
Das Währungspaar EUR/USD befindet sich weiterhin in dem lokalen bärischen Impuls, der am 17. April begonnen hat, während sich die Kursbewegung in den vergangenen vier Wochen nur sehr verhalten entwickelt hat. Die letzte Liquiditätsspitze deutete auf eine weitere Abwärtsbewegung hin, die sich nun seit zwei Wochen entfaltet. Es ist schwer abzuschätzen, wie tief oder wie lange der Rückgang des Euro anhalten wird, aber die Bären haben ein klares Ziel – das letzte Swing-Tief bei 1,1325. Ein Liquiditätssweep unter dieses Tief könnte den Bullen eine zweite Chance geben, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Was den fundamentalen Hintergrund betrifft, sehe ich nach wie vor nicht genügend Gründe dafür, dass die Bären so dominant bleiben. Die geopolitischen Entwicklungen sind weiterhin enttäuschend, dürften für die Händler jedoch kaum der entscheidende Treiber sein, da sowohl der temporäre Waffenstillstand als auch die Wiedereröffnung der Straße von Hormus vom Markt weitgehend ignoriert wurden. In der vergangenen Woche hat die EZB ihre Geldpolitik unverändert gelassen, was für sich genommen kaum ein ausreichender Grund ist, den Euro zu verkaufen. Heute findet die Zinssitzung der Fed statt, bei der der Leitzins theoretisch um 0,25 Prozentpunkte angehoben werden könnte. Führende Analysten und große Broker schätzen die Wahrscheinlichkeit eines restriktiven Ergebnisses jedoch auf nicht mehr als 30–35 %. Mit anderen Worten: Die Fed könnte den Markt überraschen, aber ist es realistisch, von Kevin Warsh eine „hawkishe“ Überraschung zu erwarten?
Man sollte sich vergegenwärtigen, dass die Erwartungen einer geldpolitischen Straffung durch die Fed eben nur Markterwartungen sind. Die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt waren relativ schwach, während der Inflationsbericht auf ein verlangsamtes Preiswachstum hinwies. Folglich weckt die Abkühlung sowohl am Arbeitsmarkt als auch bei der Inflation Zweifel daran, ob das FOMC in absehbarer Zeit die Zinsen anheben wird. Ich persönlich bezweifle, dass die Fed in diesem Jahr zwingend einen Straffungszyklus einleiten wird oder dass eine mögliche Zinserhöhung mehr wäre als ein einmaliger Schritt, um unnötige Konflikte mit Donald Trump zu vermeiden.
Geopolitik bleibt ein nachgelagerter Faktor. Teheran und Washington haben sich von der am 17. Juni erzielten Vereinbarung zurückgezogen, was die Händler jedoch nicht überrascht hat. Donald Trump hat die Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft gesetzt und die Blockade der iranischen Schifffahrt erneuert, während der Iran die Straße von Hormus erneut geschlossen hat und Schiffe angreift, die versuchen, ohne Genehmigung durchzufahren. Vor einem Monat haben wir nach der Entspannung der geopolitischen Spannungen weder die erwartete Schwächung des US-Dollar gesehen, noch konnte der Euro nach der geldpolitischen Straffung durch die EZB vor sechs Wochen nachhaltig zulegen. Die Bären blieben trotz des fundamentalen und geopolitischen Umfelds am Ruder. Nun, da sich die geopolitischen Spannungen erneut verschärft haben, verfügen die Bären wieder über eine formale Begründung für erneuten Verkaufsdruck. Dennoch halte ich die angespannten Beziehungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten allein nicht mehr für ausreichend, um eine weitere bärische Welle zu tragen.
Das aktuelle technische Bild verweist weiterhin auf den bärischen Impuls, der am 17. April begonnen hat. Bearish Imbalance 17 ist noch nicht geschlossen worden, während Imbalance 18 durch die schwachen US-Arbeitsmarktdaten invalidiert wurde. Bullische Formationen haben sich nicht ausgebildet und werden wohl auch in den kommenden Tagen eher nicht entstehen, da der Markt sich seit etwa einem Monat überwiegend in einer Seitwärtsrange bewegt. Folglich könnten die Bullen zwar eine Korrekturbewegung in Richtung Imbalance 17 aufnehmen, es gibt derzeit jedoch keine technische Grundlage, um eine solche Bewegung zu handeln. Ein Liquiditätssweep unter das Tief vom 1. August des Vorjahres (rote Linie im Chart) hat bereits stattgefunden, kurz darauf gefolgt von einem Liquiditätssweep über das Hoch vom 2. Juli. Damit verfügen die Bären aktuell über technische Argumente, aktiv zu bleiben, auch wenn sich keine neuen bärischen Muster herausgebildet haben.
Am Mittwoch gab es keine nennenswerten makroökonomischen Veröffentlichungen. Später am Tag werden die Händler das Ergebnis der FOMC-Sitzung erfahren und die Äußerungen von Kevin Warsh genau verfolgen. Sollte Warsh auf eine mögliche Straffung der Geldpolitik im September hindeuten, würde dies die Bären unterstützen. Andernfalls könnten die Bullen einen weiteren Vorstoß wagen.
Die Bullen haben nach wie vor zahlreiche Gründe, im Jahr 2026 in die Offensive zu gehen, und selbst der Konflikt im Nahen Osten hat diese nicht entscheidend geschmälert. Strukturell und im großen Bild haben sich Trumps politische Maßnahmen – die im vergangenen Jahr zu einer deutlichen Schwächung des US-Dollar geführt haben – nicht grundlegend verändert. Derzeit erkenne ich trotz der „hawkishen“ Haltung des FOMC keine starken fundamentalen Faktoren, die den US-Dollar nachhaltig stützen. Gleichwohl dominieren weiterhin die Bären den Markt, während bullische Signale ausbleiben.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone
- Deutschland – BIP-Wachstumsrate Q2 (08:00 UTC)
- Eurozone – BIP-Wachstumsrate Q2 (09:00 UTC)
- Eurozone – Arbeitslosenquote (09:00 UTC)
- Deutschland – Verbraucherpreisindex (12:00 UTC)
- Vereinigte Staaten – Kern-PCE-Preisindex (12:30 UTC)
- Vereinigte Staaten – BIP-Wachstumsrate Q2 (12:30 UTC)
- Vereinigte Staaten – Persönliche Einkommen und Ausgaben (12:30 UTC)
Der Wirtschaftskalender für den 30. Juli umfasst sieben geplante Veröffentlichungen, wobei den BIP-Daten die größte Aufmerksamkeit des Marktes gelten dürfte. Dementsprechend könnten die makroökonomischen Entwicklungen die Marktstimmung den gesamten Donnerstag über beeinflussen.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlung
Meiner Einschätzung nach befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines übergeordneten bullischen Trends. Auch wenn sich das fundamentale Umfeld vor fünf Monaten deutlich zugunsten der Bären verschoben hat, kann der übergeordnete Trend bislang weder als aufgehoben noch als abgeschlossen gelten. Daher könnten die Bullen nach einem Liquiditätssweep unter klar definierte Tiefs eine neue Aufwärtsbewegung starten. Allerdings ist es aus Sicht des Risikomanagements derzeit weder sinnvoll noch ausreichend begründet, Long-Positionen zu eröffnen, da es kein gültiges technisches Einstiegssignal gibt. Jegliche Annahmen ohne technische Bestätigung kämen einer reinen Spekulation gleich. Aktuell liegen keine bullischen Formationen vor. Das einzige verbleibende technische Signal für bärische Händler ist Bearish Imbalance 17, die bislang noch nicht geschlossen wurde.
