boten die starken ZEW- und PMI-Daten dem Euro keine Unterstützung.

Der Anstieg der Ölpreise beeinflusste auch die Inflationserwartungen in den USA. Während hohe Ölpreise in der Eurozone in erster Linie das Risiko von Stagflation erhöhen, verstärken sie in den USA die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank ihre straffe Geldpolitik beibehält (bei offener Option für eine weitere Straffung bereits im September). Laut Daten des CME FedWatch-Tools ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der Septembersitzung auf 70 % gestiegen. In der Folge begann der Unterschied in den Zinserwartungen erneut zugunsten des Dollars zu wirken.

Damit hat das vorherrschende fundamentale Umfeld für das Währungspaar EUR/USD zu einem Rückgang des Kurses beigetragen. Die Marktreaktion auf die jüngsten Ereignisse fiel jedoch vergleichsweise verhalten aus. Trotz des Abwärtsimpulses gelang es den Verkäufern nicht, sich unterhalb der Unterstützungsmarke von 1,1370 zu etablieren (die untere Linie der Bollinger Bands im D1-Chart). Immerhin wurde diese Kursbarriere getestet (das Wochentief lag bei 1,1365).

Offenbar „glauben“ die Marktteilnehmer weiterhin an ein Szenario begrenzter Eskalation und sehen den aktuellen Anstieg der Spannungen eher als Druckmittel im (bevorstehenden) Verhandlungsprozess, denn als Beginn eines neuen, umfassenden Krieges. Das erklärt die vorsichtige Haltung gegenüber dem Dollar: Die US-Währung profitiert zwar von erhöhter Nachfrage als sicherer Hafen, doch von der Ausbildung eines nachhaltigen Trends zu sprechen, wäre derzeit verfrüht.

Daher empfiehlt es sich, Short-Positionen im Währungspaar erst dann in Betracht zu ziehen, wenn sich die EUR/USD-Verkäufer unterhalb der Unterstützungsmarke von 1,1370 etablieren und damit den Weg zur nächsten Kursbarriere bei 1,1300 (untere Linie der Bollinger Bands im Wochenchart) freimachen. Andernfalls könnte das Paar in die Handelsspanne von 1,1410–1,1470 zurückkehren, in der es sich bereits mehrere Wochen zuvor bewegt hatte.

*Die zur Verfügung gestellte Marktanalyse dient zu den Informationszwecken und sollte als Anforderung zur Eröffnung einer Transaktion nicht ausgelegt werden
Go to the articles list Go to this author's articles Open trading account